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Gymnasialdirektor, Abt und Landeshauptmann aus Kremsmünster

Online Redaktion, 09.01.2026 13:58

KREMSMÜNSTER. Leonhard Achleuthner wurde am 10. Jänner 1826 am Jungbauernhof (Helmberg 3) geboren. 200 Jahre später blickt man im Stift Kremsmünster auf die großen Verdienste des ehemaligen Landeshauptmannes zurück.

Abt Leonhard Achleuthner (Foto: Stift Kremsmünster)
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Der aufgeweckte und wissbegierige Knabe kam 1837 an das Stiftsgymnasium. Acht Jahre lang führte sein Schulweg von seinem Elternhaus durch die Landwid und über den Tötenhengst ins Stift – er war somit ein externer Schüler und wohnte nicht im Konvikt oder in einem Kosthaus.

Nach sechs Jahren Gymnasium und zwei Jahren Lyzeum trat Leonhard Achleuthner ins Stift ein; am 18. September 1845 wurde er eingekleidet und erhielt auch als Mönch den Namen Leonhard. 1849 legte er die ewige Profess ab. Von 1846 bis 1850 studierte er in Linz Theologie, am 22. Juli 1850 wurde er zum Priester geweiht.

Studium in Wien

Als erster Stiftskapitular absolvierte Pater Leonhard Achleuthner nach der damals neuen Studienordnung das Lehramtsstudium in Klassischer Philologie – Latein und Griechisch – an der Universität Wien, das er 1852 mit Erfolg abschloss. Von 1853 bis 1881 unterrichtete er seine Fächer am k. k. Gymnasium Kremsmünster.

1856 übernahm er als Präfekt eine Konviktsabteilung (bis 1868). Von 1869 bis 1877 war Pater Leonhard Gymnasialbibliothekar, von 1873 bis 1881 Stiftsarchivar und von 1874 bis 1877 Leiter der Gymnasialkanzlei. 1877 wurde er als Nachfolger von Pater Amand Baumgarten zum Gymnasialdirektor ernannt.

Zusätzlich zu seinen Funktionen in Schule und Wissenschaft führte er von 1873 bis 1881 die Wirtschaftskanzlei des Stifts. Trotz seiner zahlreichen Aufgaben fand er auch noch Zeit für eine Reihe von Publikationen.

Leiter des Stifts

Als Abt Cölestin Ganglbauer zum Fürsterzbischof von Wien ernannt wurde, wählte das Stiftskapitel am 28. September 1881 Pater Leonhard zu seinem Nachfolger in der Leitung des Stifts. Mit der für ihn charakteristischen Tatkraft setzte er eine ganze Reihe von Maßnahmen durch.

Er führte den bereits von seinem Vorvorgänger Abt Augustin Reslhuber begonnenen Jubiläumsbau der neugotischen Pfarrkirche von Bad Hall zu Ende. Er ließ die Stiftsgebäude mit Blitzableitern ausstatten, den Fischbehälter restaurieren und die Stiftsmühle erneuern.

Weiters wurde das damals zum Stift gehörige Schloss Scharnstein renoviert. Das alte Hofrichterhaus vor dem Eichentor widmete er 1885 zu einem Kindergarten um, der auch heute noch besteht. Weitere bauliche Aktivitäten gab es im Stiftsbereich (Klerikatstrakt) und in verschiedenen Pfarren (z. B. Bischofszimmer im Pfarrhof Pettenbach).

Neue Schulräume

Besonders große Verdienste hat Abt Leonhard Achleuthner, was den schulischen Bereich betrifft: Er ließ von 1887 an in vierjähriger Bauzeit das Gymnasialgebäude im Stil der Neurenaissance errichten (Architekt: Hermann Krackowizer), da die alten Schulräume, die sich im Erdgeschoß des Gästetrakts (wo heute die Büros sind) befanden, nicht mehr den Erfordernissen entsprachen.

Verschiedene Standorte waren ursprünglich zur Diskussion gestanden: Umbau des ersten Stocks des oberen Meierhofs (Schmiedhof), ein Neubau entlang des Wassergrabens in direktem Anschluss an den frühbarocken Trakt – oder eben zwischen Konventgarten und Hofgarten (Areal des ehemaligen Apothekergartens), wo der Bau auch realisiert wurde.

Am 21. September 1891 fand die feierliche Einweihung statt. Beim Festakt im Kaisersaal sagte Abt Leonhard u. a.: „Mit dem Aufgebot aller Kräfte …  –  ich sage das ohne Übertreibung, aber auch ohne Klage, hat das Stift Kremsmünster ein neues Gymnasialgebäude errichtet, Gott zur Ehre und der studierenden Jugend zum Heile.“

Vor der Festversammlung gelobte der Abt, dass er das Gymnasium stets unter seinem besonderen Schutz behalten und für das Blühen und Gedeihen der Anstalt seine ganze Kraft einsetzen werde. „Ich könnte auch nicht anders, ich kann mir ein Stift Kremsmünster ohne Schule nicht denken, und wer wie ich 28 Jahre lang an der Lehranstalt als Lehrer und Erzieher gewirkt hat, der bleibt mit der Schule verwachsen und hütet sie als sein edelstes Kleinod.“

Zwölf Jahre Landeshauptmann 

Im Zuge des Gymnasialbaus wurde auch eine neue Wasserleitung angelegt, die zusätzlich zur Schule auch den Konvent- und Konviktbereich versorgte. Weiters wurde die Akademische Kapelle renoviert; dabei erhielt sie eine neue Orgel.

Im Kloster sorgte er für monastische Disziplin und war selbst ein gutes Vorbild – er besuchte bis ins hohe Alter jede kanonische Hore.

Auch für Land und Staat war Abt Leonhard tätig. Er wurde 1884 zum Landeshauptmann von Oberösterreich berufen und blieb dies bis 1896. 

Zeitlebens erhielt er viele Ehrungen. Abt Leonhard war ein großer, stattlicher Mann, war bei allen angesehen und geachtet. Seine Biographen merkten dazu an „ … und er wusste es auch“ und bezeichneten ihn mit Respekt als „Bauernfürsten“.

Im Konferenzzimmer des Gymnasiums hängt ein Ölporträt, u. a. befindet sich ein weiteres im Linzer Landhaus.

Sein Wappen stellt ein Kleeblattkreuz dar, das von einer Leonardikette umschlossen ist. Unweit des Geburtshauses befindet sich seit 1862 die „Jungbauernkapelle“.

Nachdem er 1902 einen Schlaganfall erlitten hatte, starb er am 15. Februar 1905 im Alter von 79 Jahren. Er ist in der Äbtegruft am Marktfriedhof bestattet.

Quellen: Petrus Schuster OSB: Cremifanum, Professbuch des Stiftes Kremsmünster, Band II, Kremsmünster 2020; Katharina Ulbrich et al.: Bauernhöfe in Kremsmünster, Waldneukirchen 2013; Linzer Volksblatt 1896, Nr. 7; Diarium clericatus Cremifanensis O. S. P. B., III. Ab anno MDCCCLXXX (ms.)

Wolfgang Leberbauer


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