Schauriger Sagenspaziergang für Erwachsene
LINZ. Schaurige Sagen aus und um Linz gibt es beim „Ghost Walk“ durch die Altstadt zu hören. Das neue Angebot richtet sich nicht umsonst an Erwachsene.

Ein Mann, der sein Handwerk versteht, wird überall geschätzt. Auch wenn es der Henker ist. Doch sagt man denen nach, Säufer vor dem Herrn zu sein. Es könnte also unschön werden, wenn so ein Scharfrichter im falschen Moment besoffen und seiner Hände nicht mehr mächtig ist. In seiner Berufsehre gekränkt will Meister Stephan einer angeheiterten Runde nächtens in einem Linzer Wirtshaus beweisen, dass ein wenig Wein und Schnaps einem wie ihm die Hand doch nicht zittern lässt. Nicht ohne Mühe erhebt er sich vom Tisch und baut sich vor einem Bettler draußen vor der Türe auf. Meister Stephan zieht das Schwert aus dem Gürtel. Der Bettler versteht nicht. Meister Stephan nimmt Maß. Der Bettler begreift noch immer nicht. Meister Stephan holt aus. Ist das ein Funken Verstehen in den Augen des Bettlers?
Etwa eineinhalb Stunden führt Reinhard Likar alias Geschichtenerzähler Kai die Teilnehmer durch die Linzer Altstadt. „An Sagen fasziniert mich die Tatsache, dass diese oft mit ganz konkreten Orten oder Objekten verbunden sind und man damit die Gelegenheit bekommt, die Geschichte an ihrem Originalschauplatz erzählen zu können. Inhaltlich sind viele Sagen sehr spannend aufgebaut und haben oft Schauriges zum Inhalt. Daher ist es unbedingt nötig, den Ghost Walk abends zu machen, wenn bereits die Dämmerung angebrochen ist“, erklärt Likar, dem es wichtig ist, auf die Abgrenzung zu einer historischen Führung zu verweisen: „Mir geht es um die Spannung innerhalb der Geschichte und nicht um historische Fakten oder Fachwissen über die Sage. Und das eine oder andere Mal kann es in den Geschichten schon recht heftig zugehen“, weshalb sich der Spaziergang eben auch an Erwachsene richtet.


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