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"Wir wollen lernen und haben Potenzial": mit dem Projekt „migrants care“ zum Pflegeberuf

Nora Heindl, 10.02.2022 09:23

LINZ. Die Nachfrage nach qualifiziertem Pflege- und Betreuungspersonal in Österreich wird immer größer. Viele Migranten, die einen Pflegeberuf ergreifen möchten, scheitern jedoch an den erforderlichen Deutschkenntnissen. Diese werden ihnen im Vorbereitungskurs des Projektes „migrants care“ vermittelt, den aktuell in Linz laufenden Kurs der Volkshilfe besuchen 15 Frauen und ein Mann.

 (Foto: VH OÖ)
(Foto: VH OÖ)

„Wir haben mit diesem Kurs eine Chance bekommen, die wir nutzen wollen und werden“, sagt Zarintaj Eliasiamaleh stellvertretend für die übrigen Projekt- Teilnehmer. Die 54-Jährige stammt aus dem Iran und lebt seit fünf Jahren in Österreich. In ihrer Heimat war sie mehr als 20 Jahre Krankenschwester auf einer Intensivstation, nun möchte sie in Österreich als Fachsozialbetreuerin Altenarbeit (FSB) arbeiten. „Ich habe auch schon einen Ausbildungsplatz, die Aufnahmeprüfung dafür hätte ich aber ohne Unterstützung nicht geschafft“, erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Wichtige Vorqualifizierung

„Viele Migrantinnen und Migranten möchten einen Pflege- oder Betreuungsberuf ergreifen, scheitern aber an den verlangten Deutschkenntnissen und an fehlenden Informationen über die Branche. Mit ‚migrants care‘ gelingt uns ein wichtiger erster Schritt bei Beratung und Vorqualifizierung“, erklärt Projektleiterin Gülcan Gigl von der Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnen GmbH. Der Schwerpunkt des Vorbereitungskurses liege zwar auf der Verbesserung der Deutschkenntnisse, die Teilnehmer würden aber auch fachspezifisch auf Ausbildung und Beruf vorbereitet werden. „Sie lernen unter anderem Strategien im Umgang mit Diskriminierung und Vorurteilen und beschäftigten sich eingehend mit Berufsbildern im Pflege- und Betreuungsbereich. Und nicht zuletzt unterstützen wir sie bei ihrer Suche nach einer Ausbildungsstelle“, so Gigl.

Aufgabe und Ziel gefunden

Ihre Ausbildungsstellen können nach Ende des Kurses Ende Februar 2022 auch Najlaa Fadlieh und Bahar Özcan fix antreten. Die 38-jährige Fadlieh ist vor fünf Jahren auch Syrien nach Österreich gekommen und lebt mittlerweile in der Mühlviertler Bezirkshauptstadt Freistadt. „Ich war nach einem Wirtschaftsstudium Lehrerin in Syrien und in der Türkei, wollte aber eigentlich schon immer im Gesundheitsbereich arbeiten“, erzählt die dreifach Mutter. Dank des Projektes „migrants care“ könne sie diesen Wunsch nun umsetzen. „Ich habe eine Aufgabe und ein Ziel gefunden und werde in Zukunft wieder auf eigenen Beinen stehen können“, freut sich Najlaa Fadlieh.

„Wir wollen lernen und haben Potenzial“, ist auch Bahar Özcan voller Tatendrang. Die gebürtige Türkin hat Management und Organisation studiert und lebt seit acht Jahren in Österreich. Im Schnupperpraktikum habe sie erlebt, dass die Arbeit mit alten Menschen für sie eine persönliche Bereicherung ist. „Der Kurs hat mich bestärkt, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Wir konnten nicht nur unsere Deutschkenntnisse im medizinischen Bereich ausbauen, sondern auch zeigen, dass wir ein Herz für diesen Beruf haben“, sagt die 31-Jährige.

Erwartungen übertroffen

Eine positive Bilanz zieht kurz vor dem Ende des Kurses auch Projektleiterin Gülcan Gigl. „Die Erwartungen wurden übertroffen. Die Teilnehmer*innen waren von Beginn weg höchst motiviert und engagiert und haben auch an etlichen Wochenenden gemeinsam gebüffelt. Weil sie die ihnen gegebene Chance nutzen wollen“, erklärt Gigl und spricht von einem „enormen Potenzial für den Pflegebereich“.

Nächster Kurs im Herbst

Den nächsten Vorbereitungskurs hat die Volkshilfe OÖ für den Herbst (5. September bis 12. Dezember) geplant, Beratung und Information erfolgen nur nach telefonischer Voranmeldung mit Gülcan Gigl unter der Telefonnummer 0732/603 099 34.


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