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LINZ. „Zu erfahren, dass mit dem ungeborenen Baby etwas nicht stimmt, löst bei Eltern verständlicherweise einen Schock aus“, weiß Pränatal-Beraterin Michaela Kaiser. Der Verein ZOE in Linz bietet werdenden Müttern und Vätern Zeit und Raum, um mit dem belastenden Befund zurecht zu kommen, Möglichkeiten abzuwägen und Entscheidungen zu treffen.

 (Foto: Feelkoy/Shutterstock.com)
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An die ZOE-Beratungsstelle wenden sich Paare, die mit der Herausforderung einer pränatalen, also vorgeburtlichen, Untersuchung konfrontiert sind. Die psychosoziale Beratung ist eine wertvolle Ergänzung zu den gynäkologischen und genetischen Beratungen. „Die Eltern stehen natürlich zuerst einmal unter Schock, wenn sie erfahren, dass mit ihrem Baby etwas nicht stimmt. Wir versuchen, ihnen Zeit und Raum zu geben, um das überhaupt erfassen zu können“, erklärt die stellvertretende ZOE-Vorsitzende Michaela Kaiser.

Beratungen ergebnisoffen

An vorderster Stelle stehen die Sorgen der werdenden Eltern. „Schaffen wir das mit einem beeinträchtigten Kind, hält die Beziehung das aus, und für viele ganz wesentlich, wird das Kind leiden, wird es Schmerzen haben oder verschiedene Operationen brauchen. Wir versuchen aufzuklären und mit den Eltern die verschiedenen Möglichkeiten durchzugehen. Dabei ist unsere Beratung immer ergebnisoffen“, betont Kaiser.

Das heißt, dass Möglichkeiten gesucht werden, wie es mit dem Kind funktionieren kann, aber man auch die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruches bespricht. „Für manche kommt ein behindertes Kind überhaupt nicht in Frage, andere können mit einer bestimmten Art von Beeinträchtigung leben und für wieder andere kommt ein Abbruch generell nicht in Frage. Sind beide Elternteile nicht der gleichen Ansicht, wird es schwierig, denn in diesem Fall gibt es keinen Kompromiss. Rein rechtlich entscheidet die Mutter, in der Praxis ist es den Müttern aber ganz wichtig, die Väter mit im Boot zu haben“, weiß die Pränatal-Beraterin.

Manchmal hilft bei der Entscheidungsfindung der Kontakt mit betroffenen Eltern. „Damit sie sehen, wie lebt es sich denn tatsächlich mit so einem Kind, welche Herausforderungen kommen auf einen zu und was ist vielleicht gar nicht so schlimm, wie man es sich vorgestellt hätte“, so Kaiser.

Egal, welche Entscheidung die Eltern letztendlich fällen: „Unsere Klienten schätzen unsere ergebnisoffene Haltung, die es ihnen erlaubt, alle Möglichkeiten abzuwägen, alle Arten von Fragen zu stellen, alle aufkommenden Gefühle und Gedanken auszudrücken und so zu einer eigenen Entscheidung zu gelangen, mit der sie dann auch leben und die sie vertreten können“, erklärt die Pränatal-Beraterin.

Kostenlos und anonym

Der Verein ZOE wurde 2000 ins Leben gerufen, seither wurden rund 1.300 kostenlose psychosoziale Beratungen zur Hilfestellung bei pränataler Diagnostik durchgeführt. Das erfahrene Team arbeitet dabei eng mit Wolfgang Arzt, Leiter des Instituts für Pränatalmedizin am Kepler Universitätsklinikum Linz, zusammen. „Nach Mitteilung einer auffälligen pränatalen Diagnose an die Schwangere, kann die Bedeutung einer psychosozialen Beratung durch bestens geschulte Pränatalberaterinnen, wie wir sie bei ZOE vorfinden, nicht hoch genug eingeschätzt werden. Durch unseren engen Kontakt mit ZOE können wir den Schwangeren in dieser schwierigen Lebensphase eine sehr professionelle Begleitung, in einer anderen Umgebung als in der Klinik, anbieten. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen, auch, oder gerade wenn, vorerst kein Licht am Horizont zu sehen ist“, betont Arzt.

Das Beratungsspektrum bei ZOE deckt aber auch alle anderen Themen rund um Schwangerschaft und Geburt ab: ungewollte Kinderlosigkeit, Fehlgeburt, Schwangerschaftsabbruch, Überforderung etc. Insgesamt werden jährlich rund 1.000 Beratungen durchgeführt. Das Angebot ist für jeden frei zugänglich, kostenlos und wenn gewünscht anonym.


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