Korruption wird es immer geben
LINZ. Ewald Kager ist seit 2016 als geschäftsführender Partner für Grant Thornton am Standort Linz tätig. Er ist unter anderem auf die Beratung nationaler und multinationaler Unternehmen spezialisiert. Tips sprach mit ihm über das heikle Thema Korruption.

Tips: Warum beschäftigt sich Ihre Firma mit dem Thema Korruption?
Kager: Ich bin Absolvent der Theresianischen Militärakademie. In der Offiziersausbildung wird sehr viel Wert auf die Themen Integrität, Loyalität und ethisches Verhalten gelegt. So wie der Offizier ein Vorbild sein muss, soll auch das Management in einem Unternehmen vorleben, was es von seinen Mitarbeitern und Business Partnern erwartet. So war es naheliegend, dass ich mich auch beruflich diesen Themen widme.
Tips: Wie sieht es mit der Korruption in Österreich aus?
Kager: Die Korruption an sich hat sich meiner Meinung nach in Österreich weder verschlechtert noch verbessert, die Wahrnehmung dazu hat sich verändert. Ein gewisses Maß an Korruption hat es und wird es wahrscheinlich immer geben.
Tips: Wie wird Korruption von der Bevölkerung wahrgenommen?
Kager: Insbesondere wenn Themen wie Panama Leaks und die Causa Eurofighter medial präsent sind, wird das Thema „Korruption“ greifbar. In der Bevölkerung kann die subjektive Wahrnehmung entstehen, dass es sich „die da oben“ richten und der „kleine Mann“ auf der Strecke bleibt.
Grenze ist nicht leicht zu ziehen
Tips: Ist das Thema Korruption ein Problem der Wirtschaft oder der Politik?
Kager: Das ist schwer zu beantworten. Das wirksamste Mittel gegen Korruption ist Transparenz, denn Transparenz schafft Vertrauen und Sicherheit. Dies gilt gleichermaßen für Politik und Wirtschaft. Die Politik muss den gesetzlichen Rahmen vorgeben, wobei eine Überregulierung nicht zielführend ist. Und die Politik muss ihre Vorgaben natürlich auch selbst vorleben. Die Wirtschaft benötigt Rahmenbedingungen, in denen Korruption verpönt ist und Maßnahmen dagegen gefördert werden.
Tips: Die Grenze zwischen einem harmlosen Gefallen und Korruption ist nicht immer ganz einfach zu ziehen, oder?
Kager: Das stimmt, denn das so genannte „Networking“ gehört heute zum Geschäftsleben. Problematisch wird es aber, wenn jemand einen persönlichen Vorteil aus einer Situation oder einem Kontakt zieht und jemand anderem dadurch ein Nachteil entsteht. Die Kunst bei der Korruptionsbekämpfung ist, nicht das Augenmaß zu verlieren.
Tips: Warum schadet Korruption überhaupt den Menschen beziehungsweise der Wirtschaft?
Kager: Für die Entwicklung der Wirtschaftsstandorte ist das Vertrauen in die Institutionen entscheidend. Gelten Verwaltung und Gerichte als korrupt, werden transparente Abläufe unterwandert und jene, die zu Mitteln wie Bestechung bereit sind, kommen zum Zug. Durch Machtmissbrauch verlieren die Menschen das Vertrauen. Es entsteht ein Klima der Missgunst und ein Gefühl der Ohnmacht. Die Integrität geht verloren und dann gilt: Jeder ist sich selbst der Nächste.
Tips: Was kann ich als Einzelner dagegen tun?
Kager: Menschen orientieren sich an verschiedensten Prozessen. Eine Checkliste, also ein Leitfaden der festlegt welches Verhalten „richtig“ und „falsch“ ist, gibt Mitarbeitern im Unternehmen Sicherheit. Diese Compliance-Regeln dürfen aber keine reinen Lippenbekenntnisse sein. Management oder Geschäftsführung müssen diese Werte vorgeben, vorleben und auch sicherstellen, dass die Einhaltung kontrolliert und Missbrauch sanktioniert wird. Als Individuum gilt es kritisch zu sein, Dinge zu hinterfragen und stets mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.


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