Neues Pilotprojekt: Oberösterreich ist Vorreiter bei Telemedizin

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 31.05.2019 18:38 Uhr

LINZ/KIRCHDORF. Mit einem neuen Projekt zur Betreuung von Patienten mittels Telemedizin, beschreiten das Ordensklinikum Linz Elisabethinen und die OÖ Gesundheitsholding neue Wege. Patienten mit Hauterkrankungen am LKH Kirchdorf werden via Live-Schaltung nach Linz von Spezialisten untersucht.

Das sich Ärzte und Spezialisten via Telemedizin austauschen, ist längst nichts ungewöhnliches mehr. Die oberösterreichischen Krankenhäuser nutzen die Digitalisierung und Telemedizin bereits in Bereichen wie der Radiologie, der Pathologie oder bei Videokonferenzen des Tumorzentrums, dass seit 2013 die Spitäler der OÖ Gesundheitsholdung mit dem Ordensklinikum Linz Elisabethinen und seit kurzem den Spitälern der Barmherzigen Schwestern in Linz und Ried betreiben.

„Telemedizin ist nicht mehr Zukunft sondern schon seit Jahren Realität“, so Karl Lehner, Geschäftsführer der OÖ Gesundheitsholding GmbH. Patienten müssten nicht mehr unbedingt nach Linz fahren, die Ärzte aber auch nicht mehr unbedingt in die Regionen. Die Beschleunigung der Diagnose-Erstellung und auch die wohnort-nahe Diagnostik nennt er als Vorteile der Telemedizin, wie sie jetzt schon angewendet wird.

Erstmals Patient vor der Kamera

Wurden hier bislang aber nur Daten ausgetauscht oder Befunde besprochen, sitzt nun erstmals tatsächlich ein Patient vor der Kamera und tauscht sich mit einem Arzt via Live-Schaltung aus. Die Dermatologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen hat vor zwei Monaten den Testbetrieb gestartet. „Wir sind damit das erste Krankenhaus in Österreich und die erste Dermatologie-Abteilung, die einen Konsiliardienst macht“, so Norbert Sepp, Leiter der Abteilung Dermatologie und Venerologie am Ordensklinikum.

Zwei Träger kooperieren

„Es freut mich besonders, dass bei diesem Projekt zwei Krankenhausträger kooperieren – das zeigt, dass gemeinsame Projekte möglich sind und auch, dass die Kooperation zwischen dem Zentralraum und den ländlichen Regionen funktioniert“, ist auch Gesundheitslandesrätin Landeshauptmann-Stv. Christine Haberlander von dem neuen Projekt überzeugt. Ein großer Vorteil von Telemedizin sei, dass auch die Regionen mit Spitzenmedizin versorgt werden könnten und durch Digitalisierung auch die Mitarbeiter entlastet würden.

Patient kommt schneller und wohnort-nah zu Diagnose

Mit diesem neuen Projekt, dem „Telemedizinischen dermatologischen Konsiliardienst“ zwischen dem Ordensklinikum Linz Elisabethinen und dem LKH Kirchdorf wird die regionale Versorgung von Hautkrankheiten verbessert. Der im LKH Kirchdorf stationär aufgenommene Patient kommt schneller zu einer fachlichen Expertise und wird wohnort-nah versorgt. Bisher war dies nur einmal wöchentlich möglich – ein Oberarzt der Dermatologie der Elisabethinen ist dann nach Kirchdorf gefahren. In der aktuellen Testphase werden die Patienten sowohl via Telemedizin als auch direkt vor Ort vom Arzt begleitet.

Geschulte und im Wundmanagement ausgebildete Pflegekräfte in Kirchdorf unterstützen das neue Projekt. „Gerade im ländlichen Bereich ist es wichtig, diese Chance zu nutzen. Das wichtigste ist der Patient und dass dieser gute Betreuung findet. Die Pflegekräfte sind hier ein wichtiges Bindeglied“, erklärt Eva-Maria Ecker, interimistische Pflegedirektorin am Landeskrankenhaus Kirchdorf zur neuen Rolle der Pflege bei der Telemedizin. Die Pflegekräfte stehen während der telemedizinischen Begutachtung als Ansprechpartner zur Seite, bereiten den Patienten vor und begleiten und informieren ihn.

Was ist möglich? Was funktioniert nicht?

Natürlich ist man sich bewusst, dass die Telemedizin das direkte Gespräch mit dem Arzt nicht ersetzen werden kann. „Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich wird kontroversiell diskutiert. Wir möchten mit dem Projekt bewusst auf die Chancen und Risiken schauen. Wir wollen lernen und uns anschauen: was macht Sinn, wo sind die Grenzen, welchen Nutzen gibt es“, so Raimund Kaplinger, Geschäftsführer des Ordensklinikums Linz.

Aus ersten Erfahrungen kann Birgit Weindl, Oberärtzin an der Abteilung Dermatologie und Venerologie am Ordensklinikum Linz sagen, dass nicht alles Hautkrankheiten via Telemedizin diagnostizierbar sind, auch aufgrund der technischen Möglichkeiten. Einfach seien etwa chronische Wunden, schwieriger werde es schon bei Ausschlägen, noch nicht möglich sei es etwa bei der Beurteilung von Muttermalen/Hautkrebs. Hier sei das Risiko einer falschen Diagnose einfach zu hoch.

„Wir testen damit, was alles möglich ist, was aber auch nicht möglich sein wird“, so Sepp. „Wir wollen aktiv selber Erfahrungen sammeln und schauen, was uns das bringt und nicht nur passiv zuschauen bei dieser Entwicklung.“

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