Gegen HIV und das Stigma: Linzer Studentin über ein prägendes Praktikum in Kenia
LINZ/ATTNANG-PUCHHEIM/EMALI. Die Folgen von AIDS prägen in Kenia den Alltag unzähliger Menschen. Der Verein Daraja aus Linz unterstützt Betroffene vor Ort und ermöglicht Studierenden dort Praktika. Katharina Klatzer berichtet über ihre Zeit in Afrika.

Gegründet im Herbst 2007 von Studierenden der Fachhochschule Linz mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit, verfolgt der Verein Daraja das Ziel, HIV-positiven Menschen in Emali nachhaltig aus der Armut zu helfen. Der Name „Daraja“ stammt aus dem Suaheli und bedeutet „Brücke“, was die Mission des Vereins zusammenfasst: eine Brücke zwischen Welten zu schlagen.
Praktikum für Studierende
Eine der jungen Freiwilligen ist Katharina Kratzer. Die 26-jährige ist in Attnang-Puchheim aufgewachsen und studiert seit 2022 Soziale Arbeit an der FH Campus in Linz.Vor ihrem Studium arbeitete sie als gelernte Bürokauffrau, doch sehnte sich nach einem Beruf, der sie mehr erfüllte: Arbeit mit Menschen. Über die FH kam sie mit Daraja in Kontakt und entschied sich, ihr erstes Praktikum nach einem Semester in Emali zu absolvieren. „Kenia war anders, als ich es mir vorgestellt habe. Wir hatten in unserem Hotel fließendes Wasser, das nicht immer funktioniert hat, aber die Menschen dort haben weder sauberes Wasser noch Strom, meistens nur eine Hütte mit offenen Fenstern“, berichtet sie.
Prostitution begünstigt die Verbreitung von HIV
Die 8.000-Einwohner-Stadt Emali liegt an der Hauptverkehrsstraße des Landes, die die Hauptstadt Nairobi mit der Küstenstadt Mombasa verbindet. Viele LKW-Fahrer halten hier, Emali hat sich als „Stadt, die niemals schläft“ einen Namen für sein Nachtleben gemacht.Armut prägt den Alltag der Menschen, die Hälfte der Einwohner lebt in existenzieller Armut, viele sind Analphabeten. Besonders den Frauen bleibt so oft nur der Weg in die in Sexarbeit, die in Kenia illegal und daher unkontrolliert stattfindet. Das führt wiederum zu einer hohen HIV-Rate.
Aufklärung ist das A und O
In einer Welt, in der HIV immer noch mit Stigmatisierung einhergeht, glaubt Katharina, dass es wichtig ist, Ängste abzubauen: „Angst habe ich gar nicht gehabt. Viele Menschen glauben, wen jemand HIV hat, darf man nicht deren Nähe gehen. Das ist überhaupt nicht so, die hauptsächliche Ansteckung ist über Geschlechtsverkehr.“ Forscher gehen davon aus, dass knapp 30 Prozent der kenianischen Prostituierten mit dem HI-Virus infiziert sind. 2021 starben in 22.000 Kenianer an AIDS.
Im Kampf gegen das Stigma
“Die Leute reden nicht gerne über HIV. Sie kennen sich nicht aus, viele Menschen haben dadurch Familie verloren, ihren Job verloren“, erklärt Katharina. Die Ansteckung durch Sexarbeit behaftet die Krankheit mit Scham. Daraja bietet Halt für Menschen, die wegen des Stigmas ausgegrenzt werden. In Selbsthilfegruppen für Infizierte und Erkrankte klären Mitarbeitende des Partnervereins Mt. Zion über das HI-Virus auf, Betroffene werden medizinisch versorgt. Für die Kinder HIV-Positiver und für AIDS-Waisen finanziert Daraja den Schulbesuch und stellt Aufklärungsmaterial für Schulen bereit.
„Als wäre ich ein Teil davon“
Trotz anfänglicher Skepsis fühlte sich Katharina nach ihrer Ankunft direkt wohl in Emali. „Die kommen auf einen zu. Nach ein paar Tagen war es, es würde ich ein Teil davon sein, man geht durch die Straßen und kennt die Menschen.“ Nach sechs Wochen fiel der Abschied schwer. Die einzelnen Schicksale berührten sie am meisten, in Hausbesuchen ließen Menschen sie tief in ihr Leben blicken. „Das war sehr bewegend, zu sehen wie sie leben und dass sie quasi wildfremden Menschen ihr Zuhause zeigen. Aber man muss auch lernen, sich abzugrenzen.“
Hilfe, die ankommt
Seit 2010 entsendet der Verein jährlich Studierende nach Emali. Die Praktikanten unterstützen die Sozialarbeiter vor Ort und begleiten die Selbsthilfegruppen. Die kenianische Partnerorganisation Mt. Zion verwaltet die Mittel vor Ort, die aus Spenden bestehen. 2022 kamen so über 13.500 Euro zusammen. Das Motiv des Vereins ist, keine „Almosen zu verteilen“, sondern Hilfe anzubieten, die den Menschen Selbstständigkeit ermöglicht. Der Verein vergibt Mikrokredite an Einwohner, die sie wöchentlich zurückzahlen, um so aus der Armut zu finden und die Wirtschaft zu stärken
„Erfahrung für's Leben“
Katharina erinnert sich oft an ihren Aufenthalt in Emali zurück: „Es hat mich persönlich total weitergebracht, das ist eine Erfahrung für's Leben. Ich habe nicht gedacht, dass es mich so prägt, aber ich muss echt oft im Alltag daran denken, wie es den Menschen dort im Moment wohl geht.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden