Drogenlenker auf dem Vormarsch
BEZIRK LINZ-LAND. Immer öfter hört man von Fahrzeuglenkern, die sich unter Einfluss von illegalen Drogen hinters Steuer setzen und so die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer massiv gefährden. Tips hat sich mit Oberst Klaus Scherleitner, dem Leiter der Verkehrsabteilung Oberösterreich unterhalten, wie man dieses Problem in den Griff bekommen kann.

Im ersten Halbjahr wurden im Bundesland knapp 400 Personen erwischt, die sich nach dem Konsum von illegalen Substanzen nicht vom Autofahren abhalten ließen. „Die Tendenz ist stetig steigend und wird aus Sicht der Exekutive zu einem massiven Problem“, erklärt Scherleitner.
Alleine in den letzten Wochen wurden zahlreiche Drogenlenker im Bezirk Linz-Land aus dem Verkehr gezogen. Darunter auch besonders schockierende Fälle, wie die Mutter, die offensichtlich beeinträchtigt mit ihrer sechsjährigen Tochter am Beifahrersitz in Ansfelden von der Polizei gestoppt wurde. Oder die beiden Lenker, die sich einer Polizeikontrolle entziehen wollten und deren Fluchtfahrt in einer Zapfsäule beziehungsweise einem Feld endete.
Zweitgenanntem war der Führerschein schon drei Wochen zuvor entzogen worden, was ihn aber nicht davon abhielt, sich nur zwei Tage später – abermals unter Drogeneinfluss – wieder ans Steuer seines Autos zu setzen und abermals von der Exekutive erwischt wurde. „Neben der Hauptstadt ist der Bezirk Linz-Land mit seinem hohen Verkehrsaufkommen auch bei den Drogenlenkern ganz vorne mit dabei“, erzählt der Leiter der Verkehrsabteilung von seinen Erfahrungen.
Spezifische Ausbildungen
Die Polizei Oberösterreich ist sich des Problems bewusst und setzt in einem Pilotprojekt auf die Sensibilisierung von Beamten, um das Erkennen von aufgrund von Suchtgift beeinträchtigten Personen zu erleichtern. „Heuer im Frühjahr wurden 15 oberösterreichische Beamte in Wien von Amtsärzten besonders geschult. Das hat sich sehr gut bewährt“, so Oberst Klaus Scherleitner. Die Polizisten arbeiten normalerweise in fünf Dreierteams über das ganze Bundesland verteilt , werden besonders bei Schwerpunktkontrollen für ihre Expertise zu Rate gezogen.
Weitere Testgeräte
Ein weiteres wichtiges Mosaikstückchen, um dem vermehrten Aufkommen von Drogenlenkern auf den Straßen Einhalt gebieten zu können, sind die sogenannten „Suchtgift-Speichel-Vortestgeräte“, von denen es aktuell aber nur fünf Stück im gesamten Bundesland gibt. „Verkehrslandesrat Steinkellner hat vor kurzem die Finanzierung von fünf weiteren Geräten zugesichert“, ist Scherleitner über die zukünftige Verdoppelung froh, um mehr Kontrollen durchführen zu können.
Mehr Schwerpunktkontrollen
Ob der Suchtmittelmissbrauch im Straßenverkehr in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen hat, diese Frage traut sich der Leiter der Verkehrsabteilung nicht zu beantworten: „Vielleicht wird zurzeit mehr konsumiert wie vor 10 Jahren. Die höheren Zahlen liegen aber sicher auch darin begründet, dass heutzutage wesentlich mehr Schwerpunktkontrollen durchgeführt werden“. Besonders bei Kontrollen nach Festen oder Festivals können in der letzten Zeit große Erfolge der Polizei verbucht werden.
Wichtig ist der Polizei, dass Autofahrer unter Drogeneinfluss aus dem Verkehr gezogen werden, bevor etwas passiert. „Ein wichtiger Schritt dorthin ist, dass das Personal auch ohne Testgeräte besser geschult wird, um Anzeichen von Drogenkonsum besser zu erkennen. Das hat sich in den letzten Jahren schon stark verbessert, hier ist aber sicher noch Nachholbedarf“, sieht Scherleitner hier eine positive Tendenz.
Zahl der Alkolenker nur leicht sinkend
Wer glaubt, dass sich aufgrund der Zunahme an Drogenlenkern Alkohol am Steuer rückläufig bewegt, der irrt sich. Die Zahl ist nur unwesentlich sinkend, wie Klaus Scherleitner bestätigt: „Im Jahr 2017 wurden 3.141 Lenkern mit mehr als 0,8 Promille der Führerschein entzogen, im Vorjahr waren es mit 3.139 praktisch gleich viele“. Zudem werden jährlich etwa 1.200 „minder alkoholisierte“ Autofahrer erwischt, die sich zwischen 0,5 und 0,8 Promille ans Steuer gesetzt haben. In diesem Fall ist die Lenkberechtigung erst im Wiederholungsfall weg.
Drogenmix häufig
Wir wollten vom Verkehrsexperten wissen, welche illegalen Substanzen von den Autofahrern am häufigsten konsumiert werden. Genaue Zahlen diesbezüglich gibt es keine, allerdings kann Klaus Scherleitner eine Tendenz erkennen: „Cannabis ist hier der Renner, allerdings oft auch in Kombination mit anderen Drogen wie XTC, Kokain oder Speed“.


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