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LINZ. Der Klimawandel ist längst in Linz angekommen. Dies zeigen auch im heurigen Sommer Hitzewellen und Extremwetter-Ereignisse eindrucksvoll. Neben dem dringend notwendigen Klimaschutz müssen auch Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden. Das Linzer Konzept dafür geht bis in die Stadtteile hinein.

Große Bäume wie vor dem Landhaus helfen, die Hitze abzumildern. (Foto: Tips/Brandstätter)
Große Bäume wie vor dem Landhaus helfen, die Hitze abzumildern. (Foto: Tips/Brandstätter)

Nach einer Hitzewelle in der vergangenen Woche ist derzeit das Wetter in Linz wieder etwas kühler, doch die nächsten heißen Tage stehen laut Prognosen schon wieder vor der Türe. Die heißen Tage nehmen zu: Um den bisherigen Klimawandel greifbar zu machen, werden die beiden Klimanormalperioden 1961–1990 und 1991–2020 systematisch verglichen. „Da waren durchschnittlich vier bis fünf Hitzetage, vielleicht waren es auch mal zehn. Inzwischen sind es eher 20, in Einzeljahren waren es sogar schon 40“, schildert Herbert Formayer, Klimaforscher an der BOKU Wien. „Im Mittel hat sich die Temperatur in Oberösterreich um 1,4 Grad erhöht.“

Häufung an Extremwetterlagen

Noch stärker fällt der Unterschied bei Hitze aus. „Im Zentralraum sind die Hitzewellen um zwei Grad wärmer geworden. Wir haben bisher noch Glück gehabt: Die Rekordtemperaturen haben sich noch nicht verändert“, so Formayer, der ergänzt: „Das ist extrem überfällig.“ So werden auch in Oberösterreich in den nächsten Jahren die Rekorde fallen und Temperaturen über 40 Grad gemessen werden. Denn schon jetzt ist eine Häufung von Extremwetterlagen spürbar. „Es gab einen Tornado an der österreichischen Grenze“, nennt Umwelt-Landesrat Stefan Kaineder nur eines der jüngsten Beispiele für den Wandel. „Dass das jetzt so schnell geht, überrascht viele.“

Temperaturen wie in Malawi

Um zu veranschaulichen, wie heiß es in OÖ werden kann, wenn etwa die Erderwärmung bis zum Jahr 2080 4,2 Grad Celsius erreicht, hat man auf Basis von Daten des Weltklimarates für die Stadt Linz errechnet, dass es im wärmsten Sommermonat ein ähnliches Klima haben wird wie heute in der Hauptstadt Lilongwe im südostafrikanischen Staat Malawi. Um solche massiven Verschlechterungen zu vermeiden, muss jetzt gehandelt werden. Denn schon bald sei es zu spät: „Dann werden wir das Klima nicht mehr stabilisieren können, da dann Rückkopplungseffekte im Gang sind“, so der Klimaforscher. „Ein bisschen Klimaschutz ist da zu wenig“, betont auch Kaineder. OÖ als starker Industrie-Standort müsse hier eine Vorreiterrolle einnehmen und umweltfreundliche Technologien entwickeln. Dies stelle für die heimischen Unternehmen auch eine Chance dar, denn diese Technologien seien die Technologien der Zukunft.

Bauschutz und Vernetzung

Doch nicht nur der Klimaschutz ist bedeutend, auch eine Anpassung muss stattfinden: „Die Entwicklung, die wir nicht mehr verhindern können, müssen wir abfedern“, so Formayer. Der Erhalt von Grünräumen spielt dabei eine wichtige Rolle. „Wer in den Landhauspark geht, kann spüren, was der Unterschied zwischen verbautem Raum und dem Schatten eines 100-jährigen Baumes ist“, veranschaulicht Kaineder. „Es kann daher nicht sein, dass Bäume in den Städten völlig ungeschützt sind. Deshalb ist ein Baumschutzgesetz so wichtig“, macht die Linzer Umweltstadträtin Eva Schobesberger deutlich.

Zudem wird für die Stadt Linz ein Klimawandelanpassungskonzept erstellt. Als einer der ersten konkreten Umsetzungsschritte ist die Wetterstation für Lufttemperatur und Luftfeuchte „EVA“ in Betrieb gegangen. Die Aufzeichnungen des Hauptplatz-Messpunktes können in Echtzeit auf der Website der Stadt Linz abgerufen werden. Ab 2022 soll ein flächendeckendes Mikroklima-Messnetz die Stadt Linz mit Messdaten bei der Klimaanpassung unterstützen. Als weiterer Schritt werden sogenannte Verwundbarkeitsstudien für jeden einzelnen Stadtteil erstellt. Diese zeigen, welche Gebiete besonders hohen Handlungsbedarf aufweisen. Hierbei werden neben der Hitzeentwicklung auch Faktoren wie die Altersentwicklung sowie die Bevölkerungsdichte einberechnet.


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