Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

LINZ. Endlich fand sie statt, die Uraufführung von Franzobels „Hanni“ - einem Monolog mit Musik nach der Lebensgeschichte der Hanni Rittenschober. Das Publikum dankte für den berührenden Abend - auf der Bühne Maxi Blaha -mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations.

  1 / 9   Uraufführung im Brucknerhaus: Maxi Blaha als Hanni Rittenschober, in Franzobels "Hanni". (Foto: LIVA)

Menschlichkeit zu zeigen, trotz größter eigener Not – Hanni Rittenschober war diese Frau. Die Mühlviertlerin wuchs in bitterer Armut auf, als „Mensch“ bei einem Bauern wurde sie wie eine Leibeigene behandelt. Sie musste gemeinsam mit ihrem Vater beim Bau der Baracken des KZ Gusen mitarbeiten. Sie wurde Zeugin der Mühlviertler Hasenjagd, versuchte mutig, den Häftlingen zu helfen. Ihr Mann – vom Krieg als anderer zurückgekehrt – verprasst das Geld im Wirtshaus und mit Weibergeschichten, die sechs Kinder zieht sie unter schwierigsten Bedingungen groß. Die Nazi-Gräueltaten machten sie fassungslos – genauso wie nach dem Krieg zu beobachten, das am Gelände des ehemaligen Lagers eine Siedlung mit Einfamilienhäusern gebaut wurde.

Uraufführung wurde zum Nachruf

Schon am 10. März 2020 war sie geplant, die Uraufführung „Hanni“, genau an ihrem 99. Geburtstag. Die Generalprobe wurde abgebrochen, die Uraufführung musste abgesagt werden, Corona hatte voll eingeschlagen. Die nunmehrige Aufführung konnte sie leider nun nicht mehr miterleben, Hanni Rittenschober verstarb kurz nach ihrem 100. Geburtstag, am 19. März 2021, die Uraufführung wurde zum Nachruf.

Nach einer Idee von Maxi Blaha und im Auftrag des Brucknerhauses schrieb Erfolgsautor Franzobel den Monolog mit Musik, Gerald Resch komponierte die Musik, Regie führte Alexander Hauer.

Mit Witz und Emotionen 

Auch wenn Maxi Blaha natürlich keine Ähnlichkeit mit einer Hanni Rittenschober hat, keine Minute stört dies. Maxi Blaha schlüpft in die Rolle der Mühlviertlerin, die Rückschau auf ihr Leben hält. Durchaus mit Witz, aber auch sehr nachdenklich stimmend und berührend ist das kurzweilige Stück, man mag vielleicht auch Verbindungen zur Lebensgeschichte der eigenen Großmutter ziehen. Blaha braucht nicht viel, um das Publikum mitzunehmen – ein Kopftuch, ein kleiner Küchentisch, ein Apfel, dienen als Requisiten. Alleine mit Worten werden große Gefühle geweckt.

Umrahmt wirdMaxi Blaha auf der Bühne vom Ensemble PHACE - Reinhold Brunner (Klarinette & Bassklarinette), Spiros Laskaridis (Trompete und Flügelhorn), Ursula Fatton (Harfe) und Maximilian Ölz (Kontrabass). Dazu kommt die große Brucknherhaus-Orgel, gespielt von Wolfgang Kogert.

Brucknerhaus-Orgel donnert

Komponist Gerald Resch hat ihnen die Musik geschrieben – dabei gekonnt die bekannte Melodie Hanni Rittenschobers und volksmusikalische Klänge eingeflochten. Die Brucknerhaus Orgel donnert angesichts der schrecklichen Nazi-Gräuel. 

Franzobels „Hanni“ feierte im  Brucknerhaus in Kooperation mit der Friedensstadt Linz Uraufführung. Das Publikum dankte mit sehr langem und lauten Applaus, zum Schluss erhob sich auch der letzte Zuschauer zu Standing Ovations.

 


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden