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LINZ. Die Telefone laufen heiß in der Wirtschaftskammer mit der Frage „Warum lassen wir uns das gefallen?“, die viele Unternehmen angesichts der von der Bundesregierung avisierten Maßnahmenverschärfungen an sie richten, sagt WKOÖ-Vizepräsident Leo Jindrak beim Wirtschaftsgespräch der VKB-Bank am Freitag, denn die „Stimmung kippt schon fast. Je mehr das Wasser bis zum Hals steht, desto lauter werden die Schreie noch werden“, berichtet er.

Heimo Losbichler, Leo Jindrak und Stefan Fink Foto: VKB-Bank/Krügl
  1 / 13   Heimo Losbichler, Leo Jindrak und Stefan Fink Foto: VKB-Bank/Krügl

„Die Gastronomen beispielsweise können nichts dafür, denn dort hat es nachweislich die wenigsten Ansteckungen gegeben“, hat er kein Verständnis, dass sie trotzdem durch etwaige Schließungen die Leidtragenden sind. Auch in vielen Bereichen des Handels fürchtet er, dass es ins Eingemachte geht, wenn nach dem Oster- auch noch das Weihnachtsgeschäft ausfallen sollte. Denn neben einigen Gewinnern in der Krise gibt es viele Verlierer.

Bischof Manfred Scheuer sprach über die Ängste der Menschen. Der Bogen spannt sich dabei von Jobverlust über Gesundheit bis zur Vereinsamung.

„Nur weil sich wenige nicht an die Regeln halten, müssen verschärfte Maßnahmen für alle gesetzt werden“, bedauert Stefan Fink, Chief Economist KPMG Österreich und Professor für Finanz- und Risikomanagement an der FH Oberösterreich in Steyr. „Wir haben die schärfste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg, wobei es sektoral große Unterschiede gibt. Der Schaden ist jedenfalls signifikant“, zeigt er auf.

Keine Liquiditätskrise

„Überraschender Weise gab es bis jetzt keine Liquiditätskrise“, sagt FH-Professor Heimo Losbichler, Studiengangsleiter Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement an der FH Oberösterreich in Steyr. Ohne Lockdown wäre die Krise anders verlaufen, ist er überzeugt. Denn ertragsstarke Unternehmen wurden über Nacht gehindert, ihre Waren zu verkaufen. Jedenfalls sei die Situation nach der Ausbreitung des Corona-Virus in China zunächst weltweit unterschätzt worden. „Das Virus wird uns noch länger begleiten, denn Herdenimmunität wird es auch im Frühjahr noch nicht geben“, ist er überzeugt und bedauert, „dass wir dort, wo die meisten Ansteckungen stattfinden - im Privatbereich -, von der Verfassung her den geringsten Hebel haben.“

Die VKB-Bank habe in der Krise 47 Millionen Euro an Überbrückungskrediten zur Verfügung gestellt, jedoch seien diese wie auch die Kontokorrentkredite weniger ausgenutzt worden als gedacht. „Es ist also derzeit genügend Liquidität vorhanden und jetzt besonders wichtig, positiv und lebensfroh zu bleiben,“ betont VKB-Generaldirektor Christoph Wurm.

Tiefstand bei Zuversicht

„Wir haben den Tiefstand bei der Zuversicht seit 1972“, zeigt Moderator Paul Eiselsberg auf. „Und es stehen uns schwierige Monate bevor!“ Er schließt mit einem Zitat der Deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir sind nicht machtlos gegen das Virus. Jeder hat es selbst in der Hand.“

Unter dem Titel „Mit Achtsamkeit, Mut und Zuversicht in dieser besonderen Zeit“ wurde das VKB-Wirtschaftsgespräch vor einem kleinen Publikum abgehalten. Hunderte Zuseher verfolgten die Veranstaltung über Livestream. Das VKB-Wirtschaftsgespräch war ein Höhepunkt der VKB-Regionalspartage.


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