Ars Electronica fordert mehr Unterstützung für Künstler
LINZ. Beim Prix Ars Electronica 2021 sind deutlich weniger Arbeiten eingereicht worden als in den Vorjahren. Persönliche E-Mails würden zeigen, dass Künstler überall auf der Welt Druck ausgesetzt sind und keine Möglichkeiten haben, ihre Projekte umzusetzen oder fertigzustellen, berichtet das Ars Electronica Center Linz. Das Team verspricht, möglichst vielen Künstlern eine Präsentation ihrer Arbeiten anzubieten.

Der Prix Ars Electronica wurde vor 34 Jahren in Linz initiiert und gilt als wichtigster Wettbewerb der weltweiten Medienkunstszene. „Der Trend, den wir diesmal feststellen, ist besorgniserregend. Ein stark sichtbarer Rückgang der Einreichungen und viele persönliche E-Mails zeigen, dass Künstler und Künstlerinnen überall in der Welt massiv unter Druck sind und einfach nicht die Möglichkeit haben, ihre Projekte umzusetzen oder fertigzustellen. Dramatisch ist dies nicht nur für die Künstler und Künstlerinnen selbst, dramatisch ist das für uns alle. Es droht ein dauerhaftes Wegbrechen der kritischen Reflexion unserer gesellschaftlichen Entwicklung“, befürchtet Gerfried Stocker, Künstlerischer Leiter Ars Electronica. Zu dieser Situation würden monatelang geschlossene Museen, verschobene Ausstellungen, abgesagte Festivals, unter- oder abgebrochene Aufenthalte von Kunstschaffenden, aber auch unzureichende oder fehlende Hilfeleistungen seitens der Politik beitragen.
Ars Electronica geht mit positivem Beispiel voran
Laut Stocker seien sowohl Politik als auch Kunst- und Kultureinrichtungen gefragt, etwas für Kunst zu tun. „Als international führende Plattform für Medienkunst muss hier klarerweise auch Ars Electronica einen Beitrag leisten“, sagt der Künstlerische Leiter. In den vergangenen Monaten seien neue virtuelle und hybride Formate entwickelt, erprobt und evaluiert worden. Zudem seien Wettbewerbe wichtig wie nie zuvor, da sie einerseits Preisgelder vorsehen und andererseits Zugang zu raren Bühnen ermöglichen. „Wir haben uns kurzfristig dazu entschlossen, den Prix Ars Electronica 2021 noch höher zu dotieren und zusätzlich zu den 10.000 Euro, die an die Gewinner und Gewinnerinnen der Goldenen Nicas gehen, auch für die insgesamt sechs „Awards of Distinction“ je 3.000 Euro auszubezahlen. Erstmals haben wir heuer den mit 5.000 Euro dotierten ,Isao Tomita Special Prize' ausgeschrieben und gemeinsam mit dem Österreichischen Außenministerium den mit 10.000 Euro dotierten „Award for Digital Humanity“ initiiert. Wir werden alles daran setzen, möglichst viele Künstler und Künstlerinnen mit der Präsentation ihrer Arbeiten zu beauftragen“, kündigt Stocker an. Wer keinen Hauptgewinn erhält, wird etwa die Chance bekommen, das Projekt beim Ars Electronica Festival im September präsentieren zu können.
Ars Electronica Home Delivery: Digitales Linz und musikalisches Frühlingserwachen
Ein Programm, bei dem Künstler ihre Arbeiten zeigen können, ist darüber hinaus das Ars Electronica Home Delivery. Damit wurde ein virtuelles wöchentliches Programm ins Leben gerufen, das unter anderem durch Ausstellungen führt, Konzerte und Workshops anbietet. Diese Woche stehen beispielsweise Digitalisierungsstrategien der Stadt Linz und ein Konzert auf dem Klavier auf dem Programm. Den Beginn macht am Mittwoch, 17. März, um 14.30 Uhr das Ars Electronica BioLab. Zuseher erfahren, wie es möglich ist DNA zu kopieren und welche Prozesse bei PCR (polymerase chain reaction) ablaufen. Zu den Anwendungsbereichen zählen etwa der Vaterschaftsnachweis sowie die Identifizierung von Genen bei Erbkrankheiten.
Am Donnerstag, 18. März, um 17 Uhr skizzieren die Linzer Magistratsdirektorin Ulrike Huemer und Werner Arrich von der Grand Garage Aktivitäten, die Linz digital machen sollen. Der Fokus liegt auf Bereichen wie Kunst und Kultur, Industrie, Bildung, Forschung und neuen Arbeitswelten.
Am Samstag, 20. März, stellen Studierende der Richtung Zeitbasierte und Interaktive Medienkunst der Kunstuniversität Linz ihre Arbeiten vor. Dabei wird etwa allen Teilnehmern im Deep Space eine Tonspur und ein Farbbalken zugeordnet, dessen Farbton vom Abstand zur Wand beziehungsweise zur benachbarten Person abhängt. Zum Abschluss dieser Woche ist am Sonntag, 21. März, um 19 Uhr ein Klavierkonzert von Maki Namekawa und Dennis Russell Davies geplant. Auf dem Programm stehen neben Joseph Haydens „Komm, holder Lenz“ Stücke von Claude Debussy, Laurie Anderson, Joep Beving und Marc Reibel.


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