Erste Hilfe: „Wenn Kinder wissen, was zu tun ist, dann ist die Angst ganz schnell weg“
WILHERING. Kinder auf medizinische Notfälle vorzubereiten, kann Leben retten. Das erfuhr Nadine E. aus Wilhering am eigenen Leib. Als die Sanitäterin alleine mit ihrer dreijährigen Tochter zuhause war, verlor sie aus dem Nichts für einige Minuten das Bewusstsein. Johanna reagierte in dieser Situation tapfer: sie holte Hilfe bei der Nachbarin, tröstete ihre aufgelöste Mama, als diese wieder aufwachte, und wies später sogar die Rettung ein.

Glück im Unglück hatte eine junge Familie aus Wilhering: Die dreijährige Tochter Johanna K. reagierte in einer medizinischen Notfallsituation völlig richtig und verhinderte so Schlimmeres: „Wir wollen mit unserer Geschichte Eltern aufmerksam machen: Sprecht mit euren Kindern über Erste Hilfe, denn es kann immer etwas passieren. Bei mir gab es keine Anzeichen“, so Nadine E., die sich selbst beim Roten Kreuz engagiert.
Erste Hilfe beginnt damit, Hilfe herbeizuholen
Mutter und Tochter waren alleine zuhause, als es zu dem Vorfall kam: Johanna hatte es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht, während Nadine E. in der Küche eine Jause herrichtete. Aus dem Nichts wurde der Rettungssanitäterin schwindelig: „Zwischen sechs und zehn Minuten lang war ich weg. Als ich aufgewacht bin, habe ich mich gleich nach meiner Kleinen umgeschaut und sie hergerufen.“ Kurz darauf marschierte Johanna tapfer los, um bei den Nachbarn nach Hilfe zu fragen.
„Sie hat ganz von selbst Schuhe in alle Türen gestellt, damit diese nicht zufallen und der Weg zu mir versperrt wird. Die Nachbarin war leider nicht zuhause. Aber Johanna hat mir meine Sanitätstasche gebracht“, schildert Nadine E. das Geschehen. Die Dreijährige habe den Kühlpack gehalten und der aufgelösten Mutter Trost gespendet. Letztendlich schaffte es Nadine E., ihren Lebensgefährten Stefan K. anzurufen, der die Rettung alarmierte und sofort von der Arbeit nach Hause fuhr.
„Während ich nach meiner Frau gesehen habe, wartete Johanna draußen auf das Rettungsauto, welches sie dann auch eingewiesen hat“, so der Vater. Laut Jugend-Koordinator Werner Asanger vom Roten Kreuz LL beginnen lebensrettende Maßnahmen „nicht erst bei der Reanimation“: Weitere Hilfe zu holen, einen Notruf absetzen, Beistand leisten, der Rettung den Weg weisen – all das ist Erste Hilfe und kann unter Umständen auch bereits von kleineren Kindern geleistet werden.
Vorbereitung auf Notfälle nimmt Kindern die Angst
„Hilfe zu holen, war für Johanna in der Situation das Normalste auf der Welt“, schildert Stefan K. Das Mädchen sei während des Vorfalls „die Ruhe in Person“ gewesen, habe die Anweisungen der Eltern genau befolgt. Außerdem scheint es, als habe sie das Geschehene soweit gut verarbeitet. Asanger weiß: „Angst entsteht durch Hilflosigkeit, wenn Kinder nicht wissen, was zu tun ist.“ Um bereits die Kleinsten auf Notfälle vorzubereiten, ist das Rote Kreuz mit „ROKO“ in den Kindergärten vertreten. Außerdem arbeitet das Jugendrotkreuz (ab sechs Jahren) eng mit den Volksschulen zusammen. Doch auch die Eltern sind angehalten, ihre Kinder aufzuklären. „Letztendlich ist es die Aufgabe von beiden Parteien“, so Asanger vom Roten Kreuz.
Dreijährige Johanna wuchs unter Einsatzkräften auf
Nadine E. und Stefan K. haben ihrer Tochter das Helfen nicht nur beigebracht, sondern buchstäblich in die Wiege gelegt: „Nachdem ich bei der Feuerwehr bin, meine Frau bei der Feuerwehr und der Rettung, haben wir immer zu Johanna gesagt: Wenn einmal etwas ist, dann musst zu sofort zu einem Erwachsenen rennen. Oder in Richtung einer Straße, wo du rufen und winken kannst“, erzählt der Vater.
Zuhause bei der Familie in Wilhering: Johanna weiß genau, wo sie die Sanitätstasche ihrer Mutter findet, sie kann ihren vollen Namen und die Adresse der Familie auswendig aufsagen und verarztet Kuscheltiere mit voller Hingabe. Vater Stefan K. würde seiner Dreijährigen auch zutrauen, am Telefon mit den Mitarbeitern der Notrufzentrale zu sprechen.
„Das Wichtigste ist jedoch, dass man den Kindern vermittelt, dass jene, die in Notfällen daherkommen, helfen“, so Stefan K. Der Feuerwehrmann weiß, dass das Hilfeholen oft an der Angst vor den Uniformierten scheitert. Kinder würden aus einem gewissen Instinkt eher davor zurückschrecken, sich erkennbar zu machen.
„Hilft nicht, wenn man nur einmal darüber redet“
Um die Angst vor Polizei, Rettung & Co zu nehmen, sollten Eltern proaktiv vorgehen: „Fahrt einfach mal mit euren Kids zum Roten Kreuz und zeigt ihnen, was die Leute da machen“, schlägt Nadine E. anderen Mamas und Papas vor, die selbst nicht bei einer Einsatzorganisation engagiert sind.
Das sei nicht nur beim Tag der offenen Tür möglich: „Gerade beim Roten Kreuz sind die Dienststellen immer besetzt. Anrufen oder anläuten und nachfragen, ob sich die Kinder das Auto anschauen dürfen, verärgert bestimmt niemanden. Meistens freuen sich die Diensthabenden sogar sehr darüber“, sagt Stefan K. Schließlich gilt: Immer wieder mit dem Nachwuchs über das Thema Erste Hilfe zu sprechen und einfache Handgriffe zu üben, kann im Ernstfall Leben retten.


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