(Update: Mi, 28.6.) Geplante Gasbohrung in Molln: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen
MOLLN. Ein möglicherweise riesiges Gasvorkommen auf Mollner Gemeindegebiet sorgt seit Monaten immer wieder für Diskussionen. Die Firma ADX Energy hatte einen Antrag auf Probebohrungen gestellt. Heute, Mittwoch, 28. Juni, fanden dazu die montanrechtlichen Verhandlung in Molln statt. ADX Energy lud zeitgleich zum Pressegespräch, ebenso wie die Bürgerinitiative „Pro Natur Steyrtal“. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

„Erdgasbohrung“ und „Molln“ sind zwei Begriffe, die in den vergangenen Wochen scheinbar unlösbar miteinander verstrickt wurden. Denn zwischen dem Forsthaus Jaidhaus und der Sandbauernkapelle in der Breitenau soll tief in der Erde ein riesiges Erdgasvorkommen schlummern. Darauf aufmerksam gemacht hatte die australische Firma ADX Energy, deren Antrag auf eine Probebohrung seither für hitzige Diskussionen sorgt. Nicht nur Naturschützer sehen sich alarmiert, auch viele Mollner fragen sich: Was passiert da eigentlich in unserer Gemeinde? Genauere Infos zum Projekt gab es anfangs kaum, dafür umso mehr Ungereimtheiten.
Bürgerinitiative kritisiert „Geheimhaltungstaktik“
„Die ganze Kommunikation rund um das Projekt war sehr verwirrend, auch für mich“, sagt Mollns Bürgermeister Andreas Rußmann (SPÖ). „Angefangen mit dem Projekttitel, der einen anderen Standort vermuten lässt, bis hin zu der Behauptung, die Unterlagen zum Probebohrungs-Antrag seien für alle einsehbar – der Informationsaustausch hätte besser laufen können und müssen“, so Rußmann. „Intransparenz und Geheimhaltungstaktik“, nennt die Bürgerinitiative „Pro Natur Steyrtal“ das Vorgehen des Projektwerbers kurz und knapp. Vorwürfe, gegen die sich ADX Energy vehement wehrt. „ADX hält sich an die österreichischen Gesetze“, heißt es in einer Stellungnahme der australisch-österreichischen Firma.
Eine amtliche Mitteilung, die vergangene Woche an alle Mollner Haushalte verschickt wurde, sollte den guten Willen der Firma zeigen. Darin enthalten: ein Vorwort des Bürgermeisters, in dem die neutrale Einstellung der Gemeinde betont wird, und Eckdaten zur Probebohrung, erklärt von Alan Reingruber, Geschäftsführer der Österreich-Tochter von ADX Energy.
Bohrungen starten frühestens im Oktober
Die vorgesehene Bohrstelle ist, so Reingruber, rund zehn Kilometer von bewohntem Gebiet entfernt und außerhalb des Naturschutzgebietes Jaidhaustal. Selbst wenn es zum erhofften Erdgasfund komme, gebe es keine sichtbaren oder hörbaren Beeinträchtigungen. Zudem wolle ADX die Bohrung auf die Wintermonate beschränken, um Fauna und Flora so gering wie möglich zu beeinträchtigen. Mit den Bohrungen starten werde man frühestens im Oktober.
ADX will Gemeinde bei Gasfund finanziell beteiligen
Und was haben die Mollner davon, dass eine australische Firma bei ihnen nach Erdgas bohrt? „ADX wird die Gemeinde im Falle eines Gasfundes finanziell beteiligen“, berichtet Rußmann und ergänzt: „Man fühlt sich zwar wie gekauft – aber als Gemeinde können wir das Geld gut gebrauchen.“
Endgültige Entscheidung noch ausständig
Heute, am Mittwoch, 28. Juni, trafen sich die Vertreter von ADX Energy, der OÖ Landesregierung, Bundesforste (Grundstückseigentümerin), Marktgemeinde, Bezirkshauptmannschaft und Feuerwehr zur mündlichen Verhandlung der Montanbehörde West in Molln. Sicherheitsthemen und Bergrecht standen hier im Fokus und Sachverständige gaben ihre Stellungnahmen ab.
ADX Energy und Bürgerinitiative luden separat zu Gesprächen
Da zur montanrechtlichen Verhandlung nur bevollmächtigte und projektbeteiligte Personen Zutritt hatten, lud ADX Energy separat zu einem Pressegespräch in den Gasthof Steinbichler in Molln. Dort gab Paul Fink, technischer Direktor von ADX Energy, einen Überblick über das Projekt „Welchau 1“, präsentierte die Eckdaten zur Probebohrung und stellte sich den Fragen des Publikums. Und diese waren, neben den Fragen der Journalisten, einige: Vertreter der Bürgerinitiative, des Naturschutzbundes Oberösterreich, der Klimaallianz Oberösterreich sowie viele Mollner Bürger und Anrainer zeigten Paul Fink ihren Unmut über das geplante Projekt. Neben dem Naturschutz-Gedanken waren dabei vor allem auch die Angst um eine negative regionale Entwicklung und die Überzeugung, fossile Energien in Zeiten der Klimakrise zu fördern sei irrsinnig, zu spüren. Das gesamte Projekt sei „ein Affront für die Nationalpark-Region und konterkariert die Pläne, unsere Abhängigkeit von klimaschädlicher Energie zu verringern“, formulierte es Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands, später beim Gespräch der Bürgerinitiative im Nationalparkzentrum Molln.
Die nächsten Schritte
Nach Abschluss der montanrechtlichen Verhandlungen und der Einspruchsfrist erteilt die Montanbehörde West entweder eine Genehmigung oder auch Absage für die Probebohrungen. Auch das Ergebnis des Umweltschutzverfahrens des Landes Oberösterreich ist noch ausständig. „Wir rechnen bis spätestens September mit einem Ergebnis“, so Paul Fink.
„Keine unüberwindbaren Gräben schaffen“
Wie es auch mit dem Projekt „Welchau 1“ weitergehen mag, für Mollns Bürgermeister ist vor allem eines wichtig: „Egal wie man zur Gasbohrung steht: Ich wünsche mir, dass wir die Position der anderen respektieren und keine unüberwindbaren Gräben zwischen Projekt-Befürwortern und Gegnern schaffen.“


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