Geschäftsschluss nach 40 Jahren
KEFERMARKT. Rund 40 Jahre lang hat Heinz Sickinger tagtäglich in der Früh die Tür seines Kaufhauses aufgesperrt. Am 30. März tut er das zum letzten Mal. Nach insgesamt 60 Jahren geht die Ära des Kaufhauses Sickinger im Ortskern zu Ende.

Wäre es nach seinen Eltern gegangen, hätte Heinz wie sein Vater zur Eisenbahn gehen sollen. Doch für ihn stand fest: Kaufmann war der Beruf seiner Wahl, und zwar im Kefermarkter Geschäft, das seine Mutter Ende der 1950-er Jahre auf Leibrente übernommen hatte. „Es war die richtige Entscheidung, mein Beruf hat mir riesig Spaß gemacht“, resümiert Heinz Sickinger wenige Wochen, bevor er die Kaufhaustüre für immer zusperrt.
Mit 23 selbstständiger Kaufmann
1980 hatte er das Geschäft samt Trafik im Alter von 23 Jahren von seiner Mutter übernommen. Auch Textilien und Geschirr, vor allem Gmundner Keramik, umfasste das Sortiment eine Zeitlang. Als Kaufmann mit Leib und Seele verließ Sickinger den Laden auch im Urlaub nie mehr als eine Woche lang. Zugesperrt wurde ohnehin nur einmal beim Begräbnis der Mutter und einmal krankheitsbedingt. Nach und nach gesellten sich mehrere Standbeine zum Lebensmittel- und Kurzwarensortiment. Zuerst das Lotto-Toto-Service, zuletzt vor vier Jahren die Postpartner-Stelle – ein Frequenzbringer.
Die Kurve gekratzt
„Ich habe mit diesen Nebengeschäften immer die Kurve gekratzt, denn eigentlich habe ich schon 1998, als der Spar-Markt gebaut worden ist, übers Zusperren nachgedacht“, sagt Heinz Sickinger. „Besondere Freude haben mir die Postdienstleistungen gemacht“, fügt er hinzu. Ist das Kaufhaus Sickinger erst einmal zu, wird das Kefermarkter Lagerhaus neuer Postpartner sein. In Pension geht der Kaufmann mit gemischten Gefühlen, wie er seinen Stammkunden auch in seinem letzten Jahreskalender mitgeteilt hat. „Es ist mir bewusst, dass für meine Stammkunden die Nahversorgung im Ortskern verloren geht. Aber jetzt müsste man wieder in das Geschäft investieren, und Parkplätze gibt es vor dem Geschäft einfach nicht“, erklärt der Kefermarkter. Auch der Tisch vor dem Kaufhaus für den gemütlichen Plausch wird damit bald der Vergangenheit angehören. Dafür wird der umtriebige Jung-Pensionist viel Zeit für seine vier Kinder, vier Enkel, seine unternehmungs- und reiselustige Frau Christa, eine Lehrerin, und seine Hobbies haben.
Kundschaften bedauern Aus
Sickinger: „Manche Kundschaften bedauern, dass ich zusperre, aber ich kann loslassen, wie bei der Feuerwehr und beim Chor Beides war eine schöne Zeit, aber im Nachhinein geht mir nichts ab. So wird es auch beim Geschäft sein.“ Nachsatz: „Nur den ersten Montag nach dem Zusperren fürchte ich ein wenig.“


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