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Theater Phönix präsentiert Spielplan für 2026/27: "Ein Plädoyer für eine offene, demokratische Gesellschaft"

Nora Heindl, 26.06.2026 14:58

LINZ. Interpretationen von Klassikern aber auch Zeitgenössisches reicht sich im Theater Phönix in der kommenden Spielzeit 2026/27 wieder die Hand. Das über allem schwebende Motto: „Bewegung im Spiel“.

Das Kernensemble bleibt wie es ist, mit Lukas Weiss (v. l.), Martin Brunnemann, Johanna Egger und Karina Möller-Pele. (Foto: Andreas Kurz)

„Unsere Überschriften sind immer stark inspiriert von aktuellen Entwicklungen. Bewegung im Spiel ist daraus entstanden, dass wir in bewegten und bewegenden Zeiten leben. Aber obwohl alles ständig in Bewegung ist, hat man in vielen Bereichen das Gefühl, dass wir nicht vorwärts kommen, sondern Rückschritte machen, besonders im politischen und gesellschaftspolitischen Bereich. Überholte Rollenbilder, Rassismus, Diskriminierung, politischer Größenwahn, Fanatismus werden gefühlt nicht weniger, sondern mehr“, erzählt die künstlerische Leiterin Silke Dörner. 

Gerade deshalb setze das Phönix auch zum Beginn der Spielzeit einen Schwerpunkt auf Macht und deren Missbrauch und die einhergehende Gefährdung der Demokratie. „Wir dürfen angesichts dieser Entwicklung auf keinen Fall in Stillstand geraten, oder um es mit einer Todsünde auszudrücken, in Trägheit verfallen. Theater bietet mit seinen vielfältigen Mitteln immer wieder die Möglichkeit, sich kritisch, aber auch kreativ und lustvoll mit diesen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Dieser Verantwortung stellen wir uns ganz klar und deshalb ist dieser Spielplan auch ein Plädoyer für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft“, so Dörner. 

Ein Tyrann auf dem Thron

Eröffnet wird die kommende Spielzeit von Albert Camus' „Caligula“. Regie führt Nicolas Charaux. Premiere ist am 24. September im Saal. 

In Anbetracht der Absurdität des Lebens und seiner Traurigkeit darüber, dass der Mensch sowieso sterben muss, beginnt der römische Kaiser Caligula, seine Macht dafür zu nutzen, Unmögliches von seinen Untertanen zu fordern. So wünscht er sich, den Mond zu besitzen. Seine Vertrauten ermöglichen jeden grausamen Wunsch, während der Senat händeringend versucht, seine unberechenbarsten Launen zu zügeln und in produktive Bahnen zu lenken.

Camus verbindet großes Historiendrama mit bissig-lakonischer Dialogführung und der berühmten Philosophie des Absurden. So wird aus einem antiken Tyrannen ein moderner Charakter, der nach unbändiger Freiheit strebt – in einem politischen System, das seinem willkürlichen Handeln nicht Herr wird.

Figurentheater über autoritäre Tricks

Thematisch begleitet wird die Eröffnungsproduktion von einem Gastspiel am Balkon: „Der kleine Diktator“ heißt das Figurentheater vom Verein Kurbel für Kinder ab neun Jahren, das  genauso für Erwachsene gilt. Darin rebellieren die Schachfiguren gegen die Befehle ihres grimmigen Schachlehrers. Der aber lässt nicht locker und erklärt kurzerhand, wie man Diktator wird: mit Angst, Fake News und jeder Menge Gemeinheiten.

 „Der kleine Diktator“ ist kluges, komisches Objekttheater über autoritäre Tricks – und darüber, warum Demokratie oft anstrengend, aber unverzichtbar ist. In acht Zügen führt es durch die Strategien autoritärer Macht – mit Humor, Phantasie und ohne Zeigefinger. AmEnde steht kein Moralappell, sondern eine Einladung zum Mitdenken.

Gespielt wird im Theater Phönix von 16. bis 21. Oktober. 

Kleists Justizskandal von 1808

Mit Heinrich Kleists „Der zerbrochne Krug“ feiert am 10. Dezember eines der wichtigsten Werke der deutschen Literatur seine Premiere im Phönix. Das Lustspiel um einen veritablen Justizskandal wurde 1808 uraufgeführt, könnte aber durchaus auch unserer Zeit entsprungen sein, in der Machtmissbrauch, Korruption, Manipulation und sexuelle Übergriffe auf der Tagesordnung stehen.

Dorfrichter Adam hat eine harte Nacht hinter sich. Er behauptet, er sei gestürzt,und jetzt lässt sich auch noch seine Richterperücke nicht finden. Dochder Gerichtstag muss starten. Und so beginnt die Verhandlung, in der Marthe Rull den Verlobten ihrer Tochter Eve anklagt, in der Nacht zuvor einen wertvollen Krug zerbrochen zu haben. Ruprecht schwört, dass er es nicht war und er einen fremden Mann aus Eves Zimmer vertrieben habe. Was sie nicht wissen: Dieser Fremde war Richter Adam. Und so ist der genötigt, einer Gerichtsverhandlung vorzusitzen, in der er gegen sich selbst ermittelnmuss, was er mit allen Mitteln zu verhindern versucht. 

Regie führt Theater Phönix-Mitbegründer Georg Schmiedleitner. 

Jetzt haben die Dienstmädchen das Wort

Die Komödie „Stolz und Vorurteil* (* oder so)“ feiert am 11. März im Saal Premiere. Isobel McArthurs Neufassung von Jane Austens Meisterwerk gibt denen eine Stimme, die – obwohl unverzichtbar – meist unerwähnt bleiben. Fünf Dienstmädchen verkörpern nicht nur die sarkastische Elizabeth und den schnöseligen Mr. Darcy, sondern nahezu das gesamte Personal des Romans. Inmitten von Slapstick, Popsongs und einer scheinbar altmodischen Liebesgeschichte entsteht dabei eine Erzählung von weiblicher Selbstbestimmung undökonomischer Abhängigkeit, die einem so weit entfernt gar nicht vorkommt.

Komödie über Wahrheit und Lüge

Eine österreichische Erstaufführung steht mit der französischen Komödie „Geheimnisse“ von Sébastien Blanc ab 15. April auf dem Programm. 

Eigentlich wollte Fabien einfach einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher verbringen, gemeinsam mit seinen Freunden, den Zwillingen Éric und Jérôme. Aber Éric musste ja unbedingt früher kommen und ihn in ein Geheimnis einweihen, die Ehe seines Bruders betreffend. Und schon sitzt Fabien genau dort, wo er nicht hinwollte: zwischen den Stühlen. Und als ihm dann auch noch Jérôme etwas anvertrauen will, bricht das Chaos endgültig aus. Dabei wollte er doch nur wie immer Tennis schauen. Regie führt Esther Muschol.

Fünftes Saalstück noch unbekannt

Zur fünften und letzten Saal-Premiere in der kommenden Spielzeit gibt es noch wenig zu sagen. Das Auftragswerk entsteht im Rahmen des Schäxpir Festivals 2027, für Konzept und Inszenierung zeichnet Florian Hackspiel verantwortlich. Was ebenfalls bereits bekannt ist: Es wird ein klassischer Stoff sein, der ins Heute überschrieben wird, mit viel Musik. 

Vollendung der Todsünden

Seit der letzten Spielzeit setzt sich das Theater in einer eigenen Veranstaltungsreihe am Balkon mit den sieben Todsünden auseinander. Bisher entstanden vier sehr unterschiedliche Abende, was den Inhalt als auch die Form betrifft: Hochmut, Wollust, Habgier und Völlerei. Alle vier werden im Laufe der Spielzeit immer wieder am Spielplan stehen. 

Die fehlenden drei Todsünden – Neid, Trägheit und Zorn – befinden sich derzeit in Entwicklung. Die Premieren finden in der kommenden Spielzeit statt, sodass am Ende alle sieben zu sehen sein werden. 

Wiederaufgenommen wird ab 24. Oktober auch das Episoden-Hörspiel „Tell me about it“ von Time's Up. 


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