„Täterarbeit ist ein wichtiger Beitrag zum Opferschutz“
OÖ. „Meine Frau droht, sich von mir zu trennen. Sie hat Angst vor meiner Aggression. Mir ist bewusst, dass ich meine Partnerin mit Worten verletze und das will ich eigentlich nicht. Trotzdem passiert es mir immer wieder, besonders dann, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich werde dann laut und aufbrausend. Ich war schon knapp dran, zuzuschlagen und fürchte, dass ich mal die Kontrolle verliere.“ – Martin, 46.

Eine typische Situation, die Männer erleben, wenn sie Angst haben, verlassen zu werden, wenn sie sich gekränkt und zurückgewiesen fühlen. Diese Ängste und bestimmte Vorstellungen, wie Männer funktionieren sollten, sind nicht selten Auslöser für schwere Spannungen und Konflikte, die schlimmstenfalls mit Gewalt enden.
Professionelle Hilfe für gewaltbereite Menschen
Das Beratungsangebot von Beziehungleben.at der Diözese Linz bietet einen niederschwelligen Zugang für Menschen, die bereit sind, sich mit ihrem Gefährdungspotential konstruktiv und lösungsorientiert auseinander zu setzen.
„Hauptziel unserer Arbeit ist, dass unsere Klienten Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und für ihr Umfeld weder Risiko noch Bedrohung darstellen. Männerberatung, Täter-Beratung und Familienberatung sind daher ein wichtiger Beitrag zum Opferschutz“, sagt Josef Hölzl, Gewaltberater im Zentrum Beziehungleben.at.
In einer Beratung werden Täter mit ihrem Verhalten konfrontiert und lernen, Verantwortung dafür zu übernehmen. Sie lernen, Gefühle und Bedürfnisse zuzulassen sowie sich gewaltfrei durchzusetzen. Wenn Alkohol im Spiel ist, dann gilt es, zuerst dieses Thema in den Griff zu bekommen. „Häufig suchen Täter die Schuld beim Opfer. Was hat sie getan, dass es so weit gekommen ist? Und werden etwas finden: Sie hat mich provoziert, sie hört nicht auf zu streiten. Täter verwechseln dabei etwas: Sie meinen, weil das Opfer ein Teil des Konflikts war, ist es auch für die Gewalttat verantwortlich. Das stimmt so nicht. Für die Gewalttat ist immer einzig und allein der Täter verantwortlich“, so Hölzl.
Anlaufstellen für Opfer häuslicher Gewalt
Das Sozialressort des Landes OÖ finanziert derzeit fünf Frauenhäuser, hinzu kommen Übergangswohnangebote für Frauen in mehreren Bezirken. Weitere Anlaufstellen für Opfer häuslicher Gewalt sind das Autonome Frauenzentrum, das Gewaltschutzzentrum OÖ sowie Frauenberatungsstellen, die kostenlose Gewaltschutzberatungen anbieten.
„Da auch Täterarbeit zum Opferschutz gehört, wird vom Sozialressort das Angebot der Diözese Linz gefördert“, erklärt Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer. „Denn gewalttätige Männer sind häufig Wiederholungstäter und lassen mehrere Opfer ihres Verhaltens zurück. Die Arbeit mit ihnen kann weitere Gewalt und damit neue Opfer verhindern.“


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