Radfahren in Linz – dort zwickt es
LINZ. Im Jahr 2012 verpflichtete sich die Stadt Linz, den Radverkehrsanteil bis 2020 massiv zu erhöhen. Getan hat sich bis jetzt wenig. Die Linzer Grünen haben nun im Sommer einen Katalog an möglichen Maßnahmen zur Erreichung des Ziels erarbeitet.

Die Ausgangssituation in Linz ist wenig erbaulich. Der Anteil des Radverkehrs liegt in Linz bei nach wie vor geringen 8 Prozent – im Vergleich: In Salzburg sind es 20 Prozent. Das Ziel der Linzer Stadtpolitik wäre es jedoch, den Radverkehrsanteil bis 2020 auf 15 Prozent – also rund das Doppelte – zu steigern. Aufgrund der Brücken- und Stau-Situation versinkt Linz jedoch im Autoverkehr. Mit Folgen – Linz droht eine Grenzwertüberschreitung bei der Luftverschmutzung, welche massive Konsequenzen nach sich ziehen würde: Als erste Stadt ist das deutsche Düsseldorf nunmehr, wegen Überschreitung der EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid, vor Gericht gekommen. Die Bezirksregierung Düsseldorfs muss mehr gegen verdreckte Luft in der deutschen Landeshauptstadt tun, das hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf am 13. September 2016 entschieden. In der Verhandlung regten die Richter unter anderem an, auch begrenzte Dieselfahrverbote einzuführen. „Wenn sich eine ähnliche Zuspitzung auch für Linz ergibt, wäre das nicht nur ein erhebliches Problem für Linz, sondern eine verkehrspolitische Katastrophe für den gesamten Zentralraum und insbesondere für das Mühlviertel. Viele der circa 110.000 Einpendler fahren täglich mit einem Dieselfahrzeug nach Linz“, kommentiert der freiheitliche Infrastrukturstadtrat Markus Hein. Hier setzt ein Maßnahmenkatalog der Grünen an: „Bedenkt man die positive ökologische Situation des Radfahrens und die gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger körperlicher Betätigung, so gibt es für unsere Verkehrspolitik ein sehr klares Ziel: Der Radverkehr muss systematisch gefördert werden“, zeigt sich Klaus Grininger, Verkehrs- und Stadtplanungssprecher der Grünen Linz, überzeugt. Er sieht in Linz ein großes Potential dafür.
Lücken und Gefahrenstellen
Statistisch gesehen ist jeder zweite aller mit dem Auto zurückgelegten Wege kürzer als fünf Kilometer. 21 Prozent sind sogar kürzer als drei Kilometer. Die Hälfte der Linzer Bevölkerung lebt und arbeitet innerhalb eines Radius von fünf Kilometern. Auf diesen Distanzen ist das Fahrrad oft schneller als das Auto. Ein Punkt, warum noch nicht mehr Linzer auf den Drahtesel umgestiegen sind, ist mit Sicherheit die Infrastruktur, die doch etliche Lücken aufweist. Um die Problemstellen zu finden, haben sich die Linzer Grünen im vergangenen Sommer aufs Rad gesetzt und sind 40 Kilometer selbst abgefahren. Dabei haben sie Problemstellen aufgenommen und fotografiert. Dabei ist ein Katalog von über 100 Stellen entstanden. Die Gefahrenstellen reichen von zu geringen Abständen zwischen Radverkehr und Individualverkehr über fehlende Markierungen bis hin zu abrupt endenden Radwegen. „Die Problemstellen haben wir mit Fotos und GPS-Daten dokumentiert und die Ergebnisse in verschiedene Bereiche geclustert. Dabei zeigt sich ganz klar: Mit wenig Aufwand wäre es möglich, diese zu beheben. Hier braucht es nur den politischen Willen, nun die Gefahrenstellen rasch zu beseitigen“, erklärt Klaus Grininger. Als besonders gefährliche Hot-Spots in Linz gelten dabei unter anderem: die Nibelungenbrücke, die Unionkreuzung, die Rudolfstraße oder auch der Kreuzungsbereich Linke-Brückenstraße. Zudem sind besonders gefährliche Abschnitte auf der Kärntnerstraße, Leonfeldnerstraße, Harbach, Salzburgerstraße sowie Krankenhausstraße, Lustenauerstraße und Wienerstraße zu erkennen.
Weitere Vorschläge
Zudem haben die Grünen noch weitere Vorschläge, die die Infrastruktur für Radfahrer verbessern sollen: Hier dient under anderem Salzburg wieder als Beispiel: Dort sind unter anderem schon 70 Prozent der Einbahnen für den Radverkehr freigegeben. Ein weiterer Ansatz ist die Verringerung des Konfliktpotentials zwischen Radfahrern und Fußgängern, zum Beispiel durch eine bessere Trennung, beispielsweise auf der Nibelungenbrücke, von beiden. Zusätzliche vorgeschlagene Maßnahmen wären:
- eine Grüne Welle für Radfahrer
- der Ausbau von Radabstellanlagen
- der Ausbau von Bike-Boxen und Bike and Ride
- eine Radbrücke für eine attraktive Donauquerung
- der Aufbau eines Radverleihsystems und Radserviceboxen
- die Radmitnahme in ÖV
Inzwischen wurde der Katalog schon gemeinsam mit anderen Vorschlägen wie dem Ausbau von Radabstellanlagen oder einer grünen Welle für Radler an Infrastrukturstadtrat Hein übermittelt. Dieser zeigt sich jedoch ablehnend.


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