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LINZ. Mit Beginn des Lockdowns nahm die Anzahl der Patienten ab, die mit Schlaganfall- oder Herzinfarktsymptomen in die Spitäler kamen. Die Vermutung liegt nahe, dass viele aus Angst, sich anzustecken, zu Hause blieben. „Doch auch in Zeiten von Corona zählt beim Schlaganfall jede Sekunde“, warnt Christian Lampl, Leiter der Abteilung für Neurologie mit Stroke Unit und Akutgeriatrie bei den Barmherzigen Brüdern Linz.

Christian Lampl, Leiter der Abteilung für Neurologie mit Stroke Unit und Akutgeriatrie bei den Barmherzigen Brüdern Linz (Foto: Barmherzige Brüder)

Viele Schlaganfälle kommen plötzlich, andere kündigen sich an. „Bei Symptomen wie akuter Sprachstörung, akutem Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen, starkem Schwindel oder Gangunsicherheit ist der Verdacht auf einen Schlaganfall gegeben. In diesem Fall gilt: ,Time is Brain‘, besser einmal zu viel ins Krankenhaus, als einmal zu wenig“, rät Lampl, denn „pro Minute können zwei Millionen Nervenzellen dauerhaft zerstört werden.“

Patienten mit „kleinem Schlagerl“ brauchen ärztliche Überwachung

Dies gilt auch für transitorisch-ischämische Attacken (TIA), besser bekannt als kleines Schlagerl. „Bei TIA sind die Symptome innerhalb von 24 Stunden zwar wieder weg, aber es besteht die Möglichkeit eines nachfolgenden großen Schlaganfalls. Um das Risiko zu mindern sollten gerade diese Patienten mindestens 24 Stunden in einer Schlaganfall-Einheit (Stroke Unit) überwacht werden.“ Angst vor einer Covid-19-Ansteckung brauche dabei niemand zu haben, denn das Krankenhaus sei die sicherste Umgebung, nicht an Covid-19 zu erkranken, da hier die Hygienemaßnahmen streng eingehalten werden.

Erhöhtes Risiko bei älteren Patienten

Umgekehrt erhöht sich bei Risikogruppen, die an Covid-19 erkranken, das Risiko eines Schlaganfalls: „Mittlerweile wissen wir, dass das Virus zu einer Kleingefäßerkrankung führt, die unter anderem Gerinnungsstörungen verursachen kann, welche wiederum den Schlaganfall begünstigen. Es gibt Studien, die zeigen, dass die Inzidenz (Anzahl der neu auftretenden Erkrankungen) von Schlaganfällen bei Covid gegenüber der normalen Grippe erhöht ist. Aber gerade bei Covid-19-positiven Patienten wissen wir, dass es vorwiegend ältere Patienten betrifft. Das Durchschnittsalter der Betroffenen bei einer amerikanischen Studie mit etwa 2.000 Teilnehmern war 69 Jahre. In dieser Arbeitsgruppe treten generell vermehrt Schlaganfälle auf“, so Lampl.

Die primäre Annahme, dass Sars-Cov-2 ausschließlich das Atmungssystem betrifft, stimme also nicht, es gibt einen Zusammenhang zwischen Schlaganfällen und Sars-Cov-2. Aufgrund des Virus werden hohe Entzündungsmediatoren ausgeschüttet, die die Kleingefäße angreifen. Diese Entzündungsmediatoren wurden auch bei den Covid-Schlaganfallpatienten gefunden. „Aber es betrifft insbesondere ältere Patienten und insbesondere Personen, die zuvor schon hospitalisiert wurden“, relativiert der Primar.

Noch zu wenig Studien, um valide Aussagen treffen zu können

Neben der Schlaganfall-Inzident wird auch häufig über akute neurologische Symptome bei einer SARS-CoV-2-Infektion berichtet. „Wir wissen, dass das Virus die Schleimhäute beziehungsweise die feinen Geruchsnerven im Nasen-Rachen-Raum schädigt, was zum typischen Geruchs- und Geschmacksverlust führt. Auch bei anderen Symptomen wie dem Guillain-Barré-Syndrom, einer seltenen Erkrankung im peripheren Nervensystem, hat man im Liquor den Virus entdeckt. Um sagen zu können, inwieweit tatsächlich ein Zusammenhang besteht, braucht es aber noch viel mehr Studien und längere Beobachtungszeiträume. Wir sprechen daher vorerst von Assoziation und nicht von Kausalität“, so Lampl.

Bei guter Immunabwehr hat Virus keine Chance

Fest steht, Covid-19 kann eine Infektion verursachen und ältere Personen haben ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken, aber – so der Neurologe - besser sei eine Mahnung zur Vorsicht statt Panikmache. „Wichtig ist Eigenverantwortung und die korrekte Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Der Virus ist zwar hoch ansteckend, aber nicht hoch krankheitserregend. Je mehr wir testen, umso mehr Infizierte bekommen wir. Das heißt aber nicht zwingend, dass ich krank werde. Jeder Virus braucht einen Wirt. Hat der Wirt eine normale Immunabwehr wie die meisten Österreicher, dann wird nicht viel passieren. Ist aber die Immunabwehr durch Vorerkrankungen, Begleiterkrankungen oder zusätzliche Erkrankungen geschwächt, kann sich daraus ein Krankheitsbild entwickeln. Dieses kann dann, so wie alle anderen Krankheitsbilder bei alten, immungeschwächten oder multimorbiden Patienten mitunter letale Folgen haben.“


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