Protest auf Google-Baustelle in Kronstorf
KRONSTORF. Rund 20 Personen haben am Sonntag, 30. August, beim im Bau befindlichen Google-Rechenzentrum in Kronstorf protestiert. Mitglieder der Initiative „Rechenzentren Nein Danke“ gelangten dabei auf ein Gebäude des Baustellengeländes und brachten Transparente an. Nach eigenen Angaben sprach die Initiative von einer „Besetzung“. Gefordert werden unter anderem ein Baustopp und mehr Transparenz rund um das Großprojekt.

Die Aktion begann nach Angaben der Initiative gegen 8.20 Uhr. Mehrere Aktivisten hielten sich auf dem Dach eines Gebäudes auf, weitere Teilnehmer versammelten sich vor dem Gelände. Auf Bildern waren Transparente mit Forderungen nach einem Baustopp zu sehen. Die Organisation Attac unterstützte den Protest.
Aktivisten fordern Baustopp
Die Initiative „Rechenzentren Nein Danke“ fordert einen sofortigen Baustopp für das Projekt in Kronstorf sowie für weitere geplante Rechenzentren in Österreich.
Kritisiert werden vor allem der erwartete Strom- und Wasserbedarf sowie der Flächenverbrauch. Zudem verlangt die Gruppe eine Offenlegung der Baupläne und Informationen darüber, wofür die Rechenleistung künftig eingesetzt werden soll.
Darüber hinaus spricht sich die Initiative gegen eine Nutzung von Rechenzentren für militärische Anwendungen und Überwachungstechnologien aus. Einen konkreten Nachweis dafür, dass im künftigen Kronstorfer Rechenzentrum entsprechende Anwendungen betrieben oder trainiert werden sollen, legte die Gruppe in ihrer Aussendung nicht vor.
Bürgerinitiative erneuert Kritik
Auch die Bürgerinitiative Rechenzentrum Kronstorf nahm die jüngste Aktion zum Anlass, ihre Kritik am Projekt zu bekräftigen. Sie fordert unter anderem eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Gesamtvorhaben, weniger Bodenversiegelung, strengere Vorgaben für die Nutzung und Rückführung von Kühlwasser sowie eine stärkere Nutzung der entstehenden Abwärme.
Die Bürgerinitiative kritisiert außerdem aus ihrer Sicht mangelnde Transparenz bei Strom-, Wasser- und Netzdaten. Den Vorwurf, das Vorhaben werde durch eine Stückelung der einzelnen Ausbaustufen an einer Umweltverträglichkeitsprüfung vorbeigeführt, formuliert die Initiative ausdrücklich als Kritik am bisherigen Genehmigungsverfahren.
Nach Angaben des Landes ist für das Projekt derzeit keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben. Rechenzentren sind im geltenden UVP-Gesetz nicht als eigene Vorhabenskategorie erfasst. Auch Umweltorganisationen und mehrere politische Vertreter fordern deshalb eine Änderung der gesetzlichen Regelungen.
Ausbau bereits eingereicht
Auf dem rund 50 Hektar großen Betriebsbaugebiet in Kronstort entsteht das erste Google-Rechenzentrum Österreichs. Ende April erfolgte der Spatenstich für die erste Ausbaustufe. Ende Juli wurden bei der Gemeinde Kronstorf und der Bezirkshauptmannschaft Linz-Land Anträge für weitere Ausbaustufen eingebracht.
Diskussionen um Ressourcen
Der mögliche Ressourcenbedarf sorgt seit Wochen für Diskussionen. Nach Berechnungen der Netz Oberösterreich könnte der Stromverbrauch bei einem Vollausbau mit 500 Megawatt Spitzenleistung bis zu 4,4 Terawattstunden pro Jahr betragen.
Zum Vergleich: Der gesamte Stromverbrauch Oberösterreichs lag 2024 laut Oberösterreichischem Energiebericht bei rund 14 Terawattstunden. Google selbst machte bislang keine Angaben zum erwarteten Jahresverbrauch.
Die Energieregulierungsbehörde E-Control hält die notwendigen Netzanschlussmöglichkeiten nach derzeitiger Einschätzung grundsätzlich für gegeben.
Wasserbedarf im Fokus
Auch der Wasserbedarf steht im Fokus. Laut wasserrechtlicher Bewilligung darf Google Kühlwasser aus Brunnen nahe der Enns entnehmen und täglich bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Wasser wieder in den Fluss einleiten.
Die maximale Temperatur liegt bei 30 Grad Celsius. Das Land verweist auf laufende Messungen und Kontrollen; laut den zuständigen Wasserrechtsexperten seien die prognostizierten Auswirkungen auf die Enns verkraftbar. Kritiker bezweifeln hingegen, dass die ökologischen Folgen ausreichend berücksichtigt sind.
Bereits Mitte Juli hatten mehr als 200 Personen bei einer Demonstration in Kronstorf gegen das Rechenzentrumsprojekt protestiert.








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