Fläche von 24 Fußballfeldern täglich verbaut: Anschober fordert Masterplan für Bodenschutz
OÖ/LINZ. Österreichweit werden fast 15 Hektar Boden täglich verbaut. In Oberösterreich liegt der in Anteil der versiegelten Fläche bei über 42 Prozent. Die Versiegelung von Böden hat nicht nur starke Auswirkungen auf Klimaschutz und Ernährungssicherheit, sie verschlimmern auch die Folgen von schweren Unwettern. Landesrat Rudi Anschober fordert einen österreichweiten Masterplan inkl. Obergrenze für den Bodenverbrauch.

Für Landesrat Rudi Anschober ist der Bodenschutz neben dem Klimaschutz zweites zentrales Thema der kommenden Jahre. Es geht darum, die Existenzgrundlagen der Menschen zu erhalten: Die Anbauflächen für Lebensmittel, die Speicherböden für Hochwässer, die Speicher für CO2, den Lebensraum für Bienen und Insekten, den Filter für sauberes Trinkwasser. Aber auch das Aussterben von Stadtkernen und Ortszentren beim Bau großer Einkaufszentren auf der grünen Wiese oder Zersiedelung sind die Folgen von Bodenversiegelung.
Täglich 24 Fußballfelder verbaut
Laut Daten des Umweltbundesamtes für 2014 bis 2016 wurden österreichweit pro Tag 14,7 Hektar Boden verbaut – die Fläche von 24 Fußballfeldern. Österreich ist damit trauriger Spitzenreiter im Europavergleich. Von 2001 bis 2016 nahm in Österreich die verbaute Fläche um 24 Prozent zu. Das entspricht einem Plus von 1.090 Quadratkilometern und somit 2,5 Mal der Fläche Wiens.
Österreich verliert zudem jährlich 0,5 Prozent seiner Agrarflächen (zum Vergleich: Deutschland und die Schweiz verbauen mit 0,25 Prozent nur die Hälfte, Tschechien liegt bei 0,17 Prozent). „Wenn das so weiter geht, wird es in 200 Jahren in Österreich so gut wie keine Agrarflächen mehr geben“, warnt Anschober. Österreich hat mit 1,8 Quadratmetern auch die höchste Supermarktfläche pro Kopf in Europa sowie mit 15 Quadratmetern pro Kopf eines der dichtesten Straßennetze.
Oberösterreich: Über 42 Prozent versiegelt
In Oberösterreich ist die beanspruchte Fläche von 799 Quadratkilometern im Jahr 2006 auf 1.024 Quadratkilometer im Jahr 2016 gestiegen. Pro Einwohner sind 295 Quadratmeter versiegelt und damit langfristig blockiert. Der Anteil der versiegelten Fläche liegt in Österreich bei über 41 Prozent, in Oberösterreich sogar bei über 42 Prozent.
Thema in der Bevölkerung angekommen
Das erste Ziel – die öffentliche Bewusstseinsbildung in Oberösterreich – sei geschafft, freut sich Anschober. Laut einer aktuellen SORA-Umfrage stimmen fast 90 Prozent der befragten sehr und ziemlich der Aussage zu „Die Bodenversiegelung soll in OÖ durch strengere Auflagen auf ein Mindestmaß verringert werden, um die Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung in OÖ zu schützen.“ Fast 80 Prozent stimmen der Aussage „Statt noch mehr Einkaufszentren auf der grünen Wiese sollten die Ortskerne wiederbelebt werden“ voll zu.
Bundesregierung in der Pflicht
Jetzt gehe es um Ziel 2, so Anschober: Maßnahmen umzusetzen. Schon jetzt gibt es in Oberösterreich viele Initiativen zum Bodenschutz, wie die Bodencharta, Bodenfunktionskarten, Workshops für Gemeindevertreter oder Schulen, Förderaktionen, Bodenlehrpfade oder die Unterstützung des Bodenbündnisses OÖ. Nun sieht der Landesrat auch die Bundesregierung in der Pflicht. Er fordert einen bundesweiten Masterplan mit regionalisierten Zielwerten für einen maximalen Flächenverbrauch, einer Art Obergrenze. „Das Wissen um den Wert unserer Böden ist da, die Ziele sind formuliert, die Ideen liegen am Tisch – es braucht jetzt also 'nur' noch die politische Entscheidung der Bundesregierung für einen österreichweiten Masterplan zum Bodenschutz, damit wir auch die Lebensgrundlage für unsere Kinder und weitere Generationen sichern,“ so Anschober.
Leerstehende Gebäude nutzen
Anschober plädiert auch dafür, leerstehende Häuser und Industriehallen stärker zu nutzen, anstatt Neubauten zu errichten. Laut vom Umweltbundesamt hochgeschätzter Zahl stehen österreichweit insgesamt 40.000 Hektar Industrie- und Gewerbeflächen sowie Häuser leer – die Fläche der Stadt Wien. „Hier gibt es auch in Oberösterreich viel Potential“, so Anschober.
Hagelversicherung: Petition unterzeichnen
Um den Druck in der Öffentlichkeit zu erhöhen, hat auch die Hagelversicherung die Problematik aufgegriffen – aktuell werden in einer Petition Unterschriften gesammelt. Schon mehrere tausen Personen haben unterzeichnet. Die Hagelversicherung weist dabei darauf hin, dass der Bodenverbrauch rund 500.000 Jobs in und rund um die Landwirtschaft und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln gefährde und die Folgen von Überschwemmungen und Dürre verstärkt würden.
Unterzeichnet werden kann online unter www.bodenlos-arbeitslos.at.


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