Sehr persönliche Erinnerungen
KAUTZEN. Im Dezember 2015 erschien die Broschüre „1945 Kriegsende – Zeitzeugen der Pfarre Kautzen berichten“. 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erzählen Bewohner der Gemeinde Kautzen darin, wie sie persönlich das Ende des Krieges erlebt haben.
von ERICH SCHACHERL

Altbürgermeister Herbert Kasses hat insgesamt 27 Bürger aus Kautzen interviewt. „Ich habe mich bei den Befragungen darauf beschränkt, die Zeitzeugen über die unmittelbaren Geschehnisse vor und nach dem Kriegsende, speziell auf das Jahr 1945 bezogen, berichten zu lassen“, schreibt er in seinem Vorwort. 14 Frauen und 13 Männer sind zu Wort gekommen, die älteste Zeitzeugin wurde im Jahr 1923 geboren, die „jüngste“ Befragte erblickte 1942 das Licht der Welt.
Historischer Rahmen
Ein Beitrag stammt von Niklas Perzi, in Kautzen geborener Historiker und profunder Kenner der Zeitgeschichte. Er vermittelt die historischen Fakten der letzten Monate und Wochen des Zweiten Weltkrieges im Gebiet des Bezirkes Waidhofen/Thaya, die sich, wie er es formuliert, „durchaus dramatisch“ gestalteten. „Es war ein unglaublich schneller Wechsel an Ereignissen, der sich innerhalb weniger Wochen in den Ortschaften des Bezirkes....vollzog“, schreibt Perzi. Flüchtlingsströme, die deutsche Wehrmacht am Durch- beziehungsweise Rückzug, Soldaten am Weg in die Gefangenschaft, im Bezirk untergebrachte Kriegsgefangene und die herannahende Rote Armee bevölkerten in chaotischer Weise die Gegend. Mitten darin die hier lebende heimische Bevölkerung. Eine schwierige Lebenssituation.
Interessant und berührend
Die 27 Geschichten sind allesamt interessant und berührend. Einige Zitate: „Einen bleibenden Eindruck erweckte in mir der fluchtartige Rückzug der Soldaten der Deutschen Wehrmacht“, erinnert sich Alfred Deimel. Karl Fraisl: „Gut in Erinnerung habe ich noch die Panzersperren in Kautzen, von denen wir zwei auf unserem Schulweg passieren mussten“. „Im Jahr 1938 gab es ein Naturschauspiel, das selten in unseren Breiten zu erleben ist, nämlich ein Nordlicht, das mich als Kind sehr beeindruckt hatte. Der Himmel über Illmau und Kautzen war in ein eigenartiges Licht gehüllt“, erzählt Hermine Meier.
Die 71 Seiten umfassende Broschüre kann bei Elisabeth Ritter unter 02864/2346 angefordert werden. Ein freiwilliger Druckkostenbeitrag ist erwünscht.


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