Unter Schock: Der ganze Bezirk trauert um die beiden Mordopfer von Wullowitz
LEOPOLDSCHLAG/KEFERMARKT. Landwirt Franz G. (63) und Rot-Kreuz-Mitarbeiter David H. (32) sind tot. Nach dem schrecklichen Drama von Wullowitz steht der ganze Bezirk Freistadt unter Schock.

Trauer und Fassungslosigkeit nicht nur bei den Familien der beiden Opfer, ihren Freunden, Arbeitskollegen, Bekannten und Nachbarn, sondern in der ganzen Region: „In der Gemeinde herrscht große Betroffenheit“, sagt Leopoldschlags Bürgermeister Hubert Koller.
„Viele Leopoldschläger haben David gut gekannt. Er hat seine Sache sehr gut gemacht und sich über Gebühr für seine Schützlinge engagiert“, beschreibt Koller den verstorbenen Rot-Kreuz-Mitarbeiter.
„David war so ein angenehmer, netter, besonnener Mensch“
Auch Herbert Brandstötter, Bürgermeister von Davids Heimatgemeinde, ist tief betroffen: „Der Schock bei den Kefermarktern sitzt tief. Wir haben bis zuletzt gehofft, dass David es schaffen wird. Er war so ein angenehmer, netter, ruhiger und besonnener Mensch. Wir alle fühlen mit seiner Familie, die im Ort bekannt und beliebt ist.“ David H. wird nächste Woche beigesetzt.
Große Anteilnahme
Diese Woche wird Franz G. in Leopoldschlag zu Grabe getragen. „Der Franz war so ein netter, lieber Mensch, der keiner Fliege etwas zuleide getan hat“, beschreibt eine Nachbarin den „Fischer Franz“.
„Ich kannte den Franz schon seit meiner Schulzeit“, sagt Bürgermeister Hubert Koller. „In der Pension ist Franz so richtig aufgeblüht, weil er keinen Druck mit der Landwirtschaft mehr hatte. Er war zum Beispiel gerne mit dem Seniorenbund unterwegs“, beschreibt Koller den pensionierten Landwirt, der mit einer seiner beiden Schwestern auf dem Bauernhof in Wullowitz lebte.
Dorfgemeinschaft hält zusammen
Die Nachricht, dass nach Franz G. auch David H. gestorben ist, schockte am vergangenen Freitag auch die Anrainer des Asylwerberheims. „Mir fehlen die Worte. David hat seine Arbeit so gerne gemacht, er wollte es immer allen recht machen und hatte stets die Ruhe weg“, sagt eine Anrainerin. „Nach den Geschehnissen in Wullowitz sind wir alle sehr traurig und fühlen mit den Angehörigen der beiden Verstorbenen. Wir Nachbarn haben den Schwestern von Franz unsere Hilfe in jeglicher Form angeboten“, hält die Dorfgemeinschaft in den schweren Stunden zusammen.
Groß ist die Trauer auch bei den Rot-Kreuz-Kollegen von David H. „Wir sind tief betroffen“, sagt Rotkreuz-Präsident Walter Aichinger. „Unsere Gedanken sind bei allen Menschen, für die das Leben an diesem Tag eine schreckliche Wendung nahm. Dazu zählen vor allem Davids Familie, seine Kollegen, die Angehörigen des getöteten Landwirts und auch die Familie des Angreifers.“
Psycholgische Betreuung für alle unmittelbar Betroffenen
Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes kümmerten sich nach der schrecklichen Tat um die Angehörigen, die Anrainer des Flüchtlingswohnheimes, die anderen Asylwerber – welche die Bluttat an David H. mitansehen mussten – und die Ehefrau des Täters.
„Alle Betroffenen erhalten auch weiterhin bei Bedarf jegliche psychologische Betreuung“, sagt Walter Aichinger.
Flüchtlingsheim geschlossen
Das Asylwerberheim in Wullowitz wurde nur zwei Tage nach der Tat geräumt und die Flüchtlinge auf verschiedene Quartiere in ganz Oberösterreich aufgeteilt.
Davon betroffen waren vier Familien mit insgesamt acht Kindern bis 15 Jahren und zwei Einzelpersonen. „Es war ihnen einerseits nicht zuzumuten, weiter am Ort des Geschehenes wohnen zu bleiben. Auf der anderen Seite ging es auch um die Sicherheit der Heimbewohner“, sagt Rotkreuz-Asylkoordinator Christian Hrubes.
Herzzerreißende Szenen
„Leider gab es keine Möglichkeit, die Flüchtlinge in der der Nähe unterzubringen“, bedauert Hrubes es sehr, die Asylwerber aus ihrem gewohnten Umfeld und vor allem deren Kinder aus den Schulen, Vereinen und ihren Freundeskreisen reißen zu müssen. In den Schulen spielten sich nach Berichten der Lehrer zufolge herzzerreißende Szenen ab, als sich die Flüchtlingskinder von einem Tag auf den anderen unter Tränen von ihren Mitschülern verabschieden mussten.


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