Der Eiserne Vorhang fiel vor 30 Jahren: Grenzlandgemeinden feiern das Jubiläum in gebührender Weise
LEOPOLDSCHLAG. Auf Hochtouren laufen derzeit die Vorbereitungsarbeiten beim „Hafnerhaus“ für die von der Leader-Region Mühlviertler Kernland geförderte Veranstaltungsreihe „Vereintes Europa – 30 Jahre Samtene Revolution“.

Heuer jährt sich zum dreißigsten Mal ein historisches Ereignis, das gerade für das nördliche Mühlviertel und Südböhmen noch immer von Bedeutung ist, nämlich der Fall des Eisernen Vorhangs. Am 11. Dezember 1989 durchtrennten Politiker aus Oberösterreich und Südböhmen den Stacheldrahtzaun an der österreichisch-tschechischen Grenze in Wullowitz. Mit der Samtenen Revolution ging damals die jahrzehntelange Ära des Kalten Krieges zu Ende.
Reihe von Veranstaltungen
Mit einer Reihe von Veranstaltungen möchten die Grenzlandgemeinden Leopoldschlag, Windhaag bei Freistadt, Sandl und Rainbach im Mühlkreis an den Fall des Eisernen Vorhangs erinnern.
Sonderausstellung im Gemeindeamt Leopoldschlag
Fleißig werden etwa in Leopoldschlag Originaldokumente aus der Region gesammelt, welche die Sonderausstellung des Heimathauses Freistadt – zusammengestellt von Fritz Fellner und Kurt Cerwenka – ergänzen sollen. Diese Ausstellung wird am Donnerstag, 12. September um 19 Uhr feierlich eröffnet und kann von 13. September bis 31. Oktober während der Amtsstunden und am Wochenende von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt am Marktgemeindeamt Leopoldschlag besichtigt werden.
Ziel der Ausstellung ist es, das Thema „Grenzöffnung“ aufzuarbeiten, bewusst zu machen und ein Leben in einem freien Europa zu propagieren. Um die Auswirkungen des Kalten Krieges bewusst zu machen, wurde ein Mahnmal für Frieden und Demokratie eigens für diese Veranstaltungsreihe errichtet, das die Auswirkungen des Kalten Krieges tragisch vor Augen führt.
Führungen am ehemaligen Eisernen Vorhang
Ein besonderes Highlight werden aber die Führungen entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs durch einheimische Guides sein, die die Ereignisse der damaligen Zeit bildlich und authentisch schildern können. Die Guides bereiten sich derzeit intensiv auf diese Führungen vor.
„Bei den Recherchen werden wieder tragische Erinnerungen wach, wie zum Beispiel die völlige Zerstörung der Ortschaft Neustift, die sich unweit der heutigen Grenze befand“, berichtet der Leopoldschläger Historiker Konsulent Alois Böhm. Neustift wurde im Jahr 1954 durch Sprengungen völlig dem Erdboden gleich gemacht.
Tragische, berührende und skurrile Erinnerungen
Bei einem Treffen haben die acht Guides zahlreiche tragische, berührende, teilweise skurrile Episoden aus der Zeit des Kalten Krieges oder kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zusammengetragen. Da gibt es etwa die Geschichte eines Leopoldschläger Landwirts, den tschechische Grenzsoldaten von seinem eigenen Grundstück auf tschechoslowakisches Staatsgebiet „eskortierten“.
Ein Stück Zeitgeschichte „vor unserer Haustür“
„Viele Sportler werden sich auch noch an den Fußballplatz erinnern, der so knapp an der Grenze lag, dass immer wieder Bälle in die damalige Tschechoslowakei geschossen wurden. Es bedeutete damals einigen bürokratischen Aufwand, die verloren gegangenen Bälle wieder zurückzuholen“, erinnert sich Alois Böhm.
„Das ist Zeitgeschichte, die sich vor nicht allzu langer Zeit vor unserer Haustüre ereignet hat und die man sich immer wieder in Erinnerung rufen sollte“, ergänzt der profunde Kenner der Leopoldschläger Geschichte.
Auftaktveranstaltung am 15. September
Bei einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung am Sonntag, 15. September ab 14 Uhr im Gasthaus Pammer in Mardetschlag fällt der Startschuss für zahlreiche kulturelle Aktivitäten in den vier Grenzgemeinden. Infos: www.eisernervorhang.at


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