Gelassenheit statt Perfektion für ein gelungens Weihnachtsfest
LINZ. Die Zahl der Krisen in der Weihnachtszeit steigt. Was man tun kann um manche Konflikte in der Familie zu vermeiden und an wen man sich in Krisensituationen wenden kann, verraten Familienbund Landesobmann Bernhard Baier und Kinder- und Jugendpsychiater Primar Michael Merl.

Laut einer IMAS-Umfrage aus dem Jahr 2018 ist „Familie“ für 33 Prozent der Österreicher das Wichtigste am Weihnachtsfest. Erst da-nach folgen mit je 18 Prozent „Geschenke“ und „Kekse“. Oft wir die Weihnachtszeit jedoch nicht die schöne Familienzeit die man sich vorstellt. „Unsere Station am Neuromed Campus ist zu Weihnachten leider voll belegt“, bedauert Michael Merl, Vorstand der Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Kepler Universitätsklinikum. „Es wird immer mehr, dass wir zu Weihnachten voll belegt sind.“
Gelassenheit statt Perfektion
Viele Eltern gehen mit großen Erwartungen an das Weihnachtsfest - alles soll perfekt sein. „Hier wäre oft ein bisschen mehr Gelassenheit gefragt“, weiß Familienbund-Landesobmann Bernhard Baier. Denn das Streben nach Perfektion führt oft zu Konflikten innerhalb der Familie. „Das Wichtigste ist die Zeit, die man gemeinsam mit der Familie verbringt, nicht das perfekte Vier-Gänge-Menü.“ „Weniger ist oft mehr“, bestätigt auch Merl. „Die Kinder mit einbeziehen in die Vorbereitungen, das hilft auch.“
Zeit miteinander verbringen
„Die Weihnachtszeit ist eine Zeit, in der Familien unter Umständen besonderen Belastungen ausgesetzt sind“, erklärt Merl. Prüfungszeit in der Schule oder auch verstärkter beruflicher Einsatz der Eltern – zum Beispiel im Handel – belasten die Familienmitglieder. Zu Weihnachten rät der Experte die Bremse zu ziehen und zu entschleunigen und sich auf die Beziehungen zu konzentrieren. Denn: Gelungene Beziehungen sind das beste Mittel gegen Traurigkeit und Depression. „Gesellschaftsspiele und Brettspiele sind gut dazu geeignet die Beziehung zu den Kindern zu intensivieren“, ist ein Tipp des Experten für gemeinsame Aktivitäten.
„Es zählt der Gedanke hinter den Geschenken“
Gemeinsame Aktivitäten eignen sich auch bestens als Geschenk und fördert den familiären Zusammenhalt. „Die Zeit ist ohnehin das, das am kostbarsten ist“, so Baier. Schenkt man zu viel, stellt sich schnell ein Sättigungsgefühl ein und die Freude an den neuen Spielsachen ist schnell vorüber. „Es zählt nicht die Summe, es zählt der Gedanke hinter den Geschenken.“
Nicht zu viele Verwandtschaftsbesuche
„Bei den Verwandtschaftsbesuchen würde ich raten, das auf eine gewisse Anzahl zu beschränken“, rät Merl. Sollten die Kinder für Verwandtschaftsbesuche einmal nicht in Stimmung sein, sollte man diese verschieben. Am besten man kommuniziert ganz offen, um Enttäuschungen über abgesagte Besuche in Grenzen zu halten.
Hilfe in Krisensituationen
Kommt es zu Konflikten, raten Baier und Merl auch Hilfe in Anspruch zu nehmen. Psychosoziale Dienste und Beratungsstellen beraten und unterstützen Menschen in Krisen. „Die Niederschwelligkeit dieser Dienste ist wichtig, weil sich Betroffene oft schämen, über ihre Not zu sprechen oder Hilfe anzunehmen.“ Das Team des OÖ Familienbundes hilft bei herausfordernden Situationen und Problemen rund um das Thema Familie weiter. In akuten Krisenfällen stehen auch die Krisenhilfe OÖ unter 0732 / 2177 und die Telefonseelsorge unter der Notrufnummer 142 rund um die Uhr zur Verfügung.


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