Kooperation mit Grand Est in Frankreich unterzeichnet
OÖ. Landeshauptmann Thomas Stelzer hat am Mittwoch in Straßburg ein Abkommen zwischen der Region Grand Est in Frankreich und dem Land Oberösterreich unterschrieben. Er hat dabei betont, dass es schon jetzt viele positive Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen den Regionen gibt. Für viele OÖ. Unternehmen ist die Region Tor nach Frankreich beim Export.

Die Vereinbarung gilt zunächst für fünf Jahre und umfasst die Bereiche wirtschaftliche Entwicklung, Energie und nachhaltige Entwicklung, Gesundheit und Medizintechnik, neue Technologien, Medien und Digitalisierung, Hochschulwesen, Forschung und Innovation, Landwirtschaft, Regionalentwicklung und Tourismus, Bildung und Berufsbildung, Mobilität der Jugend, Kultur und kulturelles Erbe, gesellschaftliche Entwicklung und Sport sowie institutionelle Kooperation, lokale Zusammenarbeit und Zivilgesellschaft.
Grand Est ist die neue französische Region, die 2016 aus dem Gebiet der vorherigen Regionen Elsass, Champagne-Ardenne und Lothringen entstand. Die Region ist mit 57.433 km² die viertgrößte Region in Frankreich (ohne Übersee-Regionen) und hat rund 5,55 Mio. Einwohner, womit sie die sechstgrößte Region nach der Einwohnerzahl ist.
Mit Elsass gab es schon seit 2007 eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit. Nun wurde sie nicht bloß verlängert, sondern mit der größeren Region Grand Est neu fixiert.
Landeshauptmann Stelzer präsentierte Oberösterreich mit seinen Stärken im Export unter anderem in den Bereichen Automobilzulieferung (über 20 Prozent des BIP hängen davon ab) und Luftfahrt (in jedem Flugzeug auf der Welt fliegen Teile aus OÖ mit) als den Wirtschaftsmotor in Österreich. Zwei Drittel der OÖ. Wertschöpfung gehen in den Export. Aber auch die Landwirtschaft und der Tourismus spielen eine bedeutende Rolle. Stelzer zeigte sich zudem erfreut, wie bekannt und erfolgreich oberösterreichische Firmen im Ausland sind. Werner Pamminger, Geschäftsführer der Business Upper Austria, ergänzte, dass OÖ. Unternehmen beispielsweise Weltmarktführer im Bereich Kunststoff sowie im Kunststoffrecycling sind.
Straßburg / Grand Est
Straßburg ist Hauptstadt und damit Sitz des Regionalrats und des Regionspräfekten der Region Grand Est.
Frankreich ist das flächenmäßig größte und mit 67,4 Mio. Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land der EU. Mit einer Wirtschaftsleistung von 2,4 Bio. EUR ist die Grande Nation die sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde und der fünftgrößte Exporteur (Waren und Dienstleistungen) weltweit. Traditionell verzeichnet man einen starken Handelsbilanzüberschuss bei Dienstleistungen und ein starkes Defizit bei Waren. 2018 wuchs die französische Wirtschaft um 1,5%.
Frankreich ist der fünftwichtigste Exportmarkt Österreichs (nach Deutschland, USA, Italien und Schweiz), importseitig zählt Frankreich ebenfalls zu den wichtigsten Lieferanten mit dem 9. Rang. Der Außenhandel mit Frankreich insgesamt hatte sich über die letzten Jahre sehr positiv entwickelt.
Nach französischer Statistik exportierte Österreich 2018 Waren im Wert von EUR 5,9 Mrd. nach Frankreich. Die Region Grand Est erhält insgesamt fast EUR 1,6 Mrd. (27 %) an österreichischen Exporten, dabei zählen zu den wichtigsten österreichischen Exportprodukten pharmazeutische Basisprodukte, Metallurgieprodukte, Erzeugnisse aus Plastik, Automobilzulieferungen, Papier und Karton sowie Maschinen verschiedenster Art.
Von den insgesamt 442 österreichischen Niederlassungen in Frankreich liegen 55 im Elsass, 79 in der neuen Region Grand Est und 163 im östlichen Bereich (Grand Est, Bourgogne-Franche-Comté, Auvergne-Rhône-Alpes). Ein Drittel kommen aus OÖ. Wichtige oberösterreichische Niederlassungen im Elsass sind unter anderem voestalpine AG, Wiesner-Hager, KTM, Fröling, Greiner, Wolf Systembau, Rosenbauer und Frauscher Sensortechnik.
Kooperation mit Fachhhochschulen
Im Rahmen von Double-Degree-Abkommen haben Studierende der FH Oberösterreich die Chance, bei einem Auslandssemesters einen „Double Degree“ (doppelten Abschluss) zu erlangen und damit zwei akademische Titel zu erwerben. Im Double-Degree-Abkommen zwischen der INSA Straßburg und der Fachhochschule Wels bietet der Masterstudiengang Öko Energietechnik eine grundlegende Vertiefung in Themen der Umwandlung, Verteilung und optimierten, umweltfreundlichen Verwendung von Energie in Anlagen und Gebäuden.
Fröling Heizkessel- und Behälterbau in Elsass
Das 1961 gegründete Familienunternehmen Fröling Heizkessel- und Behälterbau stellt Holzheizsysteme in Grieskirchen her. Fröling ist mit 600 Mitarbeitern und seinen Scheitholz-, Hackgut- und Pelletsfeuerungen bei einer Exportquote von über 70% europaweit erfolgreich und hat in Straßburg ein Schulungs- und Kompetenzzentrum.
Rheinhafen plant Austausch mit Ennshafen
Auf Anregung von Werner Pamminger plant der Straßburger Hafen künftig mit dem Ennshafen ein Benchmarking zu betreiben, da beide Häfen ähnliche Rahmenbedingungen haben.
Kooperation mit JKU
Am Weg nach Straßburg besuchte die Delegation auch das Karlsruhe Institute of Technology (KIT), das mit der JKU eine Forschungskooperation zur Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen hat.
Mit Beginn des Wintersemesters 2019/2020 startet einer der europaweit ersten „Artificial Intelligence“ Studiengänge an der JKU. Das international ausgerichtete Studium beinhaltet eine ausgewogene Grundausbildung in Mathematik und Informatik sowie Kompetenzvermittlung in maschinellem Lernen, Wissenspräsentation und Sprachverarbeitung. Brennpunkt der fächerübergreifenden Technologieforschung ist das Linz Institute of Technology (LIT).
Der KI-Pionier Sepp Hochreiter (Institute for Machine Learning und Leiter des LIT AI Lab) war führend bei der Planung und wird auch im Studium selbst eine wichtige Rolle spielen. Er leitet am LIT das KI-Labor, das jährlich mit einer Million Euro vom Land Oberösterreich gefördert wird. Sitz dieses Forschungslabors wird ab Juni 2019 das LIT Open Innovation Center sein, das derzeit am JKU-Campus errichtet wird. Hier wird gemeinsam mit Experten aus Industrie und Wirtschaft über Fächergrenzen hinweg an der technologischen Zukunft geforscht. Prof. Hochreiter ist überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die „Elektrizität des 21. Jahrhunderts“ ist.
Ein brennendes Thema des an der JKU verfolgten interdisziplinären Ansatzes ist, neben dem Themenbereich der ethischen Verantwortung, die Mensch-Maschinen-Schnittstelle und damit auch die Roboterpsychologie.
Forschen und Lehren
Mit über 9 000 Beschäftigten und einem Jahresbudget von knapp 800 Mio. Euro entstand in Karlsruhe eine der weltweit größten Forschungs- und Lehreinrichtungen mit dem Potenzial, auf ausgewählten Forschungsgebieten eine weltweite Spitzenposition einzunehmen. Spitzenforschung wird z.B. im Bereich Künstliche Intelligenz, smarter Verkehr, Arbeitswelten der Zukunft betrieben. Es entstand 2009 als Zusammenschluss der Universität Karlsruhe (heute KIT Campus Süd) mit dem Forschungszentrum Karlsruhe (heute KIT Campus Nord). Es versteht sich als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“. Mit der Fusion der beiden Institutionen wurde es zur größten deutschen Forschungseinrichtung.
Das KIT Zentrum Information - Systeme - Technologien (KCIST) erforscht und entwickelt komplexe adaptive, technische Systeme für einen sicheren und effizienten Umgang mit Informationen, basierend auf Kompetenzen wie Algorithmen, Software-Engineering, Cloud Computing und wissenschaftliche Informatik, sichere Kommunikationssysteme und große Datentechnologien sowie intuitive Mensch-Maschine-Schnittstellen, humanzentrierte Robotik, Industrierobotik und Automatisierung. Es bündelt daher interdisziplinäre Kompetenzen über die KIT-Bereiche hinweg, insbesondere aus den Bereichen Informatik, Wirtschaft, Elektrotechnik und Maschinenbau, Informationstechnik sowie Sozialwissenschaften. Hauptziel des Zentrums ist es, Forschung und Innovation sowie den Technologietransfer zwischen dem KIT und seinen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene zu fördern.
Künstliche Intelligenz
Das KIT Center Information - Systems - Technologies untersucht, wie künstliche Intelligenz in technischen Systemen eingesetzt werden kann. Maschinen, die für den Einsatz in einer menschenzentrierten Umgebung konzipiert sind und den Menschen in seinem Alltag unterstützen, erfordern kognitive und sensomotorische Fähigkeiten, um veränderte Umgebungen wahrzunehmen und zu interpretieren. Sie müssen in der Lage sein, durch die Beobachtung von Menschen neue Aufgaben zu lernen und autonom und zielgerichtet zu handeln. Zentrale Themen für dieses komplexe Ziel sind die Wahrnehmung, der Erwerb und die Repräsentation von Wissen, die Analyse von Gedächtnisstrukturen und der Handlungsgenerierung sowie das Lernen.
Robotik und Automatisierung
Die Robotik ist eine der strategischen Technologien des 21. Jahrhunderts, die Lösungen für viele gesellschaftliche Herausforderungen bieten und die Wettbewerbsfähigkeit der Schlüsselindustrien erhalten wird. Durch integrierte Forschungsaktivitäten zu Themen innerhalb von KCIST und Disziplinen am KIT forscht und entwickelt der Bereich Robotik / KI Robotertechnologien für Serviceanwendungen, Fertigung, Mobilität und Gesundheitswesen, um die Lebensqualität aller Menschen zu verbessern. Ziel ist es, Robotersysteme mit fortschrittlichen Fähigkeiten in Bezug auf intelligente Sensorik, fortschrittliche Bewegungssteuerung, sichere Interaktion, intuitive Programmierung und Leistung zu entwickeln.
Viele Chancen für OÖ
Mit verschiedenen Instituten des KIT gibt es im Rahmen des EU-Forschungsprogrammes Horizon bereits Kontakte bzw. Austausch mit den OÖ Einrichtungen Profactor, Linz Center of Mechatronics, JKU sowie dem Energieinstitut an der JKU.
Rosenbauer auch in Karlsruhe
Das Leondinger Unternehmen Rosenbauer zählt zu den weltweit führenden Herstellern für Feuerwehrtechnik im abwehrenden Brand- und Katastrophenschutz. Als Vollsortimenter bietet Rosenbauer der Feuerwehr kommunale Löschfahrzeuge, Drehleitern, Hubrettungsbühnen, Flughafenfahrzeuge, Industriefahrzeuge, Sonderfahrzeuge, Löschsysteme, Feuerwehrausrüstung, stationäre Löschanlagen an und im Bereich Telematik Lösungen für Fahrzeugmanagement und Einsatzmanagement. Wartung, Kundendienst und Refurbishment stellt Rosenbauer durch ein Servicenetz in über 100 Ländern bereit.
Rosenbauer in Karlsruhe (früher Metz Aerials) ist das Kompetenzzentrum für Hubrettungsgeräte im Konzern. Den Grundstein zur mehr als 170-jährigen Erfolgsgeschichte legte Carl Metz schon damals durch die praxisorientierte Verbindung von Produkt und Anwendung. Die ständigen Weiterentwicklungen und Optimierungen der Hubrettungsbühnen und Drehleitern, die es in vielen Ausstattungsvarianten und für Arbeitshöhen von 20 bis 62 Metern gibt, sorgen dafür, dass Metz Produkte im Bereich der Höhenrettung international anerkannt sind. Das Unternehmen gehört seit 1998 zum Rosenbauer Konzern.
Am Standort Karlsruhe produzieren rund 500 Mitarbeiter Drehleitern und Hubrettungsbühnen für Feuerwehren in der ganzen Welt.


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