Thomas David im Interview: „Ich bin der Typ von nebenan“
LINZ. Viel Gefühl, Wahnsinns-Stimme: Der Singer/Songwriter und Gewinner der „Großen Chance“ Thomas David gastiert am Samstag, 29. April, im Posthof. Mit im Gepäck hat der Steirer sein neues Album „to love“. Tips hat sich mit dem „Typ von nebenan“ getroffen und verlost Freikarten für das Konzert im Posthof.

Tips:Mit der „Großen Chance“ kam dein Durchbruch. Es war aber nicht deine erste Castingshow-Erfahrung. Du hast 2003 auch schon an Starmania teilgenommen ...
David: Ja, mit 17 damals war“s aufregend, das war die erste Castingshow in Österreich überhaupt. Da bin ich auch ein bisschen stolz darauf, dabei gewesen zu sein. Bei der „Großen Chance“ 2013 war es dann aber schon so, dass ich gewusst habe, wer ich bin und was ich machen möchte. Das habe ich dort dann auch verkörpert und habe nur meine eigenen Songs mit meiner Band gespielt. Mit einer Castingshow geht man natürlich einen Kompromiss ein, ich habe das einfach genutzt und das Beste für mich draus gemacht.
Tips:Würdest du es empfehlen, an einer Castingshow teilzunehmen?
David: Ich glaube nur, wenn man sich der Konsequenzen bewusst ist und wenn man vielleicht auch schon ein wenig älter und selbstsicherer ist. Man muss sich bewusst sein: Das ist eine Fernsehshow. Was du vorher gemacht hast, was du nachher machst, spielt keine Rolle. Es ist eine Show und du bist ein Teil dieser Produktion.
Tips:Dein neues Album ist gerade erschienen. Du hast dir ein wenig Zeit gelassen dafür – war das eine bewusste Schaffenspause?
David: Ich wollte einfach dieses Arbeitsrad verhindern: schreiben, aufnehmen, Tour, schreiben, aufnehmen, Tour. Und ich bin auch der Meinung, dass man erst etwas erleben muss, bevor man wieder etwas schaffen kann. Man fängt sonst vielleicht auch an, sich selbst zu covern. Und das möchte ich nicht. Ich möchte mich ja weiterentwickeln und neue Sachen ausprobieren, meine Komfortzone verlassen. Ich glaube auch, dass das das zweite Album sehr deutlich zeigt.
Tips:Du ziehst also deine Inspiration aus den Dingen, die du erlebst?
David: Genau. Bei meiner persönlichen Musik bin ich der Typ, der nur über das schreiben und singen kann, was ich auch erlebt habe, was mir am Herzen liegt. Alles andere wäre gelogen, Fake, nicht authentisch.
Tips:Zum Beispiel: Was sind so die Themen im neuen Album?
David: Ich weiß gar nicht, ob es mehrere Themen gibt – ich glaub es ist einfach das Thema Liebe, was für viele schon echt abgedroschen ist – aber: Was macht uns Menschen aus? Uns Menschen macht Beziehung und Bindung aus – ohne dem wären wir nicht. „Find my love“, die erste Single, da geht es darum, dass du dich selbst erst schätzen musst, dass du dich selbst erst lieben lernen musst, bevor du überhaupt einmal sowas wie Liebe für jemand anderen empfinden kannst.
Tips:Entstanden ist dein neues Album großteils in London...
David: Genau, ich hab erstmalig auch mit anderen Songwritern geschrieben und auch mit anderen Produzenten gearbeitet. Ian Dench zum Beispiel, mit dem habe ich sehr viele Nummern geschrieben, das war mein Hauptpartner auf diesem Album, mittlerweile ein sehr guter Freund geworden – der ist einfach ein Herzerl. Der hat auch schon für Beyoncé und Shakira Songs geschrieben. Er hat mich extrem aus meiner Komfortzone gekitzelt. Gerade „Find my love“ – der erste Song – den ich überhaupt jemals in einer Kooperation geschrieben habe – das war für mich sehr neu, weil diese hohen Töne im Refrain – das hätte ich mich wahrscheinlich so nicht getraut. Ich war schon sehr skeptisch, aber es hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Ich habe nie Songs bekommen und die dann eingesungen, sondern ich habe immer Songs gebracht, an denen wurde gearbeitet. Darum ist jeder Song auch aus meiner Feder. Auf das bin ich schon auch stolz, weil ich sage: ich bin schon auch ein Songwriter.
Tips:Ich finde deine Musik sehr erdig. Würdest du dich auch als erdigen Menschen bezeichnen?
David: Ja, ich würde sagen, ich bin sehr erdig. Ich brauche das auch. Ich bin eher der Typ von nebenan und habe auch kein Problem damit. Ich würde auch von meinem Grundcharakter her sagen: Thomas David ist privat auch Thomas David. Diese Songs sind erdig, der Typ ist erdig. Ich habe auch keine Leute in meiner Band, die auf Glamour und Show machen.
Tips:War immer schon klar, dass du Singer-Songwriter wirst? Gäbe es einen Plan B?
David: (lacht) Nein, gar nicht. Ich bin auf keinen Fall der Typ, der zwingend um jeden Preis in diesem Business oder in dieser Öffentlichkeit stehen muss. Ich mach“s, weil es mir Spaß macht, und so lange es Leute interessiert, mir zuzuhören. Ich habe im Behindertenbereich gearbeitet und habe keine Scheu davor, da wieder zurückzugehen, weil es ein wunderschöner Job ist. Und weil mir der Job gezeigt hat, wofür man alles dankbar sein sollte. Im Grunde gibt“s aber auch mehrere Plan Bs. Ich würde mir vielleicht auch ein Wohnmobil checken und einfach die Welt bereisen und bespielen – nur ich, ohne Marktwert, Release-Date und sowas im Hinterkopf. Einfach spielen und die Leute mit meiner Musik begeistern. Weil das ist alles, was ich bin: Live-Spielen, eine Gitarre in der Hand, einen Song performen mit voller Energie. Das ist es, was ich bin und was ich kann.
Tips:Also auf die Bühne freust du dich praktisch wahnsinnig?
David: Ja, viel zu lange nichts gemacht… Ich hab elf Songs auf dem Album, und das alte Album, und Songs die noch garnicht veröffentlicht sind. Das merkt man auch in den Proben: Ich denke an nichts, sondern jetzt wird gespielt. Und das ist es einfach, warum ich das mache und warum ich garnicht anders kann. Also darauf brenne ich schon extrem.
Tips:Was war vorher: Gitarre oder Stimme?
David: Ganz ehrlich: Ich habe mit 15 die Schule gewechselt, bin dort in einen musischen Zweig und habe damals Freunde gehabt, die Gitarre gespielt und mir das gezeigt haben. Ich habe dann sehr schnell erkannt, dass ich nur vier Akkorde brauche, um Welthits nachzuspielen. Die hab ich dann auch genutzt, um selbst Songs zu schreiben. Gesungen hab ich schon immer, so Kinderchor, Volksschule, Musicals im Chor. Aber mit 15 habe ich diese Leidenschaft in der Musik entdeckt.
Tips:Wie sieht deine Band aus?
David: Wir haben Cello, zweite Gitarren mit Gesang, Kontrabass und E-Bass, wir haben eine Schlagzeugerin aus Krems und Piano – und eben ich. Das ist schon recht groß, ich glaube aber, dass die Lieder diesen Sound brauchen. Funktionieren tun die Songs alle auch solo, wahrscheinlich gibt“s auch eine Solo-Tour mit intimen Shows. Aber jetzt ist es mal wichtig, dass die Leute den Vibe vom Album hören, und so ist es momentan gerade ganz gut.
Hinweis
Thomas David: „to love“ – Albumrelease-Tour: Samstag, 29. April, 20 Uhr.
Support: Stefan Wedam.
Infos/Karten unter www.posthof.at


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