Vier Jahre vor den Nazis versteckt: Bewegende Worte einer Zeitzeugin
KREMS. Einen erschütternden Bericht der Judenverfolgung in Wien lieferten Zeitzeugin Lucia Heilman und Autor Erich Hackl vor rund 200 Zuhörern in der Dominikanerkirche.

Ihre Geschichte erinnert an Anne Frank. Jenes deutsch-jüdische Mädchen, das sich während des Zweiten Weltkrieges mit ihrer Familie über zwei Jahre in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazis versteckte und ihre Erlebnisse in ihrem später weltberühmt gewordenen Tagebuch festhielt. Auch Lucia Heilman hatte in ihrem Versteck ein Tagebuch – nur benutzt hat sie es nicht. Das Schreiben überließ sie fünf Jahrzehnte später Autor Erich Hackl, der ihr Schicksal in seiner Erzählung „Am Seil“ festhielt. Gemeinsam boten sie dem Publikum in der Dominikanerkirche einen bewegenden Zeitzeugenbericht.
Freund der Familie als Lebensretter
Vier Jahre lang hatte der Wiener Kunsthandwerker Reinhold Duschka Lucia Heilman und ihre Mutter vor den Nazis in seiner Werkstatt versteckt – obwohl ihm dafür die Todesstrafe drohte. Er hat den Jüdinnen durch seinen couragierten Einsatz das Leben gerettet. Das junge Mädchen musste zuvor miterleben, wie ihr Opa und ihre Freundin von den Nazis in ein KZ abtransportiert wurden. „Die Abtransporte erfolgten in strenger Regelmäßigkeit. Man konnte sich praktisch ausrechnen, wann man drankommt“, erzählt Heilman über diese Zeit. Vor einem solchen Schicksal wollten ihre Mutter und sie sich schützen.
Vier Jahre im Versteck
Lucia Heilman war elf Jahre alt, als sie in das Versteck kam und 15, als sie es wieder verlassen durfte. Die Zeit vertrieb sie sich mit Lesen und Leute auf der Straße beobachten. Der schlimmste Tag sei der Sonntag gewesen, wenn es in der Werkstatt ganz still war. Die Angst davor, entdeckt zu werden, sei allgegenwärtig gewesen.
Diskriminierung geht weiter
Doch die Diskriminierung der Juden hörte mit dem Zweiten Weltkrieg nicht auf. Erst 2015 haben sie wieder einen antisemitischen Brief bekommen, erzählt die 89-Jährige. Auch der Nationalsozialismus sei nicht vorbei: „Er war immer vorhanden. Das hat nie aufgehört. Auch heute nicht“.


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