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OÖ. Stundenlange Arbeit am PC, ständig nerviges Bimmeln durch eine Flut an Mails und Nachrichten: Der Trauner René Riedl, Professor an der FH OÖ in Steyr und an der JKU Linz, forscht seit über zehn Jahren zum Thema „Digitaler Stress“ und hat mit seinem neuen Buch „Digitaler Stress. Wie er uns kaputt macht und was wir dagegen tun können“ den Nagel auf den Kopf getroffen. Tips verlost drei Buchexemplare.

  1 / 2   Techno-Stress Experte René Riedl warnt: "Die Corona-Situation ist nochmal ein Brandbeschleuniger." (Foto: kerriephotography.at)

Durschnittlich 75 E-Mails täglich, 2,5 Stunden pro Tag am Handy - wobei davon nur sieben Minuten telefoniert werden, 88 Mal unterbricht das Mobiltelefon begonnene Tätigkeiten: Die Zahlen sind ernüchternd. Digitale Dauererreichbarkeit, technische Probleme im Homeoffice, laufende Social-Media-Benachrichtigungen haben Auswirkungen auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und auch die Produktivität des Menschen.

Technostress-Experte René Riedl hat für sein neues Buch „Digitaler Stress“ rund 600 internationale Studien aus dem Gebiet zusammengetragen und für die breite Leserschaft verständlich und lesenswert aufgearbeitet, was der „Digitale Stress“ in den Menschen vor allem gesundheitlich auslöst. Klar ist: Digitaler Stress beeinflusst einerseits das Gehirn, andererseits auch Parameter des autonomen Nervensystems, des kardiovaskulären Systems ungünstig.

Langfristige Auswirkungen auf Gesundheit

„Machen wir es ganz konkret: Wenn wir nur eine halbe Stunde auf einem Computer arbeiten, führt dies im Vergleich zur Erledigung derselben Aufgabe mit Papier und Bleistift zu einer Ermüdung des Gehirns. Das sind ganz harte Befunde. Die Kurven in den Gehirnaktivierungen sind bereits nach einer halben Stunde Computerarbeit verändert – ganz objektiv nachgewiesen.“ Er nennt erhöhte Müdigkeit, Erschöpfung und mentale Überlastung als Folge. „Was heißt das dann, wenn jemand zehn Stunden am Tag vor dem Computer sitzt?“, so Riedl.

Wenn der Computer dann auch noch zickt, sich eine Website nur langsam aufbaut, geht dies laut Studien mit einer Erhöhung des Blutdruckes und teils sehr signifikanten Stresshormon-Ausschüttungen einher. „Das sind keine guten Nachrichten, vor allem, wenn so etwas zum Dauerzustand wird“, so Riedl, der auf langfristige Auswirkungen für die Gesundheit hinweist. „Erhöhte Kortisol-Werte führen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Herzkreislauf-Erkrankungen, auch Schlafprobleme hängen ganz eng mit dem Stresshormon Kortisol zusammen.“

Soziale Netzwerke und Infektionen der Atemwege

Ein auf den ersten Blick kurioses Studienergebnis, dass Riedl in seinem Buch erläutert: Je mehr Freunde man auf Facebook hat, desto öfter leidet man an Infektionen der Atemwege. „Ein größeres Netzwerk bedeutet mehr Stress, weil ich ständig reagieren muss, ständig unterbrochen bin. Und mehr Stress geht mit einer reduzierten Immunsystemfunktion einher.“ Dieses Studienergebnis hätte ihn selbst überrascht, „wenn man solche Zusammenhänge schon statistisch nachweisen kann, ist das schon Alarmstufe rot“, so der renommierte Technostress-Experte, der selbst aus Zeitgründen weder Facebook noch WhatsApp nutzt, neue Technologie und Digitalisierung aber keineswegs verteufelt.

Im Gegenteil: „Ich bin promovierter und habilitierter Wirtschaftsinformatiker und die Wirtschaftsinformatik als wissenschaftliche Disziplin legitimiert sich dadurch, dass wir sagen, IT, digitale Technologien, bewirken etwas Positives, sowohl fürs Individuum als auch das Unternehmen sowieso für die Gesellschaft insgesamt. Nur: Das, was mittlerweile hier bekannt ist an Befunden zu den negativen Aspekten kann man nicht mehr verneinen und es ist ja auch bezeichnend, dass die internationale Wirtschaftsinformatik die Forschung mittlerweile jene wissenschaftliche Disziplin ist, die mit Abstand die meisten wissenschaftlichen Beiträge zum digitalen Stress publizieren“, erläutert Riedl.

Corona als „Brandbeschleuniger“

Aber auch die aktuelle Corona-Situation sei nochmal ein „Brandbeschleuniger, zum Homeoffice zum Beispiel kommt ja auch der Kontext-Stress dazu.“ Zusätzlicher Stress etwa, weil man sich vor möglichem Jobverlust fürchte oder durch Home-Schooling der Kinder. Riedl beschäftigt sich akutell auch mit dem aufgetauchten Phänomen „Video Conference Fatigue“.

Tipps gegen digitalen Stress

In seinem Buch zeigt Riedl nicht nur verständlich die Auswirkungen von digitalem Stress auf, er erläutert in seinem Buch auch, welche einfachen Bewältigungsstrategien geeignet sind. Er gibt auch gleich einige Tipps:

  • Pausen machen. „Eine der allerwichtigsten Empfehlung, die ich auch im Buch sehr ausführlich darstelle, ist, regelmäßig Pausen einlegen, durchaus jede Stunde für ein paar Minuten. Das hat zwei wichtige Effekte: Wenn ich meinen Arbeitsplatz verlasse, wende ich mich vom Bildschirm ab – komme kognitiv mehr ins Gleichgewicht. Und zweitens: Wenn ich sitzend arbeite, verändere ich durch Pausen meine Körperposition. Die medizinische Forschung zeigt eindeutig: Ein oftmaliges Verändern der Körperposition – stehend, liegend, sitzend, gehen - ist der beste Fall. Es gibt Studien aus der Medizin, die zeigen, dass man eine höhere Lebenserwartung hat, wenn man nicht zehn Stunden am Tag sitzt.“
  • Fortbilden: „Eine zweite wichtige Strategie ist: Bilden Sie sich fort. Menschen haben weniger digitalen Stress, wenn sie Kompetenz in der Nutzung von digitalen Technologien haben.“
  • Bewegung, Ernährung, Natur, Achtsamkeit: „Im Bezug auf die Natur gibt es Studien, die nachweisen: Wenn man nur zehn Minuten zum Beispiel in der Mittagspause hinausgeht in einen Park oder auf eine Grünfläche, kann sich der Stresshormon-Spiegel signifikant senken. Das ist eine ganz einfache Maßnahme, dass kann jeder von uns machen. Selbst wenn sie im Homeoffice sind, es genügt, sich zehn Minuten auf Grün zu bewegen oder auch nur drauf zu schauen“, rät Riedl. Bei der Ernährung sei das große Problem, dass man, gerade wenn man Stress hat, eher zu ungesunder Ernährung neigt, „weil das kurzfristig das Serotonin günstig beeinflussen kann – aber nur sehr kurzfristig. Am nächsten oder übernächsten Tagen hat das den gegenteiligen Effekt. Damit macht man sich das Leben eher schwerer“, so Riedl.

Gewinnen

Tips verlost 3 Exemplare des Buches „Digitaler Stress“ an Leser - gleich hier teilnehmen.

„Digitaler Stress. Wie er uns kaputt macht und was wir dagegen tun können“ von Prof. Dr. René Riedl
232 Seiten, Linde Verlag
ISBN: 9783709306666
Infos: www.digital-stress.info

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