KRONSTORF. Im Ortsteil Winkling entsteht gerade ein Google-Rechenzentrum, das einen sehr großen Strombedarf haben wird. Zur Kühlung der Anlage wird Wasser aus der Enns herangezogen. Die Erwärmung des Flusses bleibt vernachlässigbar.¶

In Kronstorf wird ein Google-Rechenzentrum errichtet, das nach der Fertigstellung vor allem von einem sehr hohen Strombedarf geprägt sein wird.Zum Strombedarf erklärt Google: „Wir arbeiten eng mit APG, Netz OÖ und den lokalen Behörden zusammen, um die beste und nachhaltigste Lösung für den Betrieb unseres Rechenzentrums zu erreichen. Google wird für die derzeitige Ausbaustufe die von Netz OÖ zugesicherte Kapazität von bis zu 150 MW (Megawatt) in Anspruch nehmen. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt der gesamte Standort in Kronstorf ausgebaut werden, würde maximal weniger als die Hälfte der ursprünglich und fälschlicherweise kommunizierten 1.000 MW anfallen.“ Ein Anmerkung dazu: Tips hatte diese 1.000 MW nie kommuniziert.
0,9 bis 1,3 Terawattstunden pro Jahr
Den sich daraus ergebenden Jahresstromverbrauch erklärt Christoph Dolna-Gruber von der Österreichischen Energieagentur: „Bei 150 MW wären das je nach Betriebsweise ein Stromverbrauch von 0,9 bis 1,3 TWh (Terawattstunden) pro Jahr, bei 500 MW entsprechend mehr.“Zum Vergleich: Alle 14 Ennskraftwerke erzeugen zusammen 1,86 TWh pro Jahr. Alle Photovoltaik-Anlagen Österreichs erzeugten zusammen 3,8 TWh im Jahr 2025.
Strom vom Strommarkt
Wo der Strom herkommt, erklärt Dolna-Gruber so: „Prinzipiell ist Österreich – und damit auch Oberösterreich – Teil des europäischen Strommarkts. Die Nachfrage wird im gemeinsamen Markt gedeckt. Google wird den Strom voraussichtlich am Markt beschaffen, zu einem sehr kleinen Teil vielleicht mit eigener Photovoltaik-Stromproduktion decken. Das ist die ökonomische Seite. Die physikalische: Wenn keine zusätzliche Erzeugung in Österreich ausgebaut wird, muss der Strom importiert werden. Um den Strom aber nicht quer durchs Land oder von noch weiter herholen zu müssen, wäre es wichtig, dass der zusätzliche Strombedarf möglichst lokal gedeckt wird. Potenziale dafür hat Oberösterreich.“
Statement Austrian Power Grid AG
Den Stromtransport übernimmt APG (Austrian Power Grid AG). Seitens der APG wird erklärt: „Für das gesamte APG-Netz liegen Netzzugangsanfragen von Datencentern in Höhe von circa 2.500 MW vor. Entscheidend für deren Umsetzung ist es, das Netz so auszubauen, dass diese ohne Beschränkungen in das Stromsystem integriert werden können. Mit Google in Kronstorf wurde ein solcher zukunftsweisender Industriestandort netztechnisch entwickelt. Für die derzeitige Ausbaustufe würde Google nach eigenen Angaben die von Netz OÖ zugesicherte Kapazität von bis zu 150 MW in Anspruch nehmen. Erweiterungen werden in Anbetracht des Bedarfs gemeinsam mit den Netzbetreibern koordiniert.“
Kühlung mit Enns-Wasser
Das Rechenzentrum wird mit dem Wasser des Ennsflusses gekühlt. Dies rief Befürchtungen hervor, dass sich die Enns zu stark erwärmen könnte. Doch hier kann Entwarnung gegeben werden: Je nach Berechnung wird sich die Enns um 0,001 bis 0,005 Grad erwärmen. Laut Google wird für die Wasserentnahme das Uferfiltrat der Enns genutzt, wobei strenge Grenzwerte für Qualität, Menge und Temperatur der Einleitung festgelegt wurden. Gemäß einer Gutachterstudie sei der Einfluss des Rechenzentrums auf die Wassertemperatur der Enns minimal.
Statement Umweltlandesrat Stefan Kaineder
Auch Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) gibt Entwarnung: „Das geplante Google-Rechenzentrum in Oberösterreich muss aus unserer Sicht nach modernsten Nachhaltigkeitsstandards umgesetzt werden – Transparenz und strikte Einhaltung hoher ökologischer Vorgaben sind dabei nicht verhandelbar. Die Sorge vor einer Erwärmung der Enns wurde fachlich bereits geprüft: Der Temperatureinfluss liegt bei unter 0,005 Grad Celsius und ist damit unmessbar, während das Durchfluss-Management der Wasserkraftwerke den entscheidenden Faktor darstellt. Das Projekt wurde auf Basis umfassender Expertengutachten genehmigt. Die wasserrechtlichen Verfahren bestätigen, dass weder öffentliche Interessen noch fremde Rechte beeinträchtigt werden. Vor dem Dauerbetrieb erfolgt ein Pumpversuch, um die Grundwasserergiebigkeit zu sichern – bei etwaigen Projektänderungen sind neue Genehmigungsanträge erforderlich.“
Impuls für Kronstorf
„Allein die Ankündigung im Jahr 2007/2008 von Google, Interesse an Kronstorf zu haben, hat eine gute Dynamik für die Gemeinde und die Region ausgelöst, die seither stetig anhält“, erklärt Bürgermeister Christian Kolarik (ÖVP). Kolarik erwartet auch eine höhere mittlere zweistellige bis dreistellige Anzahl an direkten Beschäftigten, wenn das Rechenzentrum in Betrieb geht uns weitere indirekte gesicherte Arbeitsplätze.
Mit Google ist Kronstorf auch in guten Gesprächen, ein kleines Informations- und Kommunikationszentrum im Ortszentrum umzusetzen. Dies soll die berechtigten Informationsbedürfnisse abdecken.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden