"Das Schöne ist: Jetzt, wo gerade vieles in die Brüche geht, entsteht auch etwas Neues"
LINZ. Viele kennen ihn als Schauspieler und Leiter der Tribüne Linz, er hat aber auch eine großartige musikalische Seite: Rudi Müllehner hat die Corona-Zwangspause genutzt und als „Raul“ sein erstes Album mit 13 charmanten, amüsanten, aber auch nachdenklichen Dialekt-Chansons aufgenommen. Tips hat sich mit ihm unterhalten – und es gibt zehn CD-Exemplare zu gewinnen.

Tips:Viele kennen dich als Tribüne-Schauspieler und –Leiter, aber auch deine musikalische Seite konnte man auf der Bühne schon öfter erleben. Jetzt gibt's endlich dein erstes Album. Warum hat es so lange gedauert?
Müllehner: Ich hatte schlichtweg keine Zeit dafür. Die Theaterarbeit hat mich in den letzten Jahren voll eingenommen. Ein zweites Standbein als Liedermacher zu etablieren wäre nicht denkbar gewesen. Durch den Lockdown und die damit verbundene Theaterschließung im März war diese Zeit dann plötzlich da und ich habe diese Gelegenheit beim Schopf gepackt.
Tips:Es war und ist durch die Corona-Pandemie für euch, für die Tribüne, ein sehr schweres Jahr. War es vielleicht auch eine Art Therapie für dich, dich verstärkt der Musik zu widmen?
Müllehner: Der künstlerische Output hat uns als Theatermacher sehr gefehlt. Nachdem das „Projekt Raul“ schon länger in unseren Köpfen war, haben wir diese theaterlose Zeit dafür genutzt. Jetzt erscheint mein Album am 18. November, also mitten im zweiten Lockdown. Das Schöne daran ist: Jetzt, wo gerade vieles in die Brüche geht, entsteht auch etwas Neues. Das gibt mir auch Halt in dieser verstörenden und schwierigen Zeit.
Tips:Konntest du damit deine „heimliche Leidenschaft“ ausleben?
Müllehner: Auf jeden Fall. Ich mache ja schon länger Musik als ich Theater spiele. Lieder schreibe ich seit 25 Jahren. Es ist also höchste Zeit, aus dieser „heimlichen Leidenschaft“ eine „unheimliche“ zu machen und meine Chansons zu veröffentlichen.
Tips:Was sind denn so die Themen deiner Lieder?
Müllehner: Es fällt mir immer sehr schwer, meine Lieder zu beschreiben. Inhaltlich geht es um vieles, was ein Menschenleben so bereithält. Ich singe von Sehnsüchten und Träumen, von surrealistischen Dörfern mit illustrer Bevölkerung, von armen Schweinen und verliebten Jausenbroten, von schönen und unschönen Erinnerungen, missglückten Rendez-Vous', von Einsam- und Zweisamkeit und natürlich auch von der Liebe.
Tips:Was inspiriert dich? Was sind deine Einflüsse?
Müllehner: Ich schöpfe aus meiner Umgebung und meinen Gedanken. Jedes meiner Lieder ist zutiefst persönlich, aber keines ist restlos autobiografisch. Es ist mir immer wichtig, das, was mich bewegt, auf eine allgemein menschliche Ebene zu bringen, sodass auch die Hörer und Hörerinnen das Gefühl haben, die Lieder haben etwas mit ihnen und ihrem Leben zu tun.
Tips:Jene, die dich schon mal musikalisch erlebt haben, kennen „A Speckbrot und a Lachsbrot“ oder „Küssen auf'n Mund“: Du hast viele witzige Texte, teils aber auch sehr nachdenkliche… Botschaften rüberzubringen ist dir wichtig?
Müllehner: Ich schreibe immer dann, wenn ich muss, wenn mir etwas auf der Seele brennt, wenn ich etwas in Worte und Musik fassen will, was mich beschäftigt. Das ist mein Antrieb. Ich möchte dabei unterhalten und berühren und das am besten gleichzeitig. Wenn meine Lieder auch vor dem Hintergrund der Lebensgeschichten meiner Zuhörer funktionieren, dann bin ich happy.
Tips: Wie viele Lieder sind während Corona entstanden, wie viele gabs vorher schon?
Müllehner: Während des Lockdowns im Frühjahr sind drei neue Lieder entstanden: „Das Spiel“, „Das Schwein“ und „Unser Zeit“, drei völlig unterschiedliche Nummern. Die anderen zehn gab es schon vorher. Auf dem Album sind 13 Chansons aus 25 Jahren versammelt.
Tips:Du singst im Dialekt – war das bewusst, vorprogrammiert, für dich passender?
Müllehner: Das hat sich so ergeben. Mein Dialekt ist die Sprache, in der ich denke und träume, darum ist es für mich auch am schlüssigsten, wenn ich auch in dieser Sprache singe. Außerdem schwingt im Dialekt sehr oft etwas mit, was im Hochdeutschen gar nicht geht. Eine Stimmung zwischen den Zeilen, die nur der Dialekt herstellen kann. Es gibt aber auch Lieder auf Hochdeutsch von mir und es kann gut sein, dass auch wieder neue kommen, aber die allermeisten sind Dialektchansons.
Tips:Wie ist es eigentlich zu deinem Künstlernahmen „Raul“ gekommen?
Müllehner: Der Name gefällt mir. Und ganz nebenbei funktioniert er auch als Abkürzung für „Rudi AUs Linz“.
Tips:Es ist dein erstes Studioalbum – wie war die Arbeit im Studio für dich?
Müllehner: Ungewohnt. Der Tontechniker sagt: „Ton läuft“ und dann musst du funktionieren. Es ist wie in der Schauspielerei am Filmset. Ich habe mir dann im Studio immer vorgestellt, dass ich auf der Bühne vor Publikum spiele. Das hat gut funktioniert, weil ich ja eine Rampensau bin.
Tips:Eigentlich wäre ja für 18. November in der Tribüne der Album-Release mit einem Konzert geplant gewesen – ich nehme an, das wird nachgeholt?
Müllehner: Natürlich. Sobald die Aussicht besteht, dass programmierte Termine auch stattfinden können, wird es in der Tribüne Linz wieder welche geben. Und das Album live zu präsentieren, darauf freue ich mich besonders. Es ist ja auch dann die Premiere der drei neuen Nummern, die ich noch nie vor Publikum gespielt habe. Die Vorfreude darauf ist groß.
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