730 freie Grundversorgungsplätze in OÖ - Ruf nach Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria wird lauter

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Anna Stadler Anna Stadler, Tips Redaktion, 25.09.2020 23:47 Uhr

OÖ. Schon mehrere oberösterreichische Gemeinden und Vereine haben Bereitschaft signalisiert Kinder aus dem Flüchtlingslager Moria aufzunehmen. Kapazitäten dafür gäbe es ausreichend, bekräftigt auch Integrationslandesrat Stefan Kaineder.

728 freie Quartiersplätze gibt es derzeit in den Bezirken Oberösterreichs. 104 davon befinden sich im Bezirk Vöcklabruck, 96 in Linz, 93 in Steyr. Lediglich in den Bezirken Freistadt und Grieskirchen gibt es derzeit keine freien Plätze. „Wir sperren jeden Monat Grundversorgungs-Quartiere zu“, so der zuständige Integrationslandesrat Stefan Kaineder (Grüne).

Kontrollierte Situation

„Wir haben in Oberösterreich keine Großquartiere“, so Kaineder. Eine Situation wie 2015, bei der eine Menge an Flüchtlingen sich an manchen Orten befunden hat, wie an Grenzen oder bei Bahnhöfen, werde sich 2020 daher nicht wiederholen. Auch solle man so viele Flüchtlinge aufnehmen, dass ein koordiniertes und geordnetes Vorgehen möglich sei. „Das war 2015 in sehr unkontrollierter Form. Aus verständlichen Gründen hat das für Ängste gesorgt. Das haben wir jetzt in der Hand, das zu verhindern“, bestätigt auch Judith Kohlenberger, Migrationsforscherin der Wirtschaftsuniversität Wien.

#WirhabenPlatz

Doch nicht nur der oberösterreichische Integrationslandesrat fordert die Aufnahme von Flüchtlingen: Die österreichische Bischofskonferenz hat Mitte September die Bundesregierung in einer Stellungnahme zu einer „Aufnahme eines fairen Kontingents von Flüchtlingen aus Moria“ aufgefordert – und sich gleichzeitig bereiterklärt, diese Maßnahme im eigenen Bereich aktiv zu unterstützen. Die Dekanatsleitung und der Arbeitskreis „Kirche wirkt in der Gesellschaft“ des Dekanats Linz-Mitte verleihen dieser Aufforderung Nachdruck und haben die Aktion #WirhabenPlatz #Moria gestartet. Weitere diözesane Einrichtungen unterstützen die Initiative. Mit der Sesselinstallation #WirhabenPlatz #Moria setzen sie ein eindrucksvolles Zeichen.

Zahlreiche Linzer Pfarren beteiligt

So etwa die Pfarre Linz-St. Konrad mit Pfarrgemeinderats-Obfrau Doris Nagl, dem Fachausschuss-Finanzen-Obmann Martin Rupprecht und Pfarrassistentin Monika Weilguni. „Soforthilfe vor Ort ist wichtig und notwendig, reicht aber nicht aus“, betont Weilguni und plädiert in Anlehnung an die Bischöfe für „rasches und entschlossenes Handeln“. „Uns ist klar, dass so eine Installation noch kein Kind, keine Familie, keine Frau und keinen Mann aus den menschenunwürdigen Lagern herausholt. Aber wir Linzer Pfarrgemeinden und diözesane Einrichtungen setzen damit dennoch konkrete Zeichen und handeln zutiefst biblisch und jesuanisch.“ Auch viele weitere Kinderwortgottesdienst-Mitfeiernde in Linz-St. Konrad haben sich zur Aufnahme von Flüchtlingen bekannt.

An der Aktion beteiligten sich darüber hinaus die Pfarre Linz-St. Severin mit Pfarrassistent Helmut Eder, die Pfarre Linz-St. Peter mit Pfarrer Franz Zeiger, die Pfarre Treffling mit Pfarrassistent Hermann Deisenberger sowie der Bereich mensch & arbeit – KAB und Betriebsseelsorge des Pastoralamtes und der Vorstand der Katholischen Aktion der Diözese Linz mit der Vorsitzenden der Katholischen Aktion Maria Hasibeder. In den kommenden Tagen werden noch weitere Pfarren aus dem Dekanat Linz-Nord die Aktion unterstützen.

Positive Erfahrungen und Freundschaften

Doch nicht nur im Kirchlichen Bereich gibt es Freiwillige die bereit sind sich zu engagieren: „Natürlich haben viele Freiwillige ihr Engagement seit 2015 beendet, schlicht und einfach weil es nicht mehr notwendig war“, weiß Nicole Sonnleitner von „Zusammen Helfen in Oberösterreich“. Eine Befragung von über 350 Freiwilligen von 2015 hat gezeigt, dass dies nicht schwindendem Interesse oder Unzufriedenheit geschuldet war. „Es sagen 98 Prozent, dass ihre Erfahrungen positiv waren.“ Oft sind auch Freundschaften entstanden, weiß Sonnleitner nicht nur aus eigener Erfahrung. So zum Beispiel jene von Barbara und Zahra aus Afghanistan. Die beiden lernten sich im November 2015 kennen, als Zahra nach Österreich kam. Es Entwickelte sich eine enge Freundschaft, in der Barbara nicht nur Zahra begleitete sondern auch Zahra in schweren Zeiten für Barbara da war. „Die Freiwilligen haben bewiesen, dass sie sofort anpacken und das würden sie auch jetzt wieder.“

Kritik an Bundesregierung

Doch derzeit ist das „Anpacken“ für viele Willige noch nicht möglich, da sich die Bundesregierung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ausspricht. „Wir dürfen nicht helfen, bis Teile der Bundesregierung ihre Blockade aufhebt“, so kritisiert Kaineder Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die Aufstockung der Hilfsgelder sei lediglich ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Nur durch Hilfe vor Ort ist nichts gelöst. Die Menschen können nicht vor und nicht zurück“, beschreibt auch Kohlenberger die aussichtslose Lage in Moria.

Doch nicht nur auf Bundesebene wird die Aufnahme von Flüchtlingen abgelehnt. Auch in Linz wurde ein Gemeinderatsantrag von Grünen, KPÖ und Neos mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ mehrheitlich abgelehnt. Die SPÖ enthielt sich der Stimme.

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