Kinderbetreuung in Linz-Land: Spitzenplätze und dringender Handlungsbedarf
LINZ-LAND. Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hat aktuelle Zahlen zur Kinderbildung und -betreuung im Bezirk vorgelegt. Der AK-Kinderbetreuungsatlas zeigt, dass Linz-Land in vielen Bereichen gut abschneidet, jedoch gerade beim Angebot für Unter-Dreijährige noch deutlichen Aufholbedarf hat.

Die von der EU festgelegten Barcelona-Ziele sehen vor, dass für 33 Prozent der Unter-Dreijährigen und 96 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Während Linz-Land bei den Drei- bis Sechsjährigen mit einer Quote von 95,6 Prozent nur knapp hinter den Vorgaben liegt, verfehlt der Bezirk die Zielquote für die Unter-Dreijährigen mit 26,3 Prozent deutlich.
„Ein massiver Ausbau der Betreuungsangebote und ein Rechtsanspruch auf kostenlose Kinderbildung ab dem zweiten Lebensjahr sind unerlässlich, um Familien echte Wahlfreiheit zu ermöglichen“, betonte AK-Präsident Andreas Stangl. Investitionen in die Kinderbildung seien nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Laut Stangl bringe jeder investierte Euro einen gesellschaftlichen Mehrwert von sieben Euro.
Linz-Land: Viele Spitzenreiter bei der Betreuung
Trotz der Defizite bei den Jüngsten zeigt der Kinderbetreuungsatlas auch Positives: 20 der 22 Gemeinden in Linz-Land wurden in der höchsten Kategorie 1A eingestuft. Diese Gemeinden erfüllen alle Kriterien für eine vollzeittaugliche Betreuung, darunter tägliche Öffnungszeiten von mindestens 9,5 Stunden und eine Mindestwochenöffnungszeit von 45 Stunden. Bei den Unter-Dreijährigen zählen Asten, Enns, Hörsching, Leonding, Neuhofen und Pasching zu diesen Vorzeigegemeinden.
Im Bereich der Drei- bis Sechsjährigen stehen 15 Gemeinden in der 1A-Kategorie. Allhaming, Ansfelden, Enns, Hargelsberg, Hörsching, Kematen, Kirchberg-Thening, Kronstorf, Leonding, Neuhofen, Niederneukirchen, Pasching, Pucking, Traun und Wilhering bieten hier ein umfassendes Angebot, das Eltern eine Vollzeitbeschäftigung ermöglicht.
Verbesserungsbedarf in der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben
Trotz der insgesamt guten Ergebnisse haben vier Gemeinden in Linz und Linz-Land bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen und zwei Gemeinden bei den Kindergartenkindern die gesetzlichen Vorgaben für das Arbeitsjahr 2023/24 nicht vollständig umgesetzt. In diesen Gemeinden sind die Bildungseinrichtungen über das Jahr verteilt länger geschlossen, als es die Regelungen vorsehen.
AK fordert mehr Unterstützung für Gemeinden
Die AK Oberösterreich appelliert an die Politik, die Gemeinden finanziell besser zu unterstützen, um die Betreuungslücken zu schließen. Nur so könnten alle Familien unabhängig vom Wohnort gleiche Chancen erhalten. „Die Entscheidung, wie viele Stunden jemand arbeiten gehen kann, darf nicht vom Wohnort abhängen“, so Stangl. Linz-Land zeigt, dass ein breites Angebot möglich ist – doch gerade für die jüngsten Kinder bleibt noch viel zu tun, um allen Familien eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung zu ermöglichen.


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