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LINZ/URFAHR-UMGEBUNG. Mit über 100 Jahren hat man viel zu erzählen. So auch der 101-jährige Alfred Silber aus Linz. Im Caritas-Seniorenwohnhaus Karl Borromäus in Linz kreuzten sich seine Wege mit Sozialbetreuerin Gloria Schneider aus Lichtenberg, die ihren Beruf seit 12 Jahren mit großer Leidenschaft ausübt.

Gloria Schneider und Alfred Silber (Foto: Caritas)
Gloria Schneider und Alfred Silber (Foto: Caritas)

„Die Arbeit ist auch persönlich eine Bereicherung. Es ist beeindruckend und spannend, wenn alte Menschen, so wie Herr Silber, aus ihrem Leben erzählen. “, sagt Gloria Schneider. Die Biographien der Seniorenwohnhaus-Bewohner interessierte sie immer, bei Alfred Silber sei sie besonders spannend.

Panzerjäger, Gefangener, Holzfäller, Filmvorführer

Nach der Kriegsmatura, Fachrichtung Maschinenbau, wurde Alfred Silber zu den Panzerjägern einberufen. Nach einer schweren Verwundung durch eine Granate wurde er Kraftfahrer in Afrika und geriet nach der Kapitulation des Deutschen Afrikakorps 1943 in englische Gefangenschaft: „Es begann eine 6-wöchige Hungerszeit – sowohl für die Gefangenen, als auch für die Bewacher. Dann wurden wir den Amerikanern übergeben.“ Er landete schließlich in New Mexico bei der Baumwollernte. „Weil man aus Baumwolle mit Salpetersäure auch Schießbaumwolle herstellen kann, streikten wir. Nach acht Tagen Arrest wurden wir Rädelsführer nach Main in ein Holzfällercamp verlegt, wo ich Holzfäller, Schulungsleiter, Camp-Elektriker und Filmvorführer war.“

Auf der Weihnachtsfeier die Liebe gefunden

Nach seiner Heimreise im Mai 1946 inskribierte an der TU Wien. Sein Vater war inzwischen Direktor im Stahlbau der ehemaligen Hermann Göring Werke in Linz geworden. Bei einer Firmenweihnachtsfeier, bei der er seinen Vater begleiten musste, lernte er seine künftige Frau kennen: „Ich forderte Eleonore zum Tanzen auf und ließ sie nicht mehr los. Ich war mir nicht sicher, wer wen beim Tanzen führte. Und dieses Gefühl blieb unser ganzes restliches Leben - auch abseits der Tanzfläche.“ Die beiden heirateten und bekamen zwei Kinder. Beruflich baute Alfred Silber in der VOEST eine Forschungsabteilung auf. „Begonnen hatte ich als Ein-Mannbetrieb, bei meiner Pensionierung 30 Jahre später hatte ich 120 Mitarbeiter“. Für seine Leistung wurde ihm das Goldene Ingenieurdiplom verliehen.

„Wir können mitfühlen, zuhören, da sein“

Im September 2021 zog Alfred Silbers Frau ins Caritas-Seniorenwohnhaus in Linz ein. Er selbst folgte ein paar Monate später. Leider verstarb seine Eleonore kurz nach seinem Einzug. Caritas-Mitarbeiterin Gloria Schneider weiß, dass Freude und Trauer in ihrem Beruf oft dicht beieinander liegen: „Unsere Aufgabe als Sozialbetreuer ist, nicht nur für das körperliche Wohlergehen zu sorgen, sondern immer den ganzen Menschen mit Körper, Geist und Seele wahrzunehmen. Die Trauer um seine geliebte Frau konnten und können wir nicht abnehmen. Aber wir können mitfühlen, zuhören, da sein.“

Sozialbetreuerin aus Leidenschaft

Gloria Schneider begleitete schon als Volksschulkind oft ihre Tante, die in einem Altersheim arbeitete. Sie las den Bewohnern gerne vor oder sang mit ihnen: „Die Arbeit mit alten Menschen hat mich schon immer angesprochen, man kann so viel von ihnen lernen, zum Beispiel, dass man sich bewusst Zeit für ein paar Minuten Ruhe nimmt. Gerade in der heutigen Zeit, die so hektisch und getrieben ist.“ Die Lichtenbergerin ist seit 12 Jahren im Caritas-Seniorenwohnhaus: „Und ich liebe den Job immer noch. Die Arbeit ist einfach bereichernd und macht Spaß.“


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