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Buchpräsentation "Geh' du voran": Ernst Fettners Leben in Zeiten des Krieges

Nora Heindl, 31.05.2022 12:04

LINZ. Ernst Fettners Leben steht exemplarisch für jene Generation, die gegen den NS-Faschismus gekämpft und dafür verfolgt wurden. Seinen 100. Geburtstag nahm er zum Anlass im Buch „Geh‘ du voran – Ein Jahrhundert“ sein Leben zu dokumentieren.  Am Freitag, 3. Juni, findet eine Buchpräsentation mit Herausgeberin Jana Waldhör im OÖNachrichten Forum statt, begleitet von Videoaufnahmen von Fettner, der im Dezember 2021 im Alter von 100 Jahren verstarb, und einem Gespräch mit Fettners Nachkommen.

Jana Waldhör und Ernst Fettner im Literaturhaus Wien (Foto: Paul Pibernig)
  1 / 2   Jana Waldhör und Ernst Fettner im Literaturhaus Wien (Foto: Paul Pibernig)

„Mit der Nazizeit kann man nichts vergleichen? Richtig.“ – schreibt Ernst Fettner. „Aber alles beginnt mit dem ersten Schritt. Was auch damals (noch) niemand für möglich gehalten hätte – letztlich sind wir doch alle Menschen – trat doch ein. Die ersten wurden zu den letzten Schritten. In die Gruben von Maly Trostinec. Rassismus und Antisemitismus sind gefährlich, wenn sie sich auch anfänglich leise anschleichen. Sie sind kein Naturereignis. Sie sind vom Menschen gemacht.“

In tagebuchartigen Fotoalben dokumentierte der Journalist Ernst Fettner (1921–2021) das vergangene Jahrhundert: die Jugend im Jüdischen Waisenhaus in Baden, seine Erfahrungen als Lehrling in verschiedenen Wiener Betrieben vor dem Hintergrund der Machtergreifung des NS-Faschismus und die damit verbundene Flucht nach Großbritannien, wo er schließlich auf einer Farm im Norden Schottlands landete. Dort erreichten ihn verzweifelte Briefe seiner Familie, die er in Wien zurücklassen musste und die großteils im Konzentrationslager ermordet wurde. Er erzählt auch vom Eintritt in die Streitkräfte der britischen Armee, für die er bis zum Ende des Krieges kämpfte und von den Hoffnungen an ein neues Österreich.

Als mittlerweile junger Kommunist war Ernst Fettner fest entschlossen, nach Kriegsende nach Österreich zurückzukehren und am Wiederaufbau des Landes teilzunehmen – und zwar mit der Feder in der Hand. Er wurde Journalist, schrieb zunächst für den Volkswille in Kärnten, später für die Volksstimme in Wien und wurde schließlich auch Präsidiumsmitglied der Journalistengewerkschaft.

Zahlreiche Fotografien und Originaldokumente, die Ernst Fettner über den Krieg hinweg retten konnte, verleihen seinen Erinnerungen einen geradezu dokumentarischen Charakter. Sein Vater Sigmund Fettner wurde im KZ Dachau inhaftiert und im Oktober 1942 in die Tötungsanstalt Hartheim deportiert, wo er vergast wurde.

Freitag, 3. Juni, 18 Uhr

OÖNachrichten Forum, Promenade 25, Linz


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