„Auf Gemeindeebene erwarten sich die Leute, dass nicht gestritten wird“
LINZ-LAND. Bei der Wahl im September konnte die ÖVP in zahlreichen Städten und Gemeinden den Bürgermeistersessel an sich reißen. Tips hat mit Bezirksparteiobmann Wolfgang Stanek über den Urnengang und auch seine „neue“ Rolle als Landtagsabgeordneter gesprochen.

Tips:Wie bewerten Sie die Wahl aus Sicht der ÖVP?
Wolfgang Stanek: Wir haben auf Landesebene ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Man darf nicht vergessen, dass doch etliche Parteien kandidiert haben. Die Wahlen haben unter extrem schwierigen Voraussetzungen für alle Parteien stattgefunden, weil die Rahmenbedingungen alles andere als leicht waren.
Tips:Wie glücklich macht das Ergebnis auf Bezirksebene?
Stanek: Als ich Bezirksparteiobmann geworden bin, im Jahr 1995, das ist schon sehr lange her, haben wir in Linz-Land 14 SPÖ- und acht ÖVP-Bürgermeister gehabt. Wenn ich mir das Ergebnis jetzt anschaue, haben wir fünf SPÖ-Bürgermeister, zwei FPÖ-Bürgermeister und 15 ÖVP-Bürgermeister. Dann kann ich einfach festhalten, dass das Ergebnis historisch wirklich sensationell ist. In erster Linie ist es ein Erfolg der Bürgermeisterkandidaten. So kam es dazu, dass in Gemeinden wie Traun, Oftering, Neuhofen oder Pasching die SPÖ-Kandidaten nach vielen, vielen Jahrzehnten verdrängt werden konnten. Und gelungen ist es vor allem auch deshalb, weil da wirklich vor Ort sehr gute Arbeit geleistet wurde.
Tips:Was sind die Gründe für das gute Abschneiden?
Stanek: Besonders auf Gemeindeebene erwarten sich die Leute auch, dass ordentlich miteinander umgegangen und nicht gestritten wird. Sondern im Gegenteil, das Beste für die Gemeinde herausgeholt wird. Dass trotzdem dieses Miteinander-Gefühl, das auch von mir als Bezirksparteiobmann wesentlich mitbegleitet wurde, dazu geführt hat, dass wir so ein gutes Ergebnis eingefahren haben, liegt letztendlich auf der Hand.
Tips:Gibt es Punkte, mit denen man nicht zufrieden sein kann?
Stanek: Eigentlich gibt es bei uns nur eine Gemeinde, die nicht gut abgeschnitten hat: Das ist Pucking. Und da muss man ganz klar sagen, das hat sich abgezeichnet. Das war für viele von uns auch klar und das ist durchaus auch daran gelegen, dass gewisse Herrschaften – vor allem aber auch der bisherige Bürgermeister – beratungsresistent waren.
Tips:Demokratie ist Ihnen sehr wichtig. Wie bewerten Sie die Wahlbeteiligung im Bezirk?
Stanek: Rund 75 Prozent sind jetzt kein schlechter Wert, es ist allerdings Luft nach oben. Das war als Landtagspräsident eines meiner wesentlichen Anliegen und bleibt es auch, mich um demokratiepolitische Fragen zu kümmern. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Beteiligung nicht so schlecht, aber es ist kein Grund sich beruhigt zurückzulehnen.
Tips: Welche Ziele verfolgt die Bezirkspartei in Zukunft?
Stanek: Weiterhin wirklich gute Arbeit für die Menschen im Bezirk zu machen. Ein kleines Zeichen setze ich derzeit als Bezirksparteiobmann. Ich besuche gerade alle Bürgermeister im Bezirk zu persönlichen Vier-Augen-Gesprächen. Es geht mir darum – wenn es auf Landesebene derzeit nicht immer ganz so klar ist –, auf Bezirksebene ein klares Zeichen der Zusammenarbeit zu setzen. Weil auch auf Bezirksebene die Leute erwarten, dass man ordentlich miteinander umgeht.
Tips:Sie wurden nicht mehr Landtagspräsident. Warum?
Stanek: Die Gründe liegen de facto auf der Hand. Es musste eine Frau in die Regierung. Und offensichtlich hat man für das ausscheidende Regierungsmitglied was gesucht. Und derjenige, der in den sauren Apfel beißen musste, war ich. Ich war enttäuscht, weil ich diese Aufgabe mit Herzblut gemacht habe. Ich habe aber von Anfang an gesagt, dass ich mich im Landtag weiter voll engagieren werde.


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