Diskussion um Finanzierung der Freibäder: „Ohne Unterstützung geht das nicht mehr“
LINZ-LAND. Bei den heißer werdenden Sommern ist das Freibad eine gute Möglichkeit, sich abzukühlen, wenn zuhause kein eigener Pool wartet oder gar der Sommerurlaub ansteht. Finanziell stehen die Gemeinden damit jedoch vor großen Herausforderungen. Viele Freibäder können nicht saniert werden – das Schwimmen droht zum Luxus zu werden.

Um ein Freibad zu sanieren, benötigt eine Gemeinde Förderungen vom Land Oberösterreich. Diese bekommen sie allerdings nur, wenn die Gemeinde 50 Prozent der Ausgaben des laufenden Betriebs des Freibades selbst decken kann. Bei Hallenbädern sind es 33 Prozent. Diese Hürde schaffen jedoch viele nicht. Laut Daten der SPÖ Linz-Land konnte beispielsweise St. Florian zwischen 2017 und 2020 im Schnitt nur 22,6 Prozent der Kostendeckung erreichen, in Enns waren es 18,8 Prozent. Im selben Zeitraum deckten auch Leonding und Hargelsberg nur 29,3 Prozent von den geforderten 50 Prozent ab. Damit können die Bäder also nicht saniert werden und „sind somit langfristig in ihrer Existenz gefährdet“, wie die SPÖ Linz-Land kritisiert.
Schulen und Schwimmkurse
Wenn ein Bad schließen müsste, würde das etwa auch bedeuten, dass viele Kinder aus Schulklassen oder Schwimmkursen dort nicht mehr das Schwimmen erlernen können. „Viele Schulen aus den Umlandgemeinden kommen auch zu uns schwimmen. Das Schlimmste für den Bezirk Linz-Land wäre, wenn wir das Badezentrum zusperren – dann würde bald gar kein Kind mehr schwimmen lernen und das wäre gesellschaftstechnisch nicht zu verantworten“, so der Trauner Bürgermeister Karl-Heinz Koll (ÖVP). Er gibt auch zu bedenken, dass, obwohl das Freibad der Stadtgemeinde nicht nur von Traunern genutzt werde, sondern auch von Schulen und Schwimmern aus den Umlandgemeinden, die Gemeinde dies jedoch trotzdem allein finanzieren müsse.
„Viele Gemeinden haben bereits erkannt, dass die Regionen und die örtliche Infrastruktur von einer gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit profitieren. Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit ist der Schlüssel, um die Regionen in Zukunft noch lebenswerter zu machen“, sagt OÖVP-Klubobmann Christian Dörfel dazu. Im Bezirk Rohrbach etwa schlossen sich 37 Gemeinden zusammen, um die Finanzierung eines Bezirkshallenbades zu ermöglichen.
Unterstützung gefordert
Ähnlich wie in Traun ist die Situation auch in Ansfelden, wie Bürgermeister Christian Partoll (FPÖ) darlegt: „Auch zu uns kommen viele aus den Umlandgemeinden baden – und das ist auch recht so, das freut uns. Aber wie in so vielen Bereichen steigen auch hier die Betriebs- und Energiekosten. Eine Mitfinanzierung anderer Gemeinden ist zwar in der Theorie eine Möglichkeit, aber in der Realität eher nicht umsetzbar, denke ich. Da müssen sich Land und Bund schon dementsprechend finanziell beteiligen und die Deckung der steigenden Kosten nicht ständig nach unten an die Gemeinden delegieren – ohne Unterstützung geht das nicht mehr.“
Fünf sanierte Bäder
Genau dies wird von vielen Gemeinden gefordert: Mehr Unterstützung vom Land und vor allem auch ein Aussetzen des Ausgabendeckungsgrades der 50 bzw. 33 Prozentgrenze. Das Erlebnisfreibad in Ansfelden ist eines jener fünf Freibäder in Oberösterreich, die derzeit mit finanzieller Beteiligung des Landes saniert werden. „Die 50 Prozent erreichen wir derzeit, jedoch sehr knapp und wenn man die Investitionen und steigenden Kosten bedenkt, geht sich das nicht mehr aus. Wir haben in die Sanierung bereits knappe 1,5 Millionen als Gemeinde investiert und die letzte Sanierungsetappe krisenbedingt nun ein Jahr nach hinten verschieben müssen. Diese wollen wir nächstes Jahr umsetzen, aber dafür müssen natürlich auch Eigenmittel angespart werden“, so Partoll.
Personalkosten
Die Gemeinden versuchen mit attraktiven Angeboten die Auslastung der Bäder zu erhöhen. „Um unser Bad immer attraktiv zu halten, investieren wir regelmäßig in größere Sanierungen und neue Angebote. Letztes Jahr haben wir die Sanitäranlagen und Wassertechnik erneuert, heuer können die Badegäste zum Beispiel erstmals mit Virtual Reality Brillen ins Meer abtauchen. Nächstes Jahr werden wir eine neue Wasserrutsche anschaffen – das ist natürlich eine sehr kostenintensive Investition, die uns hier bevorsteht. Die Stadt Leonding gibt für das Kürnbergbad pro Jahr etwa 220.000 Euro aus. Die Einnahmen hingegen betragen einen Bruchteil und dabei sind die Personalkosten noch nicht miteingerechnet“, so Leondings Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek (SPÖ).
Beliebter Treffpunkt
Dass das Freibad auch ein sozialer und gesellschaftlicher Faktor ist, wo Menschen zusammenkommen und sich Jung und Alt trifft, will der Paschinger Bürgermeister Markus Hofko (ÖVP), nicht außer Acht lassen: „Früher, in Zeiten ohne Handy, hat man gewusst, dass man im Waldbad jeden trifft, am Nachmittag. Heute hat schon fast jeder einen Pool, aber wenn man Freunde treffen möchte, musst du ins Waldbad. Es darf nicht ein geliebtes Stiefkind sein, in das viel Geld hineinfließt. Das tut es so auch. Ich muss es ins Gemeindeleben aktiv einbauen. Das ist unser Freibad, da treffe ich die 4061er, da gehe ich hin.“


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