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Sensationsfund in Enns: Römische Ziegelei entdeckt

David Ramaseder, 21.04.2026 13:24

ENNS. Am Donaulimes bei Enns ist Forschenden ein bedeutender Fund gelungen: Die lange gesuchte Militärziegelei des römischen Legionslagers Lauriacum konnte nun eindeutig nachgewiesen werden. Möglich machten das großflächige geophysikalische Untersuchungen, die ohne Grabungen auskommen.

  1 / 6   Links die Rekonstruktion eines römischen Brennofens, rechts das Untersuchungsgebiet bei Enns. (Foto: Visualisierung 7reasons/GeoSphere Austria)

Seit 2015 untersucht ein interdisziplinäres Team den rund zehn Kilometer langen Abschnitt zwischen Enns und St. Pantaleon-Erla. Dabei wurden bereits zahlreiche militärische und zivile Strukturen sichtbar – vom Legionslager über kleinere Lager bis hin zu Wachtürmen. Nun bringt eine neue Messkampagne zusätzliche Erkenntnisse.

Im Fokus stand ein Areal nordöstlich des Legionslagers, wo sich bereits die größte bekannte Kalkbrennofenanlage des Römischen Reiches mit zwölf Öfen befindet. Neue Messungen mittels Bodenradar und Geomagnetik zeigten weitere Gebäude, die mit dieser Anlage in Verbindung stehen. Hier produzierten Soldaten der legio II Italica, aber auch Sklaven, Kalk in großem Stil.

Den entscheidenden Hinweis lieferten jedoch zwei große Ofenanlagen: Mit Ausmaßen von bis zu acht mal acht Metern lassen sie laut Forschenden keinen Zweifel zu, dass es sich um Brennöfen der Legionsziegelei handelt. Damit ist eine zentrale Produktionsstätte nachgewiesen, deren Ziegel nicht nur in Lauriacum selbst, sondern auch an anderen Orten in Noricum verwendet wurden.

Zusätzlich wurde eine rund 23 mal 23 Meter große rechteckige Struktur entdeckt, die als Trockenhalle gedient haben könnte. Dort dürften die geformten Lehmziegel vor dem Brennvorgang gelagert worden sein. Die Anlage zeigt, welche wirtschaftliche Rolle das römische Militär in der Region spielte.

Wissenschaftlicher Meilenstein

Die Ergebnisse werden am 23. April im Museum Lauriacum präsentiert. Für Landeshauptmann Thomas Stelzer ist der Fund ein „wissenschaftlicher Meilenstein“, der das historische Potenzial Oberösterreichs unterstreiche und zugleich die Bedeutung des Donaulimes als UNESCO-Welterbe stärke.

Die neuen Erkenntnisse sind nicht nur für die Forschung wichtig. Sie helfen auch, das Areal besser zu schützen – und zeigen, dass die Region noch längst nicht vollständig erforscht ist.


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