Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

OÖ. Im Tips-Talk sprach Klima-Landesrat Stefan Kaineder unter anderem über die aktuellen Herausforderungen in Oberösterreich im Bezug auf die Klimakrise.

Klima-Landesrat Stefan Kaineder. Foto: Die Grünen OÖ
Klima-Landesrat Stefan Kaineder. Foto: Die Grünen OÖ

Tips: Bestandsaufnahme: Wo steht Oberösterreich derzeit, wenn es um Nachhaltigkeit geht?

Stefan Kaineder: Ich glaube, die Menschen haben verstanden, was zu tun ist – nämlich dieser Klimakrise entschlossen zu begegnen. Die Klimakrise ist da, das merken die Menschen jetzt auch. . Es ist nicht so selten der Fall gewesen, jetzt auch im März und im April, dass die Menschen in der Peripherie den Wasserhahn aufgedreht haben und da kommt nichts mehr, weil die Brunnen trocken sind. Wir haben viel zu wenig Niederschlag, Wetterextreme nehmen zu und Bäche trocknen aus im Land am Strome. Die Menschen haben verstanden: Die Klimakrise ist real, sie ist da und wir müssen sie bekämpfen. In der Politik ist es so, dass wir im Umweltressort versuchen, zu tun was wir können. Es braucht aber schon den großen Schulterschluss, dass sich alle Ressorts darum bemühen, den Klimaschutz ernst zu nehmen. Das sehe ich auf Bundesebene jetzt gegeben. Da sind das erste Mal fünf Milliarden Euro für den Klimaschutz budgetiert. Das ist ein richtig großer Betrag, da geht es in die absolut richtige Richtung. In Oberösterreich fehlt mir das noch, muss ich ehrlich sagen. Wir haben eine schwarz-blaue Koalition und die reden lieber über den Regionalflughafen und die Kurzstreckenflüge. Und so wird es nicht gehen.

Tips: Was sind für Sie in der nächsten Zeit die größten Herausforderungen in diesem Bereich?

Kaineder: Die Corona-Krise hat uns ja gezeigt, was der Notstand eigentlich für ein Land bedeutet. Wir waren wochenlang zu Hause und irgendwie in einem Gefühl der Hilflosigkeit, weil dieser Notstand das ganze Land erfasst hat. Und bei vielen Menschen geht es auch darum: Habe ich noch einen Arbeitsplatz? Wie geht es nach der Kurzarbeit weiter? Das ist auf der einen Seite eine riesige Herausforderung für die Politik, das heißt, wir werden investieren müssen. Es ist auf der anderen Seite aber, gerade wenn wir auf die Klimakrise schauen, auch eine große Chance, weil es uns die Möglichkeit gibt, mit einem Kraftakt zwei Krisen zu bekämpfen. Wenn wir jetzt in die richtigen Maßnahmen investieren, wenn wir jetzt sagen, wir machen unsere Dächer zu Solarkraftwerken, wir installieren Photovoltaikanlagen in großer Zahl, dann sind das Arbeitsplätze für die Installateure vor Ort. Wenn wir sagen, wir sanieren unsere Schulen, und zwar mit Holz, dann haben wir Arbeitsplätze in der gesamten Wertschöpfungskette.

Wir haben Bäuerinnen und Bauern, die gerade sehr viel Holz haben, weil der Käfer die Wälder ausräumt. Dieses Holz können wir brauchen, um Schulen zu sanieren, um öffentliche Gebäude zu bauen, und so weiter. Wir haben die Wertschöpfung bei den Sägewerken, die dieses Holz verarbeiten, bei den Handwerkern, bei den Zimmerleuten, die die Häuser bauen. Und am Ende, und dass sage ich jetzt auch als Landesrat, der für den Abfall zuständig ist, brauchen wir diese Gebäude nicht aufwendig in Sondermülldeponien entsorgen, sondern man kann sie ganz einfach weiter verarbeiten, weil Holz einfach ein biologischer Werkstoff ist. Wenn wir jetzt die Dinge richtig machen, dann können wir mit einem großen Kraftakt, den wir brauchen, zwei Krisen bekämpfen: Die Corona- und die Klimakrise. Und das muss uns gelingen und daran arbeiten wir jetzt.

Tips: Gibt es weitere Maßnahmen, die ebenfalls nicht aufgeschoben werden dürfen?

Kaineder: Ich glaube tatsächlich, dass alles, was das Klima schützt, jetzt Vorrang haben muss. Für mich wären es drei Dinge, mit denen man in Oberösterreich sofort beginnen kann. Das erste ist, gemeinsam mit der Bundesregierung in eine massive Photovoltaik-Offensive zu gehen: Jedes Dach wird zum Solarkraftwerk. Das zweite ist, dass wir einen günstigen öffentlichen Verkehr brauchen. Jetzt ist die Chance, dass die Leute nach dieser Krise, wenn sie vielleicht sogar noch zwei, drei Tage im Homeoffice sind, die Möglichkeit haben, auf den Öffentlichen Verkehr umzusteigen. Das heißt, ein Klimaticket um einen Euro pro Tag, mit dem ich im ganzen Land unterwegs bin. Das kann man in OÖ morgen umsetzen, das ist eigentlich ganz einfach. Und das dritte ist diese Holzbauoffensive. Wenn wir die gesamte Wertschöpfungskette in der Region haben, dann generieren wir sozusagen neue Arbeitsplätze und sichern welche ab.

Tips: Glauben Sie, dass Sie da eine entsprechende Unterstützung von der Landesregierung bekommen werden?

Kaineder: Ich werde es versuchen. Aber wir haben in OÖ noch schwarz-blau und die Signale, die ich von dort höre, sind eher Konzepte aus dem letzten Jahrtausend und nicht welche, die uns in die Zukunft führen. Das sagen uns jetzt auch Umfragen: Die Menschen haben schon verstanden, dass wir nicht gegen die Natur arbeiten können und dass diese Klimakrise nicht Pause gemacht hat, nur weil wir Corona haben. Greenpeace hat jetzt eine Umfrage gemacht, die besagt, dass über 80 Prozent der Menschen meinen, dass der Klimaschutz jetzt eigentlich ein Motor sein muss, um aus der Corona-Krise herauszukommen. Und ich sehe das genauso. Das heißt, es gibt eine große Mehrheit in der Bevölkerung und Schwarz-Blau in OÖ muss jetzt diese Mehrheitsmeinung ernst nehmen.

Tips: Muss es noch mehr Förderungen geben in Zukunft? Etwa was den Wohnbau betrifft?  

Kaineder: Man muss sich genau anschauen, ob mehr gefördert oder richtiger gefördert werden muss. Denn ich verstehe jede junge Familie, die sagt, dass sie ein Haus bauen möchte und dann ist aber die ökologische Dämmung doppelt so teuer wie eine normale Erdölplatte. Wenn wir aber die Fördermaßnahmen richtig einsetzen, dann kann das die Familien entlasten - und am Ende das Gesamtbudget. Denn ich sage es nochmal, momentan, führen wir diesen Sondermüll, den wir auf die Häuser sozusagen draufkleben. In 30, 40 Jahren werden wir den irgendwo deponieren müssen. Jetzt haben wir im ganzen Land das Problem, dass die Leute sagen, „Bitte nicht bei mir“. Und das verstehe ich auch. Und deshalb können wir heute die Probleme von morgen mit den richtigen Förderungen mitlösen. Und das wäre eigentlich geboten.

Tips: Was kann Ihrer Meinung nach jeder einzelne Mensch tun, um nachhaltiger zu leben?

Kaineder: Zuerst ist es mir schon wichtig, zu betonen: Als Politiker ist es nicht meine Rolle, den Menschen zu erklären, wie sie zu leben haben. Sondern es ist unsere Verantwortung, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Gibt es eine 365-Euro-Klimaticket-Jahreskarte für Oberösterreich, dann ist es viel einfacher, die Öffis zu benützen. Wenn ich aber jetzt von Haslach nach Linz 1.400 Euro zahlen muss - für eine Jahreskarte, die mich genau von Haslach nach Linz und wieder zurück und noch nicht am Attersee am Wochenende zum Schwimmen bringt - dann sind das die falschen Rahmenbedingungen. Ich sehe es als meine Verantwortung, die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass es für die Menschen einfach wird, nachhaltig zu leben. Und da gehört natürlich die Mobilität dazu, kurze Strecken mit dem Fahrrad zu fahren  - dafür braucht es aber die Radwege. Alltags-Wege mit den Öffis zurückzulegen – dafür braucht es ein günstiges Öffi-Ticket und einen ausgebauten Öffentlichen Verkehr. Ordentliche Regionale Lebensmittelversorgung – dafür braucht es die starke Vernetzung von den Bäuerinnen und Bauern, die Lebensmittel in höchster Qualität produzieren - und den Konsumenten. Alles was die Politik tun kann, um es den Menschen leichter zu machen, muss getan werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden