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BEZIRK KREMS. Vor 100 Jahren erhielten Frauen in Österreich erstmals das Wahlrecht. Tips hat sich bei „starken Frauen“ aus Stadt und Bezirk Krems umgehört, was sie zu diesem Jubiläum sagen, welchen Stellenwert Frauen aus ihrer Sicht heute in der Gesellschaft haben und was sie sich für die Zukunft wünschen.

  1 / 5   Landesrätin Barbara Schwarz (l.) und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP) präsentieren eine neue Broschüre zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“. Foto: NLK Filzwieser

Am 8. März wird der Internationale Frauentag gefeiert. Heuer kann Österreich dabei auf ein besonderes Jubiläum zurückblicken: Vor 100 Jahren wurde das Wahlrecht für alle Staatsbürger beschlossen. Ein Jahr später, 1919, durften somit Frauen erstmals wählen gehen und auch selbst für ein politisches Amt kandidieren. Österreich war damit eines der ersten europäischen Länder, welches Frauen das Wahlrecht zugestand. In der Schweiz wurde dies 1971, im Kanton Appenzell Innerrhoden sogar erst 1990 (!) ermöglicht.

Mehr Frauen in der Politik

„Ohne Ausdauer und Entschlossenheit von vielen mutigen Frauen würde es heute das Frauenwahlrecht nicht geben“, betont die Dürnsteiner Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP). „Frauen in der Politik sind heute selbstverständlich. Ihr Anteil an politischen Funktionen ist im Verhältnis zur Bevölkerungszahl aber noch zu gering“, meint Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Das Land habe daher ein „Politik Mentoring Programm“ gestartet, um mehr junge Frauen zu ermutigen, eine politische Funktion zu übernehmen.

„Subtile Benachteiligung“

„Wir Frauen müssen achtsam sein. Darauf achten, dass erkämpfte Errungenschaften nicht aufgeweicht werden“, meint die Kremser Vizebürgermeisterin Eva Hollerer (SPÖ). Frauenpolitik heiße nicht „gegen Männer zu sein“. Die Benachteiligung von Frauen finde heute „sehr subtil“ statt. „Laut Gesetz gilt die Gleichstellung, in der gelebten Praxis haben Frauen nachwievor mit sehr vielen Vorurteilen, Diskriminierungen und wirtschaftlichen Nachteilen zu kämpfen“, meint Hollerer.

„Meilenstein“ für Frauen

„Die Einführung des Wahlrechts war sicher ein Meilenstein in Sachen Gleichberechtigung. Nur durch die Teilnahme an Wahlen eröffnet sich die Möglichkeit, Interessen in der Öffentlichkeit durchzusetzen“, sagt die Kremser FPÖ-Gemeinderätin Susanne Rosenkranz. „Es ist gut, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Frauen ihre Ehemänner fragen mussten, wenn sie arbeiten gehen wollten“, so die Politikerin. Gleicher Lohn für Männer und Frauen müsste eine Selbstverständlichkeit sein.

„Noch zu viele Ungerechtigkeiten“

„Ich denke, dass es immer noch zu viele Ungerechtigkeiten gibt und alleine, dass wir über Gleichberechtigung diskutieren müssen, ist ein Zeichen dafür, dass wir noch lange nicht dort sind, wo wir hingehören“, meint Sandra Mayer, Bezirkssprecherin der Grünen. Sie würde sich außerdem wünschen, dass sich viele Nichtwähler durch das Jubiläum wieder ihres Wahlrechts bewusst werden.

Viele Unternehmerinnen

„Frauen sind immer besser ausgebildet und wollen auch Verantwortung in allen Bereichen der Gesellschaft übernehmen. So sind bei uns im Bezirk Krems fast die Hälfte aller Unternehmen von Frauen geführt“, berichtet die Bezirksvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“, Gaby Gaukel aus Krumau. Es gebe jedoch noch viele Bereiche, in denen Frauen zu wenig vertreten sind, zum Beispiel im höheren Management.

Chancengleichheit fehlt

Das Wahlrecht sei zwar der Schlüssel zur Gleichberechtigung, echte Chancengleichheit ist aus Sicht der Kremser Frauenberatungsstelle Lilith noch immer nicht gegeben: „Wir wünschen uns Lohngleichheit und Mitsprache. Gewalt, Sexismus, Frauenarmut und Lohnschere gehören auf die tägliche politische Agenda“.


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