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Akustisches Mahnmal am Martin-Luther-Platz Linz: Hörausstellung "Dazwischen" wird eröffnet

Karin Seyringer, 03.09.2018 17:30

LINZ. Das Programm der Stadt Linz zum Gedenkjahr 2018 geht in die zweite Runde. Im Herbst stehen wieder zahlreiche Vorträge, Ausstellungen und vieles mehr am Kalender. Ein Highlight ist die Hörausstellung „Dazwischen. Linzer Geschehnisse von 1918 bis 1938“, die am Martin-Luther-Platz zu erleben ist.

  1 / 4   Republiksfeier der Sozialdemokratischen Partei am 12. November 1928 auf dem Linzer Hauptplatz. Foto: Archiv der Stadt Linz

Die Ereignisse der Jahre 1918, 1938 und 1968 bewegten Österreich, Europa und die Welt. Linz war gerade in der NS-Zeit stark hervorgegangen, als Patenstadt Adolf Hitlers. „Die Stad Linz beschäftigt sich seit Ende der 80er-Jahre intensiv mit der eigenen Geschichte“, so Bürgermeister Klaus Luger. Es sei eine schmerzhafte Aufarbeitung gewesen, so Luger.

Das Herbstprogramm beschäftigt sich nun vor allem mit der Republiksgründung im Jahr 1918, natürlich aber auch mit allen Folgewirkungen auf Linz.

Zentraler, niederschwelliger Ausstellungsort

Für die Hörausstellung „Dazwischen“ wurde ein zentraler und symbolträchtiger Ort gewählt. „Der Ort soll zeigen, dass man sich um Offenheit, Gleichbehandlung und Wertigkeit bemühen sollte“, so Luger. Für Bildungs- und Frauenstadträtin Eva Schobesberger ist die Ausstellung gerade rund um die aktuellen Ereignisse in Deutschland ein ganz zentrales Instrument um zu zeigen, dass die katastrophale Phase der Massenmorde nicht mit der Zeit der Errichtung der Gaskammer sondern bereits mit der Zeit der Hetze begonnen habe. „Es darf nicht wieder soweit kommen“, so Schobesberger. Wichtig ist für sie auch der niederschwellige Zugang, den die Ausstellung zentral an der Landstraße im öffentlichen Raum bietet. Auch Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer ist sich bewusst: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“. Gerade die Hörausstellung sei ein tolles Projekt, um die breite Bevölkerung zu erreichen, gerade jene, die keinen Zugang zu Zeitzeugen mehr hätten.

15 Hörstücke von Schriftsteller Walter Kohl

„Die Hörausstellung 'Dazwischen' macht alle Facetten, die Linz in den Jahren 1918 bis 1938 betroffen haben, erlebbar – gesellschaftlich, wirtschaftlich, kulturell“, erläutert Kulturdirektor Julius Stieber. Das Archiv der Stadt Linz und die Kulturdirektion sowie die Ars Electronica Solutions zeichnen für die Umsetzung verantwortlich. Schriftsteller Walter Kohl hat aus einer Unmenge von historischen Berichten und Dokumenten 15 kurze Hörstücke verfasst, inszeniert wurden sie von theater@work.

Vom Pez-Zuckerl bis zu Mode an sieben Stationen

„Wir waren bemüht, Dinge zu thematisieren, die vorher noch nicht behandelt wurden, etwa das Pez-Zuckerl aus Linz, das in der Zwischenkriegszeit erfunden wurde“, so der Direktor des Archivs der Stadt Linz Walter Schuster. Dazu kommen Geschichten zur Mode, zum 50-jährigen Jubiläum der Firma Heinrich Franck Söhne, die leistbaren Kaffee-Ersatz herstellte oder zum Maler Klemens Brosch. An sieben Hörstationen sind die Geschichten von 8 bis 22 Uhr zu hören. Begleitet werden die akustischen Geschichten durch zeitgeschichtlichen Kontext in Text und Bild.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Evangelischen Pfarrgemeinde Linz Innere Stadt und mit der Buchhandlung Thalia statt. Sie ist bis 18. November zu hören, anschließend werden die Geschichten über die Homepage der Stadt Linz abrufbar sein. 

Vorträge, Führungen, Ausstellungen

Neben der Hörausstellung gibt es eine weitere Vielfalt an Aktivitäten. Zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ werden Stadtspaziergänge angeboten, die Vortragsreihe „100 Jahre Erste Republik“ der Volkshochschule findet statt, in einigen Veranstaltungen wird den Ereignissen der Pogromnacht im November 1938 gedacht.

„Verpflichtung, Zeitzeugen Forum zu geben“

Auch ist das neue Buch „Linz 1918/1938 – Jüdische Biographien“ von Verena Wagner erschienen und wird am 18. Oktober im Alten Rathaus präsentiert. Eine Ausstellung dazu vom Archiv der Stadt Linz ist ab 8. November im Wissensturm zu sehen. „Wagner ist um die ganze Welt gereist, um persönlich mit noch lebenden Zeitzeugen aus Linz zu sprechen“, erläutert Schuster vom Archiv der Stadt Linz. „Das sind ganz wichtige Projekte, weil wir aktuell die fast letzte Gelegenheit haben, noch mit Zeitzeugen zu sprechen. Es ist unsere Verpflichtung, Zeitzeugen ein Forum zu geben.“

Musikalische Zeitreise

Die Musikschule der Stadt Linz lädt zudem zur musikalischen Zeitreise 1918 bis 2018: „The Sounds of Austria“, am 23. November im Brucknerhaus. Eine Revue aus 100 Jahren österreichischer Musikgeschichte erklingt, von Schönberg bis Falco. Als besonderer Gast wird dabei Marianne Mendt erwartet.

In einer übergreifenden Ausstellung zeigen die Mussen Lentos, Nordico und die Landesgalerie die Austellung „Wer war 1968?“, ab 28. September.

Zum Herbstprogramm ist ein eigender Folder mit dem vollständigen umfangreichen Programm erschienen.


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