Der Kematner-Weg soll weiter fortgeführt werden.
KEMATEN. Bürgermeister Markus Stadlbauer kennt die Kommunalpolitik wie seine Westentasche, ist er doch auch Amtsleiter der Gemeinde Hargelsberg. Tips hat sich mit ihm über seine Leidenschaft zur Politik und die aktuellen Entwicklungen unterhalten.

Tips: Sie sind seit 2013 Bürgermeister von Kematen. Was war der Grund, in die Politik zu gehen?
Markus Stadlbauer: Ich durfte mich bereits in meiner Jugend in und für Kematen engagieren, bei der Feuerwehrjugend und bei unterschiedlichen Vereinen. Meine Lehrzeit am Gemeindeamt Kematen hat mir gezeigt, dass ich so mein näheres Umfeld positiv mitgestalten kann. Die einstimmige Wahl zum Bürgermeister 2013 war für mich eine tolle Bestätigung.
Tips: Was waren Ihre größten Errungenschaften oder Höhepunkte der bisherigen Amtszeit?
Stadlbauer: Gemeinsam konnten wir in Kematen in den letzten Jahren viel umsetzen. Denke da an den Bürgerbeteiligungsprozess mit Vorzeigeprojekten wie den Garfields Mittagstisch, den Neubau vom Kindergarten, dem ASKÖ-Clubhaus, vom Martinshof, dem Feuerwehrhaus und der Aufbahrungshalle aber persönlich sind mir auch die realisierten Hochwasserschutzmaßnahmen wichtig. Aktuell ist für mich neben der Kirchturmsanierung oder der Einführung vom Neubürgertreffen bzw. den vielen kleinen Projekten die Neuerrichtung einer Gemeindewasserleitung Achleiten samt Ausbau vom Glasfasernetz sowie die Umstellung der Abwasserbeseitigung eine besondere Errungenschaft. Besonders stolz bin ich auf die kommenden Projekte im Ortszentrum (Marktherz27, Nahwärme, …) die einerseits den Ortskern beleben und andererseits nachhaltige Zukunftsentscheidungen darstellen.
Tips: Was waren abseits von Corona die größten Herausforderungen, vor die Sie gestellt waren?
Stadlbauer: Die Belebung vom Ortskern ist für mich persönlich ein sehr wichtiges Thema. Wohnungen alleine können auch an anderer Stelle errichtet werden, aber gerade im Zentrum soll es Leben, Nahversorgung im weitesten Sinn und natürlich auch attraktive Verweilmöglichkeiten geben. Dabei soll auch der Grünbereich nicht zu kurz kommen. Diese Vielzahl an unterschiedlichen Komponenten gilt es zu vereinen und mit den Grundbesitzern abzustimmen. Hier gilt es, entsprechende Kompromisse zu finden.
Tips: Wie stark ist Kematen finanziell von der Pandemie betroffen?
Stadlbauer: In unserer Gemeinde konnten wir die geringe Anzahl an infizierten Personen schnell lokalisieren und auch Clustern zuordnen. Als Gemeinde und natürlich auch als Bürgermeister geht man mit gutem Beispiel voran. Ich bin aber unserer Bevölkerung dankbar, dass sie sich sehr gut an die Vorgaben der Bundes- und Landesregierung gehalten haben und auch halten.
Tips: Kann man die finanziellen Einbußen konkret beziffern?
Stadlbauer: Der Rückgang der Ertragsanteile und der Kommunalsteuer ist auch in Kematen mit über 230.000 Euro stark zu spüren. Auch wenn die nächsten Jahre etwas schwieriger werden, bin ich froh, dass wir in Kematen mit einer guten Haushaltspolitik dennoch wichtige Vorhaben realisieren können.
Tips: Mussten Bauvorhaben oder geplante Projekte aufgrund von Corona auf Eis gelegt oder ganz abgesagt werden?
Stadlbauer: Dank einer Überarbeitung der gut vorbereiteten Projektliste können wir 100 Prozent der möglichen Förderungen durch die „Gemeindemilliarde“ vom Bund und dem OÖ Gemeindepaket 2020 nutzen und unsere Investitionstätigkeit weiterführen. Speziell mit Erweiterung der Photovoltaikanlagen und Anschluss an die örtliche Nahwärme zeigt sich auch die regionale Nachhaltigkeit bzw. „Enkerltauglichkeit“.
Tips: Besonders die Kematner Vereine waren von den strengen Maßnahmen betroffen, so musste etwa das für heuer geplante Bezirksmusikfest auf nächstes Jahr verschoben werden. Wie kann man in so einer Situation helfen?
Stadlbauer: Nicht nur das große Bezirksmusikfest #Kematen2020 musste auf 2021 verschoben werden, auch zahlreiche weitere Veranstaltungen – die Kematen auszeichnen – wurden verschoben. Aktuell versuchen wir gemeinsam mit den Vereinen einen Veranstaltungskalender für das kommende Jahr zu erstellen, damit es zu keinen Überschneidungen oder Terminkollisionen kommt, da natürlich auch für 2021 bereits Jubiläen und Eröffnungen wie z.B. das neue Feuerwehrhaus der FF Kematen geplant waren. Als Gemeinde versuchen wir unsere örtlichen Vereine bestmöglich in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Wir sind unserer großen Musikkapelle Kematen/Piberbach auch bei der Suche nach Ausweichquartieren behilflich.
Tips: Wie harmonisch gestaltet sich in Kematen die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen im Gemeinderat?
Stadlbauer: Meinungsverschiedenheiten oder unterschiedliche Prioritätensetzungen kommen natürlich auch in Kematen teilweise vor. Als Bürgermeister bemühe ich mich aber um einen möglichst breiten Konsens. Die weit über 90 Prozent einstimmigen Beschlüsse in den Ausschüssen, im Gemeindevorstand und auch im Gemeinderat zeigen, dass grundsätzlich alle Fraktionen an einem Strang ziehen. Persönlich ist mir die Sachpolitik wesentlich wichtiger als irgendwelche Parteipolitik.
Tips: Kematen ist Klimabündnis Gemeinde. Welche Maßnahmen wurden bisher für den Klimaschutz gesetzt? Was ist dabei besonders wichtig?
Stadlbauer: Neben dem Schnupperticket der ÖBB (das online zu reservieren ist) und der bereits errichteten PV-Anlage setzen wir auf Information. Auch Themen wie E-Car-Sharing, E-Ladestation beschäftigen uns. Mit der Nahwärmeheizung (samt PV- & Solaranlage) und der Erweiterung der PV-Anlagen auf Kindergarten und Schule machen wir ökologisch einen großen Schritt vorwärts.
Tips: Wie sieht Ihre Vision für die Zukunft Kematens aus?
Stadlbauer: Kematen ist eine lebens- und liebenswerte Heimatgemeinde mit ländlicher Prägung. Die Fortführung des Kematner-Weges (Miteinander, Einbindung der Bevölkerung und unserer Vereine) ist mir wichtig. Hinsichtlich des Wachstums wird nach außen hin gebremst und wenn möglich und sinnvoll nach innen hin verdichtet.


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