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LINZ. Die Freue und die Aufbruchsstimmung waren spürbar anzumerken: Das Landestheater Linz konnte nun – endlich – den neuen Spielplan für die anstehende Saison 2020/21 präsentieren. Passendes Motto – und dieses Stand schon vor der Corona-Krise fest – „Freiheit“. 38 Neuproduktionen und vier Wiederaufnahmen stehen am Programm.

Motto der Spielzeit 2020/21: "Freiheit" (Foto: PETRA MOSER)
  1 / 5   Motto der Spielzeit 2020/21: "Freiheit" (Foto: PETRA MOSER)

„Die letzten Monate waren entsetzlich, weil sie unabhängig von allen Ängsten einer Amputation gleichkamen. Kunst ist nichts, wenn sie sich an niemanden wendet“, findet Intendant Hermann Schneider klare Worte bei der Spielplan-Präsentation. Social Distancing sei für ihn ein Unwort – denn es gehe gerade in Krisenzeiten um das gemeinsame, „es geht darum, wie sozial und fair wir miteinander umgehen“.

Passendes Spielzeitmotto

Die „Freiheit“ steht im Mittelpunkt der kommenden Landestheater-Saison, „dieses Motto wurde schon vor Corona gewählt – und hat jetzt eine ganz andere Bedeutung“, so Schneider.

Unzählige Male musste der Spielplan aufgrund von Corona umgeworfen werden. „Das ganze Team hat sich ins Zeug gelegt, dass es diesen Spielplan überhaupt gibt. Ich wünsch mir, dass sich möglichst bald wieder alle Plätze wieder füllen können“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer, auch Aufsichtsratsvorsitzender der Oö. Theater- und Orchester GmbH.

Flexibilität großgeschrieben

Durch die Corona-Situation gibt es eine Reihe von Verschiebungen bei Produktionen auf die nächsten Spielzeiten, teilweise bis ins Jahr 2024. Auch werden die Eröffnungsstücke der neuen Spielzeit von Landestheater-Regisseuren selbst inszeniert, um flexibler zu sein. Zudem sei so geplant worden, dass Bühnen bei Bedarf gewechselt werden können. „Flexibilität ist großgeschrieben, was planerisch eine Herausforderung war“, so Schneider.

38 Neuproduktionen, vier Wiederaufnahmen

38 Neuproduktionen − darunter zehn Uraufführungen, zwei Österreichische Erstaufführungen und eine Deutschsprachige Erstaufführung stehen am Spielplan 2020/21. Hinzu kommen vier Wiederaufnahmen.

Musical: Von Piaf bis zum Highlightkonzert

Den Auftakt macht die Sparte Musical, das die Spielzeit mit Pam Gems' „Piaf“ am 18. September in der Inszenierung von Musical-Chef Matthias Davids eröffnet. Das Musical ist gespickt mit den großen Chansons der Piaf, eine Paraderolle für Ensemble-Mitglied Daniela Dett.

Die weiteren Musicalproduktionen: Die Uraufführung von „The Wave“, basierend auf dem Experiment des Geschichts­lehrers Ron Jones von 1967 an einer amerikanischen Highschool (ab 7. November).

Ende November geht es weiter mit dem 9/11-Musical „Lieder für eine neue Welt“ von Jason Robert Brown. 2021 folgt die Österreichische Erstaufführung von „Priscilla – Königin der Wüste“. Außerdem ist es dem Landestheater Linz gelungen, die Rechte für die Deutschsprachige Erstaufführung des Hit-Musicals „Wie im Himmel“ (Regie: Matthias Davids) zu erhalten.

Und das Publikum darf sich mit „Die wollen nur singen!“ auch auf ein Highlight-Konzert des Linzer Musicalensembles freuen.

Einzige Beethoven-Oper

Die Opernsaison beginnt am 19. September – passend zum Beethovenjahr 2020 wird dessen einzige Oper „Fidelio“ mit dem zentralen Motiv der Hoffnung auf die Bühne gebracht. Kombiniert wird der Abend mit „Twice Through the Heart“ von Mark-Anthony Turnage. Dirigiert werden die beiden Werke von Chefdirigent Markus Poschner, Regie führt Intendant Hermann Schneider selbst. Das ist wohl auch die Produktion, auf die sich Schneider in der kommenden Spielzeit am meisten freut: „Wir haben versucht, hier eine ganz eigene Lesart zu finden“, verrät dieser vorab.

In der Sparte Oper/Operette warten zudem die Uraufführung der Neufassung von Schuberts „Das Dreimäderlhaus“ (Produktion Opernstudio, Fassung Heinrich Berté, 4. Oktober), die Lehár-Operette „Das Land des Lächelns“, Klassiker wie Mozarts „Le nozze die Figaro“, oder Bellinis Belcanto-Version der tragischen Liebesgeschichte von Romeo und Julia „Capuleti e i Montecchi“. Mit dem Opernhaus Zürich gibt's eine Koproduktion: „Rinaldo“ von G. F. Händel.

Tanz: Drei Uraufführungen

Gespannt darf man sein, was sich Tanz-Chefin Mei Hong Lin wieder einfallen hat lassen: Sie inszeniert und choreographiert die Uraufführung von „Bilder einer Ausstellung“ mit Musik von Modest Mussorgski und Sound von Christian Düchtel (ab 26. September).

Wiederaufgenommen wird Linz Klassiker-Adaptierung „Cinderella“ von Sergej Prokofjew, mit „Liebesbriefe“ folgt eine weitere Uraufführung. Und nach Johann Kresnik lädt Mei Hon Lin einen weiteren prägenden Protagonisten des Tanztheaters ein: Der Schweizer Tänzer und Choreograf Urs Dietrich wird sich in „Credo“ mit dem Spielzeitthema „Freiheit“ auseinandersetzen.

Klassiker und viel Neues

Das Schauspielhaus und die Kammerspiele an der Promenade werden unter Schauspieldirektor Stephan Suschke wieder ein Ort für Tragödie, Lustspiel, Volksstück und vieles mehr. Eröffnet wird die neue Spielzeit mit „Gefährliche Liebschaften“ nach Choderlos de Laclo (25. September). Es folgt die Uraufführung von Martin Plattners „Die Sedierten“. Peter Wittenberg inszeniert Molnárs zeitlos gültigen Theaterklassiker „Liliom“ und Sophokles' Tragödie „König Ödipus“.

Auch Thomas Bernhard (“Alte Meister“) oder Elfriede Jelinek (Uraufführung, „Schnee Weiss“) und Stefanie Sargnagel (Uraufführung, „Binge Living“) stehen am Programm. Klassiker gibt's mit Nestroys „Der Böse Geist Lumpazivagabundus“, Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ oder Kleists „Der zerbrochene Krug“.

Von Alice bis zur Weißen Rose 

Die Sparte Junges Theater startet mit „Junger Klassiker – Faust Short Cuts“ (13+, 20. September) nach Goethe, in einer Fassung von Leiterin Nele Neitzke. Als Weihnachtsmärchen steht Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ (6+) auf dem Spielplan. Die Fassung stammt vom Landestheater, „das ist für mich der perfekte Titel, des coronabedingt im Herbst passieren kann. Hier können wir, wenn nötig mit Masken arbeiten und das passt auch zu den schrillen Figuren“, erzählt Neitzke.

„Bambi“ (8+), die Erzählung von Felix Salten, veröffentlicht 1923, lädt ein in die Welt des Waldes mit ihren Wundern, Gefahren und Gesetzen.

Weiter geht es mit dem poetischen Stück „Die Zertrennlichen“ (10+). Heidelinde Leutgöb inszeniert mit „Die Weiße Rose“ (13+) ein ebenso packendes wie zum Nachdenken anregendes Stück. Die Spielzeit endet im Jungen Theater mit der Uraufführung „Erwartung: Erster Schnee“ (13+) nach einer Erzählung von Sophie Reyer. Das Landestheater ist hier Teil eines europäischen Projektes, gemeinsam mit acht Theatern wird es erarbeitet. „Das wird sehr interaktiv, wenn das noch nicht funktionieren kann, wird parallel schon eine digitale Version ausgearbeitet.“

Wiederaufgenommen werden sollen „Tschick“ und „Der Trollspion“, wenn es die Corona-Regeln zulassen.  

Geplanter Vorverkaufsstart Mitte Juli

Mit viel Optimismus in die kommende Spielzeit geht der Kaufmännische Geschäftsführer Thomas Königstorfer: „Trotz der Lage zeigt eine Umfrage, dass neun von zehn unserer Abonnenten ihr Abo verlängern wollen, den Rest werden wir auch noch überzeugen“, schmunzelt er. Beim Ticketing werde noch auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Herbst gewartet, unabhängig davon brauche es coronabedingt noch Adaptierungen, bevor man in den allgemeinen Vorverkauf gehen könne. Geplant wird mit einem Vorverkaufsstart Mitte Juli. Im Herbst ist dann ein monatlicher Kartenverkauf geplant, zum Beispiel ab September für den Monat November.

Alle Infos: www.landestheater-linz.at


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