Umjubelte Nestroy-Premiere im Schauspielhaus
LINZ. Viel Applaus gab es am Samstagabend bei der Premiere von Johann Nepomuk Nestroys „Der Zerrissene“ im Schauspielhaus nicht nur am Ende, sondern auch immer wieder zwischendurch, wenn Aktuelles aus Oberösterreich pointiert besungen wurde.

Nestroy-Stücke sind ein Garant für köstliche Unterhaltung mit Niveau. Die Schauspieler bringen die Posse mit Gesang perfekt auf die Bühne an der Promenade. Nach Passagen wie „Statt sieben Brücken haben“s jetzt nur mehr zwei, um im Stau zu stehen,“ brandet immer wieder viel Applaus auf. Die aktuellen Vorfälle um die Burschenschaften werden genauso aufs Korn genommen wie der Swapdeal der Stadt Linz, der mit einem Casinobesuch verglichen wird, nach dem man dann den Bewohnern in die Geldtasche greift.
Aktuelles aus OÖ pointiert eingebaut
Ob die Anspielung, dass die Kunst nur Geld kostet und deshalb jetzt um ein Drittel gekürzt wird, eingebaut wurde, weil Landeshauptmann Thomas Stelzer im Publikum saß, war nich zu erfahren. US-Präsident Donald Trump bekam mit „Narrheit ist nicht nur amerikanisch“ ebenfalls sein Fett ab. Die anfängliche Fadesse im Leben des Kapitalisten Herr von Lips wurde mit dem Hit „Atemlos“ von Helene Fischer interpretiert.
Stück mit Niveau
Der reiche Herr von Lips hat „ein zerrissenes Gemüt“, ihm ist langweilig und er weiß nicht, was er will. Auf Zuraten seiner Freunde schwört er, das erste weibliche Wesen zu heiraten, das ihm über den Weg läuft. Es ist Madame Schleyer, die geflohene Braut des Schlossers Gluthammer, die das Heiratsangebot annimmt und dadurch den Streit des Herrn von Lips mit dem Schlosser Gluthammer heraufbeschwört. Es kommt zur tätlichen Auseinandersetzung, zum Sturz über den Balkon in den reißenden Fluss. Beide können sich retten, beide aber glauben, den anderen umgebracht zu haben, und so suchen sie Unterschlupf beim Pachtbauern Krautkopf. Da erscheinen Lips“ Freunde, die er als Erben eingesetzt hat, um den Pachthof zu übernehmen. Noch verkleidet erkennt er ihren wahren Charakter und ändert stillschweigend das Testament zugunsten seines Patenkindes Kathi. Gluthammer und Herr von Lips stehen sich gegenüber, versöhnen sich und verzichten auf Madame Schleyer. Der reiche Herr von Lips erkennt, dass er „ein Zerrissener“ war, weil ihm „die ganze eh“liche Hälfte g“fehlt“ hat, und nimmt Kathi zur Frau.
Wie fast immer geht es um zwei zentrale Dinge: um Geld und um Liebe, und was so leichtfüßig daherkommt, erweist sich als Shakespear“sches Pandämonium der Begierden und Ich-Verluste. Man stürzt von einer Welt in die andere, Wunsch- und Albträume gehen ineinander über und Nestroy verspottet den Bürger, der den Boden unter den Füßen zu verlieren droht.
Besetzung
Herr von Lips, ein Kapitalist: Jan Nikolaus / Cerha Stifler, sein Freund: Klaus Müller-Beck / Sporner, sein Freund: Clemens Berndorff / Wixer, sein Freund: Robert Finster / Madame Schleyer: Gunda Schanderer / Gluthammer, ein Schlosser: Julian Sigl / Krautkopf, Pächter auf einer Besitzung des Herrn von Lips: Horst Heiss / Kathi, seine Anverwandte: Christina Polzer / Staubmann, Justiziarius: Eva-Maria Aichner / Anton, Bedienter bei Herrn von Lips: Lukas Heinrich / Josepha, Bediente bei Herrn von Lips: Johanna Malecki / Bediente bei Herrn von Lips: Thomas Pichler, Siegfried Greiner, Johann Nußbaumer, Manfred Oberngruber / Knechte bei Krautkopf: Lukas Heinrich, Johanna Malecki, Thomas Pichler, Siegfried Greiner, Johann Nußbaumer, Manfred Oberngruber / Musiker: Manuela Kloibmüller, Angela Appenzeller, Komnen Milovanovic, Andreas Trausner
Inszenierung: Markus Völlenklee / Bühne: Momme Röhrbein / Kostüme: Angelika Rieck / Musik: Nebojša Krulanovic, Couplet-Zusatzstrophen, David Wagner / Choreografische Mitarbeit: Ilona Roth Dramaturgie: Franz Huber


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