Rotkreuz-Markt Kremsmünster als wichtige Stütze der Armutsbekämpfung
KREMSMÜNSTER. Einsparungen, fehlende Umsätze, Arbeitslosigkeit, Insolvenzen: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise verschärfen den Alltag auf vielen Ebenen. Besonders betroffen sind armutsgefährdete Menschen. Sie würdevoll zu unterstützen, ist das Ziel des Rotkreuz-Marktes in Kremsmünster.

Über 10 Prozent der Oberösterreicher sind armutsgefährdet und können sich oftmals selbstverständliche Dinge nicht mehr leisten. Armut kann jeden von uns treffen. Alleinerziehend, Mindestpensionsbezug, Arbeitssuchend: Es gibt viele Gründe, warum Menschen mit einem geringen Einkommen auskommen müssen. „Um ihnen zu helfen starteten wir im Juni 2016 mit dem Rotkreuz-Markt in Kremsmünster“, erklärt Bezirkskoordinatorin Monika Felbermayr.
Stark reduzierte Preise
Im Rotkreuz-Markt werden Waren des täglichen Gebrauchs zu stark reduzierten Preisen angeboten. Dazu gehören Lebensmittel, Hygiene- und Reinigungsmittel, ausgenommen sind Alkoholika. Es werden keine Produkte zugekauft, daher gibt es kein Vollsortiment. Im Durchschnitt kosten die Waren ca. ein Drittel der herkömmlichen Diskontpreise. Dadurch können die Kunden günstig einkaufen, fühlen sich jedoch nicht als Bittsteller, da sie die Waren bezahlen und nicht auf Spenden angewiesen sind. Das wöchentliche Einkaufslimit ist geregelt und beläuft sich derzeit auf 30 Euro pro Woche.
Waren, die zwar noch in Ordnung sind, aber im normalen Handel nicht mehr verkauft werden
Unter dem Motto „verteilen statt vernichten“ werden Waren von Märkten, Erzeugern und Lieferanten kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese sind zwar noch in Ordnung, können aber wegen der Optik, Verpackungsfehlern, nur noch kurzem bzw. überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum oder aus Überproduktion nicht mehr im normalen Handel verkauft werden. „Waren erhalten wir regelmäßig von Hofer, Billa, Kremstaler Hofbäckerei, Bäckerei Schlair, Schlierbacher Stiftskäserei, Fleisch Wurst Hüthmayr, Stiftsgärtnerei Kremsmünster, der Eiermacher und Molkerei Leeb. Der Rotkreuz-Markt bietet ein gutes Warensortiment an und jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, sollte die günstige Einkaufsmöglichkeit nutzen“ sagt Bezirksstellenleiter Dieter Goppold.
Einkaufsberechtigungskarte ist nötig
Personen, die im Rotkreuz-Markt einkaufen möchten, brauchen eine Einkaufsberechtigungskarte. Dies ist an Einkommensgrenzen (netto) gebunden (1-Personen-Haushalte: 1.000 Euro, 2-Personen-Haushalte: 1.500 Euro, für jedes Kind 250 Euro). Antragsformulare sind im Gemeindeamt und beim Roten Kreuz in Kirchdorf oder Kremsmünster sowie auf der Homepage erhältlich. Von der Gemeinde wird der Antrag überprüft und bestätigt. Dieser muss dann im Rotkreuz-Markt oder bei der nächsten Rotkreuz-Dienststelle abgegeben werden und man erhält den Ausweis direkt im Rotkreuz-Markt.
„Man braucht sich nicht zu schämen“
„Ich komme jeden Dienstag und bin wirklich begeistert“, sagt Frau Dobesberger. Der wöchentliche Einkauf ist ein Fixpunkt in ihrem Leben. Armut und Arbeitslosigkeit sind keine Schande. Trotzdem ist es schwer, mit wenig Geld über die Runden zu kommen. Deshalb besorgte sich Frau Dobesberger eine Rotkreuz-Markt-Einkaufsberechtigung. Davon erfahren hat sie von einer Bekannten. „Man braucht sich nicht zu schämen, wenn man im Rotkreuz-Markt einkauft. Das Team ist nett und freundlich, die Regale sind gut gefüllt und die Waren sind von hoher Qualität. Ich empfehle jedem, dieses Angebot vom Roten Kreuz auch anzunehmen“, meint sie.
Freiwilliges Engagement
Ein bemerkenswertes freiwilliges Engagement macht den Betrieb des Rotkreuz-Marktes erst möglich. Die 40 Mitarbeiter leisteten im Jahr 2019 insgesamt 4.780 freiwillige Stunden. Der Rotkreuz-Markt war an 103 Tagen geöffnet und erwirtschaftete einen Umsatz in Höhe von 23.092,71 Euro. Diese Entwicklung zeigt seine Notwendigkeit auf, so lag der Umsatz im Jahr 2017 bei 18.805,65 Euro. Anfangs zählten viele Asylwerber zu den Kunden, doch mittlerweile nutzen und schätzen mehr und mehr Einheimische das Angebot.
„Was mit Sinn machen und der Gesellschaft etwas zurückgeben“, so beschreiben Franz Mair und Nicole Pleßnitzer ihr Engagement im Rotkreuz-Markt. Schon gegen 7 Uhr am Morgen fahren Franz Mair und seine Teamkollegen aus, um die Waren von den Lieferanten abzuholen. Anschließend werden sie im Markt aufbereitet, um unter der Leitung von Nicole Pleßnitzer ab 14 Uhr verkauft zu werden.
Rotkreuz-Markt in der Corona-Zeit
Auch in der herausfordernden Zeit, die hinter uns liegt, war der Rotkreuz-Markt durch die spartenübergreifende Zusammenarbeit für die Kunden geöffnet. Die coronabedingten Einschränkungen, wie beispielsweise das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das gleichzeitige Besucherlimit, das Abstand halten und die Hygienemaßnahmen, wurden gemeinsam gemeistert.
Mehrwegbeutel von Asylwerbern aus Molln
Außerdem werden, um Verantwortung gegenüber der Umwelt zu übernehmen, seit Anfang des Jahres im Rotkreuz-Markt Brot, Obst und Gemüse offen angeboten. Jeder Kunde kann seine Auswahl treffen und seinen persönlichen Mehrwegbeutel individuell füllen. Abgerechnet wird nach Kilogramm. Möglich ist das, weil Asylwerber aus Molln diese Mehrwegbeutel angefertigt haben.
Finanzielle Unterstützung der Gemeinden
„Die freiwillige Mitarbeit erspart uns viele Kosten, jedoch erfordert der laufende Betrieb immer wieder Investitionen und mehr finanzielle Mittel als wir erwirtschaften. Darum sind wir über das Vertrauen und die regelmäßige finanzielle Unterstützung der Gemeinden Kremsmünster, Ried, Wartberg, Rohr, Kematen und Sattledt sehr dankbar. Die Einzugsgemeinden unterstützen uns jedoch nicht nur finanziell, sondern auch durch die Ausgabe von Einkaufsgutscheinen an ihre Gemeindebürger in finanziellen Krisensituationen. Dadurch stellen sie eine Grundversorgung sicher“, erklärt Bezirkskoordinatorin Monika Felbermayr.
Spenden erhalten
Warenspenden sind das Fundament des Rotkreuz-Marktes. Zweimal im Jahr bitten Rotkreuz-Mitarbeiter bei der Aktion „Kauf ein Stück mehr“ vor den umliegenden Lebensmittelmärkten um Warenspenden für den Rotkreuz-Markt in Kremsmünster und viele Menschen kommen der Bitte nach. Dank der überwältigenden Spendenbereitschaft der Gesellschaft, konnte beim Warensammeltag am 4. Juli der Markt und die Lager wieder mit haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln zur Armutsbekämpfung gefüllt werden. Zusätzlich erhielt der Rotkreuz-Markt noch mehr als 800 Euro an Warengutscheinen, welche die Mitarbeiter bedarfsorientiert einlösen können. Unternehmen in der Region unterstützen den Rotkreuz-Markt ebenfalls mit Spenden.
Wer den Betrieb des Rotkreuz-Marktes unterstützen möchte, meldet sich bei Monika Felbermayr, Rotes Kreuz Kirchdorf (Tel. 07582/63581-24, E-Mail: monika.felbermayr@o.roteskreuz.at).
Der Rotkreuz-Markt in Kremsmünster, Bahnhofstraße 38, ist Dienstag und Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. „Er ist ein wichtiger Mosaikstein in unserem engmaschigen Netzwerk der Hilfe“, schließt Bezirksstellenleiter Dieter Goppold.


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