Kampf gegen die Hitze: Ergebnis der Klimaanalyse ist da
LINZ. Die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse liegen nun vor und liefern Empfehlungen für eine klimabewusste Stadtentwicklung.

Anfang 2020 startete Weatherpark im Auftrag des Umweltmanagements der Stadt Linz mit den Arbeiten zur Linzer Stadtklimaanalyse. Denn: Ziel für Linz ist es, eine umfassende Strategie gegen die Hitze in der Stadt zu entwickeln. „Für alle diese politischen Entscheidungen braucht es eine wissenschaftliche Grundlage“, sind sich Bildungs- und Umwelt-Stadträtin Eva Schobesberger und Umweltlandesrat Stefan Kaineder einig. Als Basis wurde die Klimaanalysekarte erstellt. Diese weist Gebiete mit ähnlichen Klima-Charakteristika – sogenannte Klimatope – aus, wie etwa Kaltluftentstehungsgebiete und Gebiete mit starker Überwärmung. Zusätzlich werden in der Karte die maßgeblichen Kaltluft-, Durchlüftungs- und Luftleitbahnen dargestellt, die helfen, die Stadt zu kühlen.
Hinweiskarte als Grundlage für die Stadtplanung
Auf der Klimaanalysekarte basierend wurde die Planungshinweiskarte erstellt. Diese bewertet die klimatischen Gegebenheiten und welche Auswirkungen eine Nutzungsänderung wie eine Bebauung auf das Klima hätte und teilt die Stadt so in sechs verschiedene Gebiete ein. So zum Beispiel den in der Karte dunkelgrün markierten Bereich des „Ausgleichsraum mit hoher Bedeutung“. Eine Versiegelung dieser empfindlichen Zonen würde sich spürbar negativ auf das Stadtklima auswirken. Am ganz anderen Ende der Skala stehen die lila markierten Flächen. Diese sind „Bebautes Gebiet mit klimatischen Nachteilen“. „Das ist wirklich ein Bereich, der klimatisch sanierungsbedürftig ist“, erklärt Isabel Auer von Weatherpark. Wie das vonstattengehen kann, soll das Pilotprojekt Goetheschule zeigen.
Goetheschule wird grüner
Die Linzer VS 8 Goetheschule liegt mitten in einem klimatisch benachteiligten Gebiet. Durch umfassende Begrünungsmaßnahmen, die in drei verschiedenen Varianten an Boden, an der Fassade und am Dach der Schule durchgeführt werden sollen, soll hier gegen übermäßige sommerliche Überhitzung vorgegangen werden. Der Turnsaal der Goetheschule wird beinahe rundum begrünt. Auf einer Fläche von 270 Quadratmetern und einer Höhe von sieben Metern werden Kletter- und Schlingpflanzen auf Rankgerüsten (bodengebundene Fassadenbegrünung) bis zum Gartentor der HTL die bisher graue Fassade dauerhaft zieren. „Das hat den Vorteil, dass ich keine mechanische Bewässerung brauche“, erklärt Sandra Resch von der Abteilung Projektentwicklung der IGL. Für das Dach des Turnsaalgebäudes ist eine semi-intensive Dachbegrünung geplant. Dieses könnte in Zukunft auch als Erweiterung des Pausenhofes dienen. „Da wird es noch statische Ertüchtigungen brauchen, aber das wäre ein Riesenpotential.“ Bei der Außenwand Hofzufahrt Schillerstraße soll eine fassadengebundene Vertikalbegrünung errichtet werden. „Das heißt, dass Aluminiumtröge in langen Reihen entlang der Wand befestigt werden.“ Dies bringt mehrere Vorteile: „Die Unterkonstruktion ermöglicht eine Hinterlüftung“, erklärt Resch und ergänzt: „Innerhalb von einem Jahr habe ich da wirklich eine grüne Fassade.“
100.000 Euro aus dem Klimatopf
Insgesamt belaufen sich die Kosten für das Projekt auf 450.000 Euro. „Aus dem Klimatopf kommen 100.000 Euro“, so Schobesberger. „Die Stadt Linz unterstützt und begleitet die Begrünungsmaßnahmen sehr gerne, zumal diese als Paradebeispiel gelten werden, ob sich dieser Einsatz an Gebäuden langfristig bewährt oder nicht“, betont auch Liegenschafts-Stadträtin Regina Fechter. Die Bepflanzung wird ab Juni 2022 durchgeführt. Mit der Messung, wie effektiv und praxistauglich die Begrünungsmaßnahmen an der Goetheschule sind, soll gleich im Sommer 2022 begonnen werden. Es wird etwa näher untersucht, welche Begrünungs-Variante besonders kühlende Effekte und eine hohe energetische Relevanz hat. Ebenso wird der Investitions-, Wartungs- und Pflegeaufwand begutachtet, um so die optimale Variante zu finden, die gegebenenfalls auch an anderen Liegenschaften der ILG zum Einsatz kommen kann.
Empfehlung: Checkliste für Hochhäuser überarbeiten
Auch ein weiteres Thema wird in der Stadtklimaanalyse betrachtet: Hochhäuser. „In der Themenkarte Kaltluft und Belüftung ist auch ersichtlich, wie hoch die Belüftung ist“, so Auer. Daraus lässt sich auch ableiten, wie hoch Gebäude werden können, ohne den kühlenden Luftstrom zu behindern. Dementsprechend wird empfohlen, die sogenannte 10-Punkte-Checkliste für Hochhäuser zu überarbeiten. Denn: Auch wenn ein Areal aus stadtklimatologischer Sicht grundsätzlich für ein Hochhausprojekt geeignet ist, müssen die Auswirkungen auf das Stadtklima im weiteren Prozess noch stärker berücksichtigt werden. Es wird daher insbesondere empfohlen, den Punkt „7. Windwirkung“ in der Hochhaus-Checkliste zu „7. Stadtklima“ umzubenennen und neu zu formulieren.


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