Oberösterreich sucht Best-Practice Beispiel für E-Government in Estland
Tallinn. Estland gilt bei der Digitalisierung, insbesondere von Behördendiensten und bei Verwaltungsdienstleistungen, weltweit als fortschrittlicher Taktgeber. Um sich ein Bild vom estnischen System machen zu können und mögliche Optionen für Oberösterreich auszuloten, befindet sich derzeit eine Expertengruppe um Wirtschaftslandesrat Michael Strugl und Bildungslandesrätin Christine Haberlander in der estnischen Hauptstadt Tallin auf Bildungsreise.

Klare Vorteile wie Zeitersparnis für die Bürger und Kostenreduktion für die Verwaltung stehen aber einer Benachteiligung analoger, herkömmlicher Behördenwege und möglichen Schwierigkeiten beim Datenschutz gegenüber.
Ein umfassender Überblick über die derzeitigen Möglichkeiten bei E-Government wurde der österreichischen Expertengruppe im E-Estonia Showroom gewährt.
Alles außer Heirat und Scheidung
Das Angebot für estnische Bürger ist nahezu lückenlos, 99 Prozent aller Behördenwege können online erledigt werden. Ausnahmen seien lediglich Heirat, Scheidung und der Erwerb von Häusern, erklärt Indrek Onnik, Project Manager bei E-Estonia.
Allerdings, so räumt Onnik ein, könne dies auch bedeuten, dass der Bürger eine E-Mail an die Behörde schreiben müsse, aber immerhin, die Abwicklung sei online möglich.
Große Akzeptanz
Der große Erfolg, 97 Prozent der Esten nutzen E-Government, geht mit einer hohen Akzeptanz der Technologie einher. So wird Zugang zum Internet als Recht für die Bevölkerung gesehen und jeder Este besitzt einen elektronischen Ausweis. Darüber hinaus ist der Ausbau der von mobilem Internet vorbildlich (nahezu flächendeckend 4G) und die Kosten für einen Internetzugang (ausreichend Datenvolumen und akzeptabel Geschwindigkeit) belaufen sich pro Monat auf nicht einmal sechs Euro.
Als weiterer Grund für die hohe Akzeptanz gilt die relativ geringe Bevölkerungsdichte (1,3 Mio. Einwohner / 45,339 km², insbesondere jener Teil der Bevölkerung, der abseits der Ballungsräume lebt, profitiert vom gut ausgebauten E-Government, da man sich durch das Online-Angebot aufwendige Behördenwege ersparen kann.
Analog benachteiligt
Ein weiterer Grund für den Erfolg von E-Government-Angeboten in Estland ist, dass der analoge Austausch mit Behörden klar benachteiligt wird.
Die Kosten für analoge Abwicklung sind merklich höher als die Online-Bearbeitung und auch die Bearbeitungsdauer ist bei analoger Bearbeitung deutlich länger.
Zwar gebe es die Möglichkeit alle Behördenwege analog zu erledigen, erklärt Thomas Schneider von Norta (führend bei IT-Beratung und E-Government in Estland), aber „es ist verdammt mühsam, hier nicht digital zu leben.“
Transparenz
Um Missbrauch zu verhindern und den Bürgern Vertrauen in E-Government zu geben, setzt man in Estland auf hohe Transparenz. So kann jeder Bürger, nahezu in Echtzeit, sehen wann und von wem auf seine Daten zugegriffen wurde. Mit wenig Aufwand kann der Betroffenen dann auch den Grund für den Zugriff einfordern. Wer missbräuchlich Daten aufruft, muss in Estland mit ernsten Strafen rechnen. So riskiert ein Arzt, sollte er grundlos Daten abfragen, den Entzug seiner Approbation.
„Der Erfolg von E-Governmetn hat etwas mit einer gelungenen Verknüpfung aller Akteure und mit Datenschutz zu tun, nicht mit Breitbandausbau“, fasst Schneider zusammen.


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