Demenz: „Es ist nie zu früh mit Prävention zu beginnen und nie zu spät“
OÖ/NÖ. Mit dem demografischen Wandel steigt auch die Anzahl der Personen, die an Demenz leiden. Dementsprechend haben nun Gesundheitslandesrätin und Obfrau der Academia Superior, Christine Haberlander, und Stefanie Auer, Leiterin des Zentrums für Demenzstudien an der Donau-Universität Krems, eine Strategie präsentiert, um OÖ bis 2030 zu einem Demenz-freundlichen Land zu machen.

Für Oberösterreich wurde die Zahl an Demenzerkrankungen im Jahr 2015 auf rund 21.000 Personen geschätzt. Bis zum Jahr 2050 wird diese Zahl laut Prognosen auf rund 48.000 ansteigen. Diese steigende Anzahl stellt das Land vor Herausforderungen. „Wir versuchen Lösungsansätze zu finden für Probleme, die wir kommen sehen“, so Gesundheitsreferentin Landeshauptmann-Stv. Christine Haberlander. Die Academia Superior – Gesellschaft für Zukunftsforschung beschäftigt sich schon länger mit Fragen, die der demografische Wandel für die Zukunft aufwirft. Das Themenfeld Demenz reiht sich in diese Bemühungen ein, die Lebensqualität in Oberösterreich auch in Zukunft zu verbessern. In Gesprächen mit Experten aus verschiedenen Fachgebieten und mittels Auswertung von internationalen Vorreiter-Regionen wurden nun Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Demenz-Versorgungslandschaft in Oberösterreich erarbeitet.
Früherkennung wichtig
„Ein wichtiger Punkt ist die rechtzeitige Erkennung der Erkrankung“, so Stefanie Auer, Leiterin des Zentrums für Demenzstudien an der Donau-Universität Krems. „Das ist der Zeitpunkt, wo viele Therapien greifen und man sehr viel machen kann zur Verbesserung der Lebensqualität.“ Dazu ist es jedoch auch wichtig, eine präzise Diagnose zu haben. „Eine medizinische Diagnose haben nicht alle.“
Dabei soll sowohl die Lebensqualität der Betroffenen, die zu Hause gepflegt werden, als auch bei jenen, die in Heimen betreut werden, gesteigert werden. „Es ist sehr wichtig, dass beide Gruppen die Chance haben auf ein gutes Leben.
Ziel: Demenz-freundliches Oberösterreich
„Das große Ziel soll sein, dass wir Oberösterreich zu einem Demenz-freundlichen Bundesland machen“, so Haberlander. Dazu gehört auch ein Ankämpfen gegen die Stigmatisierung von Betroffenen. Doch nicht nur um direkt Betroffene kümmert sich die Strategie: „Es geht auch darum, dass wir die Überlastung von pflegenden Angehörigen vermeiden“, schildert Haberlander einen Themenbereich.
Prävention als weiterer Pfeiler der Strategie
Ein weiteres Thema ist zudem die Demenz-Prävention Studien zeigen, dass Demenz kein unbeeinflussbares Schicksal ist. Vor allem durch präventive Verhaltensänderungen könnte die Erkrankungsrate bis 2050 um wahrscheinlich 8,3 Prozent gesenkt werden. „Die Ausbildung vom Menschen ist ganz wichtig“, hebt Auer die Bedeutung von geistiger Aktivität bei der Demenz-Vorbeugung hervor. „Verschmutzte Luft hingegen ist einer der Risikofaktoren.“ Weiters helfen gesunde Ernährung, Bewegung und soziale Aktivitäten mit Menschen. „Was das Herz gesund hält, hält auch das Hirn gesund“, fasst die Expertin zusammen und ergänzt: „Es ist nie zu früh damit zu beginnen und nie zu spät.“
Elf Demenzservicestellen
Die Entwicklung in Richtung Demenz-Freundlichkeit wurde dabei schon begonnen: Im Jahr 2020 wurde zum Beispiel das Programm „Integrierte Versorgung Demenz in OÖ“ nach einer Evaluierung der Pilotprojektphase, mit elf Demenzservicestellen in den Vollbetrieb übernommen. Damit kann jede Familie in OÖ in maximal 45 Minuten eine dieser Servicestellen erreichen und den kostenlosen Service in Anspruch nehmen. Dort beantworten Experten in einem verständnisvollen Umfeld Fragen und begleiten Familien mit einer langfristigen Perspektive. Pflegende Angehörige werden im Umgang mit Menschen mit Demenz beraten.
Die Servicestellen arbeiten zudem mit der Medizin bei Früherkennung und Optimierung der medizinischen Versorgung zusammen. Zusätzlich existieren flexible Demenz-Fördergruppen in ganz OÖ.


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