Christian Dörfel im Sommergespräch: "Lebenswerter Bezirk Kirchdorf braucht sich nicht verstecken"
BEZIRK KIRCHDORF. Tips sprach im Rahmen der Sommergespräche mit ÖVP-Bezirksparteiobmann, Landtagsabgeordneter Christian Dörfel aus Steinbach an der Steyr über aktuelle Themen wie Strukturreformen, Kinderbetreuung, Fachkräftemangel und Klimaschutz im Bezirk Kirchdorf.

Tips:Warum sind Sie Politiker geworden?
Christian Dörfel: Ich bin in Steyr in die Schule gegangen und dort hat niemand gewusst, wo Steinbach an der Steyr ist, obwohl es nur 18 Kilometer entfernt ist. Ich habe mir geschworen, wenn ich gefragt werde, ob ich mich in irgendeiner Form engagieren will, dann sage ich ja, um Steinbach bekannter zu machen. Jahre später wurde ich gefragt, ob ich bei der JVP mitmachen möchte. Ich habe unter der Bedingung zugestimmt, dass ich auch gestalterische Möglichkeiten habe und nicht nur Plakate austrage. Die nächste Stufe war Gemeinderat und dann nahmen die Dinge ihren Lauf.
Tips:Warum haben Sie sich der ÖVP angeschlossen?
Dörfel: Von den Werten her war ich schon vom Elternhaus geprägt. Wir hatten ein Geschäft Zuhause, mein Vater war beim ÖAAB, so gesehen war der Weg schon vorgezeichnet. Während des Studiums hat sich das dann gefestigt.
Tips:Welche Themen beschäftigen die ÖVP derzeit im Bezirk?
Dörfel: Dass die Strukturreformen gut über die Bühne gehen – beginnend mit der Zusammenlegung der Bezirksbauernkammern und der Tourismusverbände bis hin zum Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum und der Bildungsregion. Wir unterstützen und zeigen Chancen auf, dass die Ängste nicht zu groß werden.
Tips: Was sind die konkreten Chancen der Strukturreformen?
Dörfel: Ziel ist es immer, die bestmögliche regionale Versorgung zu ermöglichen. Beim Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum ist das beispielsweise die Zusammenarbeit der beiden Krankenhäuser unter einer gemeinsamen kollegialen Führung. Denn damit ergeben sich höhere Fallzahlen und das macht das Krankenhaus für junge Ärzte interessanter. Wenn man junge Ärzte in der Region hat, ist die Chance sehr groß, Fachärzte und Allgemeinmediziner für die Region zu gewinnen. Das würde auch dem Hausärztemangel entgegenwirken.
Tips:Gibt es bei der Kinderbetreuung noch Handlungsbedarf?
Dörfel: Bei uns sind die Öffnungszeiten im Durchschnitt relativ wenig zurückgegangen, weil wir nach Bedarf ausbauen. Die Gemeinden sind alle sehr dahinter, weil die Kinderbetreuung für die Wohnortwahl entscheidend ist. Der Qualitätsanspruch ist sehr hoch, aber ich glaube, wir müssen die Auflagen weiter senken.
Tips:Der Personalmangel in der Pflege ist auch im Bezirk ein Thema. Wie kann hier angesetzt werden?
Dörfel: Als Erstes muss man diesen schönen Beruf positiv besetzen. Auch die Ausbildung muss attraktiver werden. Die Altenbetreuung als Lehrberuf ist ein guter Weg. Ich denke, es gibt zu viele verschiedene Berufsgruppen in der Pflege, viele sind überausgebildet. Zudem muss sichergestellt werden, dass alle, die eine Ausbildung machen, auch einen Arbeitsplatz bekommen.
Tips:Wie können die Landwirte unterstützt werden?
Dörfel: Landwirtschaft braucht eine Planungssicherheit, damit sich die Richtlinien nicht alle paar Jahre ändern, und faire Preise für die Produkte.
Tips:Vielen Unternehmen im Bezirk fehlen Fachkräfte. Wie holt man Fachkräfte in die Region?
Dörfel: Der Bezirk muss so attraktiv sein, dass Fachkräfte herkommen. Es gibt verschiedenste Initiativen, um den Bezirk als lebenswert und mit super Jobs darzustellen. Als Nächstes sind für die Pendler günstige Wohnungen zu schaffen. Im Rahmen der Initiative „Digitaler Werkzeugbautechniker“ soll mit Herbst 2020 eine Klasse der Berufsschule Steyr im TIZ in Kirchdorf etabliert werden.
Tips:Was halten Sie von der geplanten Erweiterung des Skigebietes Höss Richtung Vorderstoder?
Dörfel: Ich war von Anfang an dafür und es ist aus meiner Sicht notwendig.
Tips:Was halten Sie von einer Nationalpark-Erweiterung?
Dörfel: Für dieses Thema ist es noch zu früh. Wir sind derzeit in der Endphase des neuen Management-Plans. Zudem geht eine Erweiterung nur im Wege des Vertragsnaturschutzes.
Tips:Wie kann der öffentliche Verkehr im Bezirk attraktiver werden?
Dörfel: Das Infrastruktur-Paket sichert die Almtalbahn für zumindest zehn Jahre und die Verbindung Linz-Kirchdorf wird attraktiver. Parallel dazu entwickeln wir ein Zubringernetz zu bestimmten Haltestellen mit Taxi- und Mietwagenunternehmer auf regionaler Basis. Die Machbarkeitsstudie dafür läuft bereits.
Tips: Wie und welche Einsatzorganisationen sollen besser unterstützt werden?
Dörfel: Derzeit laufen in allen Gemeinden die Gefahren-, Abwehr- und Entwicklungsplanungen, wo es um die Ausstattung der Feuerwehren geht. Die große Herausforderung des nächsten Jahres wird ein Investitionsplan für die Neuausstattung unserer Tunnel- und Autobahnfeuerwehren mit Stützpunktfahrzeugen.
Tips:Der Wahlkampf steht vor der Tür, Klimaschutz ist erstmals Thema. Hat man im Bezirk Kirchdorf besondere Möglichkeiten mit diesem Thema die Menschen anzusprechen?
Dörfel: Es geht in erster Linie darum, Klimaschutz mit Hausverstand zu machen, jeder kann einen Beitrag dazu leisten.
Tips:In welchen Bereichen könnte der Bezirk Kirchdorf in puncto Klimaschutz Vorreiter sein?
Dörfel: Wir haben schon viele Klimabündnis- und Bodenschutzgemeinden. Wo wir Vorreiter werden können, ist im Bereich erneuerbare Energie mit Hackschnitzel und Nahwärme.
Tips:Was wäre Ihr Wunsch für die Zukunft des Bezirks?
Dörfel: Das Bekenntnis zum Bezirk soll sich in allen Bereichen erhöhen. Dass man eine gemeinsame Identität entwickelt. Wir sind eine Naturregion für Arbeit, Wirtschaft und Freizeit – wir sind der Bezirk Kirchdorf und wir brauchen uns nicht verstecken.


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