Diebstahl? Räder-Entsorgung sorgt für Wirbel
KREMS. Die geplante Entfernung herrenloser Fahrräder durch die Stadt Krems sorgt derzeit für Aufsehen. Ein Unbekannter wittert hier versuchten Diebstahl sowie Hehlerei und hat im Namen der „Radlobby“ Anzeige erstattet. Nur: Das Schriftstück stammt gar nicht vom gleichnamigen Kremser Verein. Die Stadt wiederum weist den Vorwurf des Diebstahls zurück, die Aufräumaktion sei rechtlich zulässig.

Im Jänner hatte die Stadt Krems angekündigt, herrenlose Fahrräder, die dauerhaft im Bereich des Bahnhofsplatzes abgestellt sind, zu entfernen. Ziel ist es, wieder mehr Platz für Pendler zu schaffen. Die betroffenen Räder wurden acht Wochen lang markiert und sollen nun – sofern sie nicht von ihren Besitzern abgeholt wurden – im März entfernt werden. Danach werden die Räder für ein Jahr eingelagert und schließlich, sofern möglich, auf dem Flohmarkt verkauft.
„Selbsternannte Diebe“
Dieses Vorgehen stößt bei einem unbekannten Bürger auf massive Kritik, er wittert hier einen Straftatbestand. „Es können nicht irgendwelche „selbsternannten Diebe“ Fahrräder, in denen zu wenig Luft im Reifen ist, der Sattel gestohlen wurde oder die Kette verrostet ist, im Deckmantel einer „Aufräumaktion“ den ohnehin schon geschädigten Fahrradbesitzern die Fahrräder stehlen und anschließend am Flohmarkt verkaufen“, heißt es in einem mit „Rad-Lobby“ unterzeichneten Schreiben, das an die Kremser Staatsanwaltschaft sowie diverse Medienvertreter ging. Der Verfasser erstattete daher Strafanzeige gegen Unbekannt wegen versuchten Diebstahls und Hehlerei.
Radlobby distanziert sich
Kurios: Das Schreiben stammt nicht von der Kremser Radlobby. Deren Sprecher Klaus Otepka distanziert sich in einer Presseaussendung „von Inhalt und Wortwahl“ des Schriftstücks. Die Radlobby sei vielmehr darum bemüht sachlich zu informieren. Die Entscheidung darüber, ob die Anzeige weiterverfolgt wird, steht laut dem Kremser Staatsanwalt Franz Hütter derzeit noch aus. „Aber strafrechtlich wird wohl nichts dahinterstecken“, meint Hütter.
Kosten höher als Einnahmen
„Die Aufräumaktion ist rechtlich zulässig, weil der Eigentümer des Fahrrades seinen Besitzwillen aufgegeben hat“, argumentiert Magistrats-Pressesprecherin Doris Denk. „Grundsätzlich ist zu sagen, dass diese Aktion dazu dient, von „Fahrradleichen“ blockierte Abstellplätze wieder frei zu bekommen, und nichts damit zu tun hat, Geld zu verdienen. Im Gegenteil: Die Kosten für Bearbeitung, Transport und Lagerung liegen deutlich über den Einnahmen“, so Denk weiter.
Bislang keine Diebstahlsanzeigen
Insgesamt ist es bereits das dritte Mal, dass die Stadt Krems eine derartige Entsorgung durchführt. Denk zufolge wurden dieses Mal insgesamt 46 Fahrräder markiert, die in Bahnhofsnähe abgestellt sind. Im Jahr 2015 wurden schon einmal neun und 2014 elf „Fahrradleichen“ aus der „Bike & Ride“-Anlage am Bahnhof entfernt. „Das Amt für Stadt- und Verkehrsplanung erhält zu der Aufräumaktion grundsätzlich positive Rückmeldungen. Diebstahlsanzeigen sind uns nicht bekannt“, erklärt Denk.
Ruf nach mehr Stellplätzen
„Im Vergleich zu anderen Bahnhöfen ist die Zahl der Radabstellplätze am Bahnhof Krems gering. Deswegen blockieren ein paar „Radleichen“ gleich einen relativ hohen Prozentsatz an Möglichkeiten. Die Aufräumaktion wird daher von den radfahrenden Pendlern begrüßt“, bestätigt auch Radlobby-Sprecher Otepka. „Aus meiner Sicht ist diese Aktion gut angekündigt und „verdächtige“ Räder werden über einen ausreichend langen Zeitraum markiert und beobachtet“, so Otepka weiter. Begrüßenswert wären aus Sicht der Radlobby weitere Stellplätze. Dringenden Bedarf sieht man beim westseitigen Zugang zum Bahnhof.


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